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Trumps Außenminister : Gewinnt ein Dritter den Zweikampf zwischen Romney und Giuliani?

  • -Aktualisiert am

Abschiedsgruß? Trump verabschiedet am vergangenen Samstag seinen Besucher Mitt Romney Bild: AP

Mitt Romney galt während der amerikanischen Wahlen als Donald Trumps schärfster Kritiker. Ausgerechnet er soll nun Außenminister werden. Die Berater des designierten Präsidenten warnen nun vor einem großen Fehler.

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          Newt Gingrich war im Wahlkampf einer von Donald Trumps loyalsten Mitstreitern. Natürlich hat der frühere „Speaker of the House“ die Privatnummer des designierten Präsidenten. Doch freimütig erzählte Gingrich vor der Wahl, was man tun müsse, um wirklich Gehör bei Trump zu finden: ins Fernsehen gehen. „Wenn ich wollte, dass er wirklich etwas begreift, dann war es am effektivsten, das bei Fox News zu machen“, sagte Gingrich.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Sein Beispiel macht Schule. Einige von Trumps Beratern fechten ihren Kampf über die Besetzung des Außenminister-Postens nun über die Medien aus, um den „President-elect“ auf ihre Seite zu ziehen. Sie alle wissen: Lange Sitzungen ermüden Trump. Doch er verbringt Stunden damit, durch die Talkshows der Politsender zu zappen.

          Gingrich hatte auch diesmal den Anfang gemacht. Nach einer Unterredung mit Trump baute er sich am Montag im Foyer des Trump Tower vor Reportern auf und sagte, Rudy Giuliani wäre ein viel besserer Außenminister als Mitt Romney. Den früheren New Yorker Bürgermeister Giuliani rühmte Gingrich als „harten Unterhändler“ mit dem „richtigen Temperament“. Sein heißblütiges Temperament hatte Giuliani im Wahlkampf mit besonders harschen, faktisch teils falschen Attacken auf die Demokratin Hillary Clinton vorgeführt.

          Trumps Wert von Loyalität

          Romney, der gescheiterte Präsidentschaftsbewerber von 2012, hatte sich dagegen an die Spitze der republikanischen Anti-Trump-Bewegung gestellt und Trump als Hochstapler abgetan. Über die Medien warnte Gingrich den Wahlsieger nun davor, dass „Romney versuchen könnte, Trump seine Vorstellung einer Präsidentschaft aufzudrücken“. Im Sender Fox News erinnerte er Trump daran, dass Romney bis zum Ende des Wahlkampfs sein „bösartigster und eindeutigster Gegner“ gewesen sei.

          An sich braucht Trump keine Belehrungen über den Wert von Loyalität. Er ist dafür bekannt, keine Kritik zu vergessen – geschweige denn eine Serie verbaler Hiebe wie die, die Romney ihm im März in einer Rede versetzt hatte. Doch offenkundig liegt Trump daran, die internationalen Wogen der Empörung über seine Wahl zu glätten, und nach seiner Begegnung mit Romney am Wochenende soll er sich vor seinen Beratern beeindruckt gezeigt haben: Romney sehe einfach aus, wie man sich einen Außenminister vorstelle. Trumps letzte Wahlkampfmanagerin und enge Vertraute Kellyanne Conway scheint lange gehofft zu haben, der öffentliche Flirt mit Romney sei nur ein Medien-Manöver ihres Chefs, um dem republikanischen Establishment und den Dutzenden Millionen bangen Amerikanern Offenheit zu signalisieren. Doch am Donnerstag ging auch sie in die Offensive. Auf Twitter, einem weiteren Lieblingsmedium des künftigen Präsidenten, schrieb Conway, sie werde mit Warnungen vor Romney überschüttet. In einem weiteren Tweet lieferte sie eine Stellenbeschreibung nach: Vorbildliche Außenminister wie Henry Kissinger oder George Shultz seien „weniger um die Welt geflogen“, hätten den Präsidenten zu Hause beraten „und waren loyal“. „Gute Checkliste“, so Conway.

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