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Amerikas Anti-IS-Strategie : Trumps Militärs haben freie Hand im Kampf gegen Terror

  • -Aktualisiert am

Im Kampf gegen die Terrormiliz IS im Irak: Amerikanische Soldaten nahe Mossul. Bild: Reuters

Donald Trump gibt den Militärs mehr Spielraum im Kampf gegen dschihadistische Terroristen, der Krieg gegen den IS wird intensiver. Einen Plan für die Zeit danach lässt der amerikanische Präsident aber nicht erkennen.

          „Im Irak läuft es sehr gut“, sagte Donald Trump am Dienstag auf einem Empfang für Senatoren im Weißen Haus. Er habe gerade mit Verteidigungsminister James Mattis telefoniert, berichtete der Präsident. Kein Wort verlor er darüber, dass der Kommandeur der amerikanischen Truppen im Irak und in Syrien, Stephen Townsend, einige Stunden zuvor Amerikas Mitverantwortung am Tod von mehr als hundert Zivilisten in Mossul für „ziemlich wahrscheinlich“ erklärt hatte. Stattdessen sagte Trump mit Blick auf den Irak: „Unsere Soldaten kämpfen wie nie zuvor.“ Dabei wird nur ein kleiner Teil der gut 5000 Amerikaner im Irak als Militärberater an der Front eingesetzt. Einen Kampfauftrag haben die Soldaten nicht. „Die Ergebnisse sind sehr, sehr gut“, sagte Trump.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Viel mehr hat man vom Präsidenten zu dem Thema noch nicht gehört, geschweige denn über seinen im Wahlkampf beworbenen „Geheimplan“ zum schnellen Sieg über die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Mit Aplomb hatte Trump Ende Januar Mattis beauftragt, binnen Monatsfrist eine Strategie auszuarbeiten. Verkündet wurde seither nichts. In vielerlei Hinsicht folgen die Amerikaner der Strategie, die unter Barack Obama ausgearbeitet wurde. Außenminister Rex Tillerson lobte vorige Woche vor Vertretern der 67 Partner in der Anti-IS-Koalition, dass der Zustrom ausländischer Kämpfer in das vermeintliche Kalifat zu 90 Prozent und die Online-Propaganda der Terroristen zu 75 Prozent unterbunden worden seien. Das sind Erfolge aus Obamas Regierungszeit.

          Kaum warnende Stimmen in der Regierung

          Doch langsam schälen sich Akzentverschiebungen mit beträchtlichen Auswirkungen heraus. Die drastisch zunehmende Zahl durch Luftangriffe getöteter Zivilisten im Irak wie in Syrien ist das bisher deutlichste Indiz für eine veränderte Herangehensweise. Zwar beteuert das Pentagon, die Einsatzregeln seien unverändert. Doch Obama war noch vorsichtiger vorgegangen, als es die Regeln vorschreiben. Das Weiße Haus behielt sich das letzte Wort über viele Operationen vor. Trump hat früh klargemacht, dass er Mattis genug vertraue, um die Befehlskette wieder zu verkürzen. Der zum Minister avancierte Viersternegeneral mit Kampferfahrung im Irak lässt seinerseits den örtlichen Kommandeuren viel Spielraum.

          Hinzu kommt, dass Tillersons State Department mangels Führungspersonals bis auf weiteres nur ein Schatten seiner selbst ist, und auch im Pentagon sind zahllose zivile Führungsposten vakant. Außerhalb des Militärs gibt es daher wenige gewichtige Stimmen in Amerikas Regierung, die vor der Inkaufnahme ziviler Tote warnen würden. Obama war stets von der Sorge getrieben, mit einem zu robusten Vorgehen den Terroristen neuen Nährboden zu verschaffen.

          Trump will schneller handeln als Obama

          Im Pentagon wurde dagegen geklagt, dass das Zaudern schnelle Erfolge gegen die Dschihadisten verhindere, was wiederum das Zutrauen der örtlichen Truppen in die amerikanischen Helfer untergrabe. Doch für Obama war Schnelligkeit kein Selbstzweck. Ohne viel Rücksicht auf das Leiden der vom IS unterjochten Bevölkerung in Städten wie Mossul oder dem syrischen Raqqa trat er bei der Rückeroberung von Territorium auf die Bremse, solange keine lokalen Kräfte bereitstanden, um die befreiten Gebiete zu halten. Nicht zuletzt der Libyen-Einsatz hatte Obama gelehrt, die Planung für die Zeit nach dem Entscheidungskampf nicht zu unterschätzen.

          Unter Trump stehen nun alle Zeichen auf Beschleunigung. Zudem lässt die neue amerikanische Regierung keinen Zweifel an ihrer Priorität. Tillerson sagte den Koalitionspartnern: „Es gibt viele dringende Herausforderungen im Mittleren Osten, aber das erste Ziel der Vereinigten Staaten ist es, den IS zu besiegen. Wenn alles zur Priorität erklärt wird, ist nichts Priorität.“

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