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Kommentar : Schwertertanz

Bei seiner Reise in den Mittleren Osten versuchte Donald Trump, die arabischen Länder gegen Iran zusammenzubringen. Doch sein Vorhaben war nur teilweise erfolgreich.

          Nur auf den ersten Blick handelt es sich bei der jüngsten politischen Zuspitzung im Mittleren Osten um die üblichen arabischen Kabalen. Tatsächlich ist die Entscheidung gleich mehrerer Länder unter Führung Saudi-Arabiens, die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem kleinen Golfemirat Qatar abzubrechen, eng verknüpft mit zentralen Konflikten der Region. Es geht um Iran, die sunnitischen-schiitischen Spannungen und um die Hegemonie am Golf. Die Krise kommt nicht aus heiterem Himmel, sie ist eine leicht verzögerte Folge der ersten Nahost-Reise Donald Trumps.

          Vor den in Riad versammelten Führern des Großteils der islamischen Welt hatte der amerikanische Präsident Iran als Hauptsponsor des Terrorismus in der Region angeklagt und versucht, die arabischen Länder gegen die Islamische Republik zusammenzubringen. Seit die sogenannte Arabellion Teile des Nahen Ostens ins Chaos gestürzt hat, wetteifern Riad und Teheran um die regionale Führungsrolle. Die saudische Wahhabitenmonarchie hat sich dabei erfolgreich als sunnitischer Stabilitätsanker im Sinne Washingtons in Szene gesetzt, zudem dankt sie Trump sein Vertrauen durch große Rüstungskäufe.

          Dennoch scheint Trumps politischer Schwertertanz nur teilweise erfolgreich gewesen zu sein: Schon zeigen sich Risse in der antiiranischen Front. Offiziell wird Qatar beschuldigt, Terrorgruppen zu unterstützen. Tatsächlich hat das Emirat sich in den vergangenen Jahren durchaus offen gegenüber islamistischen Gruppen gezeigt, die in den Turbulenzen nach 2011 verschiedentlich an die Macht gekommen waren, etwa die Muslimbruderschaft in Ägypten.

          Dabei kam und kommt ihm zugute, dass es wegen seines Reichtums an Erdgas über unerschöpfliche Geldquellen verfügt. Ebenso wichtig scheint im aktuellen Fall jedoch eine gewisse Offenheit gegenüber Iran zu sein, die nun dazu geführt hat, dass die Nachbarstaaten Doha mit drastischen Maßnahmen zu disziplinieren versuchen. Mit Trumps Unterstützung macht Saudi-Arabien unmissverständlich klar, wer den Ton angibt in den regionalen Beziehungen der Golfmonarchien.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

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