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Trumps Syrien-Politik : Härte und Liebe

  • -Aktualisiert am

Trump hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber. Bild: AP

Trump hat eine Feuerpause für Syrien aushandeln lassen und feiert sich nun als Friedensstifter. Doch seine Siegerpose wirkt lächerlich. Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte.

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          Trump hat mal wieder einen Deal geschlossen: eine fünf Tage dauernde Feuerpause in Nordsyrien. Die sollen die kurdischen Kämpfer nutzen, um aus Erdogans „Sicherheitszone“ abzuziehen. So, wie der amerikanische Präsident es darstellt, sind alle glücklich darüber. „Die Kurden sind sehr glücklich, die Türkei ist sehr glücklich, die Vereinigten Staaten sind glücklich“, und sogar „die Zivilisation ist sehr glücklich“.

          Tatsächlich hat außer Erdogan niemand Grund, glücklich zu sein. Am wenigsten die Kurden, die den Angreifern ihr Land einfach schenken sollen. Wieso sollten sie sich an eine Abmachung halten, die andere über ihren Kopf hinweg und zu ihrem Nachteil getroffen haben? Weder ihre neuen Helfer aus Damaskus noch die faktischen Ordnungshüter aus Russland haben mitgeredet.

          Es ist noch nicht einmal klar, für welches Gebiet die Vereinbarung gelten soll. Amerikaner und Kurden reden von einem Grenzstreifen von hundert Kilometer Breite, Ankara spricht von einem Landstrich, so groß wie der Libanon: 400 Kilometer vom Euphrat bis zur irakischen Grenze. Kein Wunder, dass trotz Waffenruhe wieder Gefechte gemeldet wurden.

          Anerkennung statt Sanktionen

          Das Absurde am amerikanischen Friedensangebot: Die Waffen, die eigentlich schweigen sollen, hat Trump durch seinen chaotischen Truppenabzug erst zum Feuern gebracht. Der amerikanische Präsident hat einen Flächenbrand ausgelöst und rennt nun mit einem Wassereimerchen herum, um ihn zu löschen.

          Sein angebliches Erfolgsrezept nennt er eine Mischung aus „Härte und Liebe“. Erst hätten die Krieger die Gewalt am eigenen Leibe spüren müssen („und alle sagen: Wow, das ist härter, als wir dachten“), um dann einzusehen: „Okay, wir brauchen einen Deal.“ Sollen halt erst mal Hunderte sterben, damit Trump schließlich den Friedensstifter mimen kann.

          Doch Trumps Siegerpose wirkt lächerlich. Er hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber. Ließ sich erst am Telefon einlullen und kaschierte seine Beschämung hinterher mit Eigenlob („meine unübertroffene Weisheit“) und cholerischen Drohungen („werde die türkische Wirtschaft auslöschen“). Probierte es dann auf die sensible Art („sei doch kein harter Typ, sei doch kein Narr“), um schließlich zuzugeben, dass er harte Typen unwiderstehlich findet („er ist ein mordsmäßiger Führer, ein Teufelskerl, ein starker Mann“).

          Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte. Für seinen völkerrechtswidrigen Einmarsch in fremdes Territorium wurde er nicht etwa sanktioniert, sondern mit Anerkennung überschüttet. Trump übernimmt sogar Erdogans Wortwahl: Er spricht völlig selbstverständlich davon, dass die Türken die Region nun mal „säubern mussten“.

          Trump rühmt sich, ein „unkonventioneller“ Politiker zu sein. Seine für das Präsidentenamt in der Tat unkonventionelle Ahnungslosigkeit bringt allerdings auch unkonventionell schlechte Ergebnisse hervor. Seine Außenpolitik aus „Härte und Liebe“ versagt nicht nur in Syrien, sondern auch in Iran und Nordkorea.

          Überall verspielen die Amerikaner Vertrauen und Respekt. In Iran hat die Mischung aus maximalem Sanktionsdruck und Gesprächsangeboten vor allem zu brennenden Öltankern geführt. Den nordkoreanischen Diktator haben bisher weder „Feuer und Wut“ noch Liebesbekundungen dazu gebracht, seine Waffen abzugeben.

          Und in Syrien diktiert eine größenwahnsinnige Regionalmacht Washington nun ihre Wünsche, während Putin und Assad sich die Hände schütteln und Dschihadisten aus ihren Löchern kriechen.

          Livia Gerster

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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