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Trump und Sessions : Auf zwei unterschiedlichen Planeten

  • -Aktualisiert am

Justizminister Jeff Sessions spricht auf einer Konferenz in der Justizabteilung in Washington (USA). Bild: AP

Jeff Sessions hat Trump ins Weiße Haus verholfen. Als Justizminister bedient er die konservative Basis wie kein anderer. Dann kam der Bruch zwischen den Männern.

          Es ist, als stammten der Präsident und sein Justizminister von verschiedenen Planeten. Donald Trump arbeitete sich in der Weltstadt New York vom Millionärssohn zum Milliardär hoch. Er vermarktete sich als in Saus und Braus lebender Frauenheld, im Privaten so sprunghaft wie in seinen politischen Ansichten. Jeff Sessions, 1946 ein paar Monate nach Trump geboren, wuchs im segregierten Alabama auf. Sein Heimatort hatte nur eine Kreuzung und einen Laden, der seinem Vater gehörte. Jefferson Beauregard Sessions III war ein emsiger Pfadfinder, heiratete früh die Frau, mit der er bald goldene Hochzeit feiern will, brachte es erst zum Staatsanwalt und schließlich zum Berufspolitiker. Mit Prunk und Protz kann der prinzipientreue Methodist wenig anfangen. Als Senator genügte ihm ein klappriges Auto. Als Minister bereitet er sich morgens in der Büro-Mikrowelle einen Haferbrei zu und spült danach persönlich den Teller ab. Sessions ist anderthalb Köpfe kürzer als Trump. Auf Kundgebungen poltert er nicht, sondern singt und säuselt eher. Er tritt gern verbindlich auf, allenfalls etwas trotzig. Linke hänseln ihn als „Rumpelstilzchen“.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Der Sessions-Planet und der Trump-Planet kreisen aber um dieselbe Sonne. Schon vor Jahrzehnten, als Billigimporte den heimischen Holzfällern und Textilarbeitern zusetzten, entwickelte Sessions Abscheu gegen den Welthandel. In Einwanderern sieht er unerwünschte Konkurrenten um Arbeitsplätze und staatliche Gelder. Als der Senator 2014 zur Wiederwahl stand, trat niemand gegen ihn an. Denn Sessions konnte sich im armen Alabama auf ein übermächtiges Wählerbündnis aus weißen Arbeitern und evangelikalen Konservativen stützen – wie Trump zwei Jahre später. Beide Politiker wehren sich nicht, wenn sie Zuspruch vom radikalen Rand der Rechten bekommen. Sessions ließ sich 2015 gar als „Hüter der Flamme“ von einer Gruppe auszeichnen, deren Gründer Frank Gaffney behauptet, dass Barack Obama Muslim sei. An dieser Legende hatte Trump eifrig mitgestrickt. Sessions hat den „seelenlosen Globalismus“ als Grundübel ausgemacht und wettert gegen die „Masters of the Universe“. Vom „He-Man“ aus der gleichnamigen Zeichentrickserie hängte er sich ein Poster ins Büro.

          In der republikanischen Fraktion war Sessions eine Randfigur. Kaum ein Kollege dürfte Anfang 2015 das Strategiepapier ernst genommen haben, in dem Sessions darlegte, wie die Präsidentenwahl zu gewinnen sei: Die Partei müsse der Arbeiterklasse erklären, dass sie von Einwanderern um ihren Wohlstand geprellt werde. „Ohne diese Wähler können wir 2016 nicht gewinnen“, stellte Sessions fest, „und Republikaner können diese Wähler nicht gewinnen, wenn sie nicht bereit sind, auf Abstand zur Kaste der Großspender zu gehen.“ Rechte Medien wie Fox News oder Breitbart News hofierten Sessions. Der frühere Breitbart-Chef Steve Bannon, nunmehr Oberstratege im Weißen Haus, sagte im Januar: „Jeff war der Anführer der populistischen Revolte gegen die Elite.“ Bis er, sollte das heißen, den Stab an Trump weiterreichte.

          Umso heftiger rumorte es an Trumps Basis, als der Präsident kürzlich anfing, auf Sessions einzuhacken. Plötzlich zeigt sich der Präsident „enttäuscht“ von seinem „angeschlagenen“ und „sehr schwachen“ Minister. Er zürnt Sessions, weil der sich in den Russland-Ermittlungen nicht schützend vor ihn stellt, sondern für befangen erklärte. Darum kann der Minister weder das FBI noch den Sonderstaatsanwalt bremsen, die den Vorwürfen gegen den Präsidenten und sein Wahlkampfteam nachgehen. Trump findet das „sehr unfair gegenüber dem Präsidenten“ und ärgert sich laut darüber, Sessions überhaupt ernannt zu haben. Der rechte, um schneidige Urteile sonst nie verlegene Radiokommentator Rush Limbaugh bekundete daraufhin „ein gewisses Unbehagen“. Breitbart News warf Trump gar Heuchelei vor, weil er selbst viel inkonsequenter und damit „schwächer“ sei als Sessions. Gemeinhin stramme Trumpisten ermahnten den Präsidenten, Sessions in Ruhe zu lassen.

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