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Trumps Anruf in Russland : „PR-Coup“ für Putin

  • -Aktualisiert am

Amerikas Präsident Donald Trump und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin bei einem Treffen im Juli 2018 in Helsinki Bild: AP

Donald Trump wird für sein freundliches Telefonat mit Wladimir Putin kritisiert. Während die amerikanische Regierung eine härtere Linie gegen Russland verfolgen will, geht es ihrem Präsidenten besonders um eines: Entlastung in der Russland-Affäre.

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          Wenn zwei Präsidenten telefonieren, dann haben normalerweise mehrere Berater tage- wenn nicht wochenlang vorbereitet, was besprochen wird: Es gibt einen Themenplan, Ziele und eine Strategie für Strittiges. Wenn Donald Trump mit Wladimir Putin spricht, dann weiß man nie so genau, ob es all das gibt – und ob sich der Amerikaner daran halten will.

          Am Freitag waren sich beide einig: Ihr Telefongespräch sei ausführlich und positiv gewesen, ließen sie verlauten. Es war der amerikanische Präsident, der seinen russischen Amtskollegen angerufen hatte. Und beide nutzten die Gelegenheit, noch einmal zu behaupten, dass die Ermittlungen wegen einer russischen Einmischung in den amerikanischen Wahlkampf 2016 nichts als falscher Alarm gewesen seien.

          Trump twitterte, die besprochenen Themen hätten auch den „Russian Hoax“ umfasst: Die „Ente“ oder den „Scherz“ also, als die er die Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller vehement bezeichnet. Den Journalisten erzählte Trump später, Putin habe gelacht und „etwas in der Richtung gesagt, dass das Ganze als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet ist. Aber ihm war das klar, weil er ja wusste, dass es keine Zusammenarbeit gab“.

          Trump nimmt Gefahr russischer Einmischung nicht wichtig

          Das Telefonat dauerte mehr als eine Stunde und war das erste Gespräch der beiden Präsidenten, seit der Bericht des Sonderermittlers im April veröffentlicht worden war. Trotz umfangreicher Schwärzungen machte Muellers Bilanz klar, dass „die russische Regierung auf drastische und systematische Art und Weise in die Präsidentenwahl 2016 eingriff“. Im Laufe der Ermittlungen waren 25 Russen und drei russische Unternehmen wegen Hackings und wegen Desinformationskampagnen im Internet angeklagt worden. Auch stellte Mueller fest, Trumps Wahlkampagne habe „erwartet, sie werde bei der Wahl von Informationen profitieren, die durch die russischen Anstrengungen gestohlen und veröffentlicht worden waren“.

          Nur eine umfassende Verschwörung mit dem Wahlkampfteam von Trump bewies die Untersuchung nicht. Muellers Erkenntnisse über die Angriffe aus Russland decken sich mit denen der amerikanischen Geheimdienste. Nach dem Telefonat am Freitag fragte ein Journalist, ob Trump mit Putin darüber gesprochen habe, dass es bei der nächsten Wahl wieder Beeinflussungsversuche geben könnte. Trump verneinte das knapp.

          Der Präsident blieb also nicht nur dabei, den Russen mehr glauben zu wollen als seinen eigenen Geheimdiensten und den vom Justizminister beauftragten Ermittlern. Er bekräftigte damit auch, dass er die Gefahr einer russischen Einmischung in den Wahlkampf 2020 nicht wichtig nimmt. Die „New York Times“ berichtete, dass Trump Versuche seiner eigenen Regierung, über Vorsichtsmaßnahmen zu diskutieren, in den vergangenen Monaten nicht unterstützte. Der amtierende Stabschef des Weißen Hauses, Mick Mulvaney, habe der damaligen Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen gesagt, entsprechende Präventionsversuche für 2020 seien „kein gutes Thema“ und sollten daher auf niedrigeren Hierarchiestufen besprochen werden.

          CNN: Putin hat Trump Fallen gestellt

          Vor allem wegen der Verharmlosung der russischen Beeinflussungsversuche 2016 kritisierten viele Beobachter das Telefongespräch und Trumps anschließende Aussagen. „Die nationalen Sicherheitsinteressen zu untergraben, steht normalerweise nicht auf der To-Do-Liste für solche Anrufe“, kommentierte etwa Samantha Vinograd bei CNN – Putin habe Trump regelrechte „Fallen“ gestellt. „Putin will den Präsidenten manipulieren und ihn schwach und beeinflussbar aussehen lassen. Das ist ihm am Freitag gelungen.“

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