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Trumps Ex-Wahlkampfchef : Paul Manafort muss ins Gefängnis

  • Aktualisiert am

Paul Manafort Bild: Reuters

Er war einer der engsten Mitarbeiter von Trump: Nun muss der ehemalige Wahlkampfmanager wegen mutmaßlicher Geldwäsche und Steuerhinterziehung ins Gefängnis – bisher war er unter Auflagen auf freiem Fuß.

          Donald Trumps früherer Wahlkampfmanager Paul Manafort muss im Gefängnis auf sein Verfahren wegen Geldwäsche und Steuervergehen warten. Eine Richterin gab am Freitag einem Antrag von Sonderstaatsanwalt Robert Mueller statt, Manafort wegen Verletzung seiner Kautionsauflagen in Untersuchungshaft zu nehmen. Der Angeklagte, der seit Oktober unter Hausarrest stand, soll Zeugen beeinflusst haben. Die Anklage hat unmittelbar nichts mit seiner Arbeit für Trump zu tun. Im Gefängnis könnte er aber eher geneigt sein, mit Mueller zu kooperieren. Nach unbestätigten Berichten erwägt nun auch Trumps früherer Anwalt Michael Cohen, mit dem FBI zu kooperieren.

          Die Hafteinweisung des früheren hochrangigen Trump-Beraters ist ein Erfolg für Sonderermittler Robert Mueller. Der Ex-Chef des FBI untersucht im Auftrag des Justizministeriums die Russland-Affäre, in der Manafort als mögliche Schlüsselfigur gilt. Dabei geht es um mutmaßliche russische Wahlkampfeinmischungen zugunsten Trumps im Kampf gegen dessen Herausforderin Hillary Clinton. Manafort war bereits im vergangenen Oktober angeklagt worden. Seitdem lebt er mit einer Fußfessel.

          Trump reagiert mit sarkastischem Tweet

          Trump bezeichnete die Hafteinweisung seines früheren Wahlkampfchefs als „sehr unfair“. „Ich wusste nicht, dass Manafort der Kopf der Mafia ist“, merkte er sarkastisch im Kurzbotschaftendienst Twitter an.

          Der Sonderermittler wirft Manafort vor, er habe Zeugen seiner anstehenden Prozesse angerufen oder über verschlüsselte Textbotschaften kontaktiert, um sie zu „erheblichen Falschaussagen“ zu bewegen. Der Sonderermittler erweiterte vor einigen Tagen die Anklage gegen den einst überaus einflussreichen Lobbyisten um diesen Vorwurf.

          Bundesrichterin Amy Berman Jackson sagte bei der Anhörung am Freitag, sie könne sich angesichts der neuen Anschuldigungen gegen Manafort „nicht taub stellen“. Der Angeklagte habe „das Vertrauen gebrochen“, das ihm durch den bisherigen Hausarrest geschenkt worden sei, wurde die Richterin von der Website „Buzzfeed“ zitiert.

          Erster Prozess am 10. Juli

          Die Anklage wegen mutmaßlicher Versuche der Justizbehinderung durch Kontakte zu Zeugen erhob der Sonderermittler auch gegen Manaforts russischen Geschäftspartner Konstantin Kilimnik. Die Ermittler verdächtigen Kilimnik zudem der Kontakte zum russischen Geheimdienst. Bei den Zeugenaussagen geht es um Manaforts Kontakte zur sogenannten Hapsburg Gruppe, die ungesetzliche Lobbyarbeit für prorussische Politiker in der Ukraine betrieben haben soll.

          Manaforts erster Prozess soll am 10. Juli beginnen, weitere Anklagepunkte gegen ihn sollen in einem zweiten Prozess ab dem 17. September verhandelt werden. Er weist alle Vorwürfe zurück.

          Manafort war im Juni 2016 zu Trumps Wahlkampfleiter ernannt worden. Schon zwei Monate später musste er den Posten wieder abgeben, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, er habe mehr als zwölf Millionen Dollar (zehn Millionen Euro) von Russland-freundlichen Kräften in der Ukraine erhalten.

          Die Ermittlungen Muellers haben bislang zu Anklagen gegen 20 Beschuldigte geführt. Vier von ihnen gehörten Trumps Wahlkampfteam an. Manafort ist allerdings der einzige dieser früheren Trump-Mitarbeiter, der keine Schuld eingestanden hat und nicht mit dem Sonderermittler kooperiert. Trump bezeichnet die Anschuldigungen in der Russland-Affäre als gigantische „Hexenjagd“, hinter der die oppositionellen Demokraten steckten.

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