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Amerika : Trump zieht über Hillary Clinton her

  • Aktualisiert am

Donald Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung am 5. Juli in Raleigh, North Carolina Bild: AFP

Das FBI will Hillary Clinton in der E-Mail-Affäre nicht anklagen. Eine Steilvorlage für ihre Gegner. Trump spricht von Beweisen, Lüge und der Sicherheit Amerikas.

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          Donald Trump hat Hillary Clinton für ihr Verhalten als amerikanische Außenministerin scharf kritisiert. „Jetzt ist bewiesen, dass sie gelogen hat“, sagte der voraussichtliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner in der Nacht zum Mittwoch in Raleigh (North Carolina) vor Anhängern. „Sie kann nicht für unsere Sicherheit einstehen.“

          „Sie hat gewohnheitsmäßig vertrauliches Material gesendet und empfangen. Sie hat das ganze Land in Gefahr gebracht“, sagte Trump über seine voraussichtliche demokratische Konkurrentin. „Sie hat das Leben von Amerikanern aufs Spiel gesetzt.“

          Die amerikanische Bundespolizei FBI hatte zuvor trotz vernichtender Kritik am Verhalten Hillary Clintons keine Anklageempfehlung ausgesprochen. Darüber muss nun die Justizministerin entscheiden.

          FBI-Direktor James Comey sagte, Clinton sei extrem unvorsichtig gewesen und es sei nicht ausgeschlossen, dass ihre Server gehackt worden sei. Trump sagte dazu: „Unsere Feinde haben die Möglichkeit, uns zu erpressen, sie haben eine Akte über Hillary angelegt, schon deswegen darf es ihr nicht erlaubt werden, Amerikas Präsident zu werden.“

          Trump: Das System ist manipuliert

          Trump säte auch Zweifel an der FBI-Untersuchung selbst: „Ich dachte immer, E-Mails könnten nicht komplett verschwinden. Haben Sie das schon mal gehört? Da muss man die besten Experten ranlassen, und das haben sie eben nicht.“ Er sagte, das ganze System sei manipuliert.

          Mit Blick auf Clintons innerparteilichen Konkurrenten Bernie Sanders, der Clinton bisher nicht offiziell unterstützten mag, verglich Trump die Entscheidung des FBI mit einer Wahl zwischen zwei Kandidaten. Er sagte: „Bernie, mein armer Bernie! Heute hat er die FBI-Primary verloren. Er tut mir so leid, weil es das jetzt wohl war für ihn.“

          Clinton hatte als Außenministerin auch dienstliche E-Mails über private Server und Geräte abgewickelt. Es könne dabei laut FBI nicht von vorsätzlich kriminellem Verhalten ausgegangen werden. Clinton hatte über Monate gesagt, sie habe nie vertraulich markiertes Material über die kritisierten Server abgewickelt. Die Untersuchung des FBI stellt das exakte Gegenteil fest. Comey sagte, 110 E-Mails in 52 E-Mail-Ketten seien vertraulichen Inhalts gewesen: 8 davon hatten die höchste Stufe streng geheim, 36 waren geheim und 8 vertraulich.

          Viele E-Mails gelöscht

          Das FBI untersuchte 30.000 E-Mails. Viele tausend E-Mails wurden von Clintons Team gelöscht. „Keine einzige dieser E-Mails hätte auf einem privaten Server sein dürfen“ sagte Comey. Jeder in einer verantwortlichen Position habe das wissen können und müssen. „Wir haben aber keinen klaren Beweis gefunden, dass Clinton oder ihre Kollegen absichtlich das Gesetz gebrochen haben“, sagte Comey. Gleichwohl sei das Verhalten Clintons im Umgang mit hochsensiblem oder vertraulichem Material extrem sorglos gewesen.

          Die Affäre verstärkt Clintons Glaubwürdigkeitsprobleme. Sie selbst hatte ihr Verhalten spät und widerstrebend als Fehler bezeichnet. Als Reaktion auf das FBI erklärte Clintons Team: „Wie die Ministerin wiederholt gesagt hat, war es ein Fehler, ihre persönlichen Mails zu benutzen, und sie würde das nicht wieder tun. Wir sind froh, dass die Angelegenheit nun erledigt sind.“

          Die Nicht-Anklageentscheidung ist für Clinton einerseits eine große Erleichterung. Andererseits bietet die harsche Kritik des FBI ihren Gegnern reichlich neuen Zündstoff.

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