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Trumps Fantasy-Tweet : „Sanctions are coming“

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Im Mai unterzeichnete Trump das Dokument zur Wiedereinsetzung der Sanktionen gegen Iran. Diese treten am 5. November wieder in Kraft. Bild: AFP

Am Montag treten die amerikanischen Sanktionen gegen Iran wieder in Kraft. Donald Trump verkündete die Entscheidung seiner Regierung auf eine ganz eigene Art und Weise.

          Was ist Drama, was ist Politik? Was ist Wahrheit, was ist Fantasie? Was ist Realität, was entstammt einer anderen Welt? In der politischen Sphäre von Donald Trump sind die Übergänge bisweilen fließend. Das zeigte der amerikanische Präsident am Freitag einmal mehr. Kurz nachdem die Regierung der Vereinigten Staaten für den kommenden Montag, den 5. November, die Wiedereinsetzung von Sanktionen gegen Iran ankündigte, postete Trump bei Twitter ein Bild von sich – im Stil eines Film-Werbeplakats. Darauf: ein einigermaßen ernst in die Ferne schauender Trump in Anzug und Krawatte, vor verschwommenem Hintergrund. Dazu in großen Lettern die Worte: „Sanctions are coming - November 5“ – also in etwa: „Die Sanktionen nahen – 5. November“.

          Die Worte und die Schriftart in dem Trump-Tweet sind angelehnt an die erfolgreiche Mittelalter-Fantasy-Serie „Game of Thrones“. Dort ist der Satz „Winter is coming“ („Der Winter naht“) ein dramatisches Mantra – die ständig wiederholte Warnung vor einer heranziehenden Katastrophe und größtmöglichem Ungemach. Denn: der Winter bringt nichts Gutes in der Serie.

          „Was heißt Markenzeichen-Missbrauch auf Dothraki?“

          Trump hat schon in der Vergangenheit erkennen lassen, dass er ein Faible für Hollywood-Elemente in der Politik hat: etwa als er dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un bei deren Singapur-Gipfel einen Video-Clip in dramatischem Kino-Trailer-Stil präsentierte, um seine politische Ansage für das Treffen zu untermauern.

          Was Trump mit seinem aktuellen Tweet sagen will, bleibt sein Geheimnis. In den sozialen Netzwerken sorgte dieser jedenfalls für einigen Spott. Und der amerikanische Fernsehsender HBO, der „Game of Thrones“ produziert, äußerte sich nicht gerade begeistert über die Nachahmungsversuche aus dem Weißen Haus. „Was heißt Markenzeichen-Missbrauch auf Dothraki?“, schrieb der Sender bei Twitter. Dothraki ist eine der vielen Sprachen in der Welt von „Game of Thrones“ – eine Fantasie-Sprache, versteht sich.

          Zu den Sanktionen hatte Trump zuvor bereits erklärt: „Die Vereinigten Staaten haben eine Kampagne des ökonomischen Drucks gestartet, um dem Regime die Einnahmen zu verweigern, die es für seine blutige Agenda braucht.“

          Europa bedauerte den Schritt des Verbündeten. „Wir bedauern zutiefst die erneute Inkraftsetzung von Sanktionen durch die USA als Folge des Rückzugs der Vereinigten Staaten aus dem Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplan (dem Atomabkommen)“, heißt es in der Erklärung vom Freitag, die von der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini, den Außenministern Jean-Yves Le Drian (Frankreich), Heiko Maas (Deutschland) und Jeremy Hunt (Großbritannien) sowie vom deutschen Finanzminister Olaf Scholz und seinem britischen Kollegen Philip Hammond unterzeichnet wurde.

          Iran macht sich nach Angaben des Außenministeriums in Teheran dennoch keine Sorgen. „Wir haben uns schon im Vorfeld auf diese Sanktionen vorbereitet und es besteht daher keinerlei Grund zur Sorge“, sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi am Freitag im iranischen Staatsfernsehen. Das iranische Volk lasse sich nicht einschüchtern. Trump hatte im Mai den Austritt der Vereinigten Staaten aus dem Atomabkommen bekanntgegeben.

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