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Trumps Amtsantritt : Eine Kampfansage ohne Vorbild

Radikal populistisch in Ton und Inhalt: Donald Trump hat eine Antrittsrede als Präsident gehalten, wie Amerika sie noch nicht erlebt hat Bild: AFP

Donald Trumps Rede zum Amtsantritt war eine Kampfansage, wie man sie an dieser Stelle noch nicht gehört hat. Europa und Deutschland sollten das als Weckruf verstehen.

          Der demokratische Machtwechsel ist vollzogen. Donald Trump ist als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt worden in einer zivilreligiösen Zeremonie, die tief in die Geschichte der Republik zurückreicht. Und doch war dieses Hochamt der amerikanischen Demokratie beschwert: Viele Amerikaner halten den Nachfolger Barack Obamas für gefährlich, die halbe Welt hat das ungute Gefühl, dass fortan im Weißen Haus der Geist einer ruppigen Unberechenbarkeit und eines unsentimentalen Nationalismus herrschen wird. Dieses Gefühl haben Trumps Ausführungen zur Amtseinführung noch verstärkt.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Trump ist der unwahrscheinlichste Präsident der jüngeren amerikanischen Geschichte. Hätte man vor gut eineinhalb Jahren darauf gewettet, man wäre reich geworden. Der Immobilienmilliardär hat erst die Republikanische Partei auf den Kopf gestellt und dann die Demokraten geschlagen mit dem eingängigen Slogan „Amerika zuerst“ und dem vagen Versprechen, „Amerika wieder groß zu machen“. Mit seinem Angebot aus ökonomischem Nationalismus, Abschottung und Neoisolationismus kam er so gut an, dass er nun Präsident ist.

          Nationalistisch in Ton und Inhalt

          Das soll auch die Politik seiner Regierung werden. „America first“ war nicht nur der Kern seiner Wahlkampfbotschaft, es ist das Leitmotiv seiner Präsidentschaft. Trumps Rede zur Amtseinführung war eine einzige Kampfansage, wie man das bei diesem Anlass noch nicht gehört hatte: an das „Establishment“, an Washington, die Globalisierung und an alle, die das amerikanische Volk „aussaugen“. Sie war nationalistisch in Ton und Inhalt.

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          Die Europäer bekommen es mit einem Präsidenten zu tun, der nicht daran denkt, Freundlichkeiten auszuteilen, sondern der „regime change“ in Washington will. Doch banges Klagen und apokalyptisches Warnen helfen nicht. Sie müssen es nehmen, wie es ist. Schließlich hat sich das Interesse an engen, tiefen und breiten Beziehungen zu den Vereinigten Staaten nicht erledigt, nur weil Trump abschätzige Bemerkungen über die EU und die Nato gemacht hat. Zweifellos wird es komplizierter werden.

          Europa und Deutschland sollten den Amtsantritt des Donald Trump als Weckruf verstehen: Es wird jetzt mehr denn je auch auf sie ankommen, auf ihre Leistungsfähigkeit und ihre Verantwortungsbereitschaft, damit der Westen den Stürmen der Gegenwart standhält. Aber Amerika unter Donald Trump – das wird ein anderes Amerika sein.

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