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Trump und Putin : Die Suche führt nach Russland

  • -Aktualisiert am

Sollte Russland wirklich die Demokraten-Server ausspioniert haben, sagte Trump etwas später, dann zeige das nur, wie wenig Respekt Moskau noch vor Amerika habe. Putin nehme Obama nicht ernst, führte Trump aus, er habe schockierenderweise sogar das „N-Wort“ benutzt – „ihr wisst doch alle, was das N-Wort ist?“ Die „Fact-Checker“ der amerikanischen Zeitungen können sich denken, dass Trump mindestens „Neger“ meinte. Aber auch von dieser angeblichen Putin-Äußerung fehlt jede Spur.

Appell an Moskau: Findet Clintons E-Mails

Er wisse „gar nichts“ über Putin, bekräftigte Trump wieder und wieder – nur so viel: Einen Oberbefehlshaber Trump werde der russische Präsident respektieren. Dann plazierte er seinen Appell an Moskau, die Clinton-Mails zu „finden“.

Es dauerte lange, bis ein Reporter nachfragte, ob Trump denn gar nichts dabei finde, die russische Regierung um Cyberspionage in Amerika zu ersuchen. „Das muss der Präsident entscheiden“, antwortete Trump – und meinte Putin. „Wahrscheinlich“ habe Russland die Mails vom Clinton-Server längst, „und wenn ich ehrlich bin, dann will ich die lesen“. Die nächste Nachfrage einer Reporterin würgte Trump ab: „Sei still!“

Clintons Berater Sullivan gab sich fassungslos. Wenn eine ausländische Macht in Amerika spioniere, dann sei das keine Frage der Parteipolitik, sondern der nationalen Sicherheit.

Mike Pence droht „schwere Folgen“ an

Trumps Stab fürchtete offenkundig, dass der Schuss, mit dem ihr Chef die Medien von den Demokraten ablenken wollte, nach hinten losgegangen sei. Auf Twitter verbreitete Trump bald eine zahmere Version, wonach Russland die Clinton-Mails, „sollte es sie haben“, dem FBI überlassen möge. Sein Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence gab eine Erklärung zum Fall der geklauten Demokraten-Mails heraus: „Wenn Russland es war und sich so in unsere Wahlen einmischt, dann versichere ich, dass beide Parteien und die Regierung der Vereinigten Staaten dafür sorgen, dass das schwere Folgen hat.“

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich noch gar nicht herumgesprochen, dass Trump Putin in der Pressekonferenz ein weiteres, potentiell viel größeres Geschenk gemacht hatte. Er war gefragt worden, ob er die von Russland 2014 annektierte ukrainische Halbinsel Krim als russisches Territorium anerkennen und die Sanktionen aufheben würde. „Das gucken wir uns an“, antwortete Trump aufgeschlossen und/oder überfragt, „ja, das gucken wir uns an.“

Er wolle nichts lieber, als ein gutes Verhältnis zu Moskau, erklärte Trump, damit man „gemeinsam“ den „Islamischen Staat“ bezwingen könne. Paul Ryan, der amtierende Nachfolger von Newt Gingrich als „Speaker“ und sporadische Trump-Kritiker, ließ seinen Sprecher vorsichtshalber bekräftigen, dass Putin ein „Schurke“ sei. Der Kreml müsse sich aus der amerikanischen Wahl heraushalten.

Die Demokraten reden und es geht um Trump

Als am Abend die Prime Time anbrach, waren die Fernsehkameras natürlich wieder auf die Demokraten-Bühne gerichtet. Im Mittelpunkt blieb Trump trotzdem. Vizepräsident Joe Biden sprach sein Urteil „Er hat keine Ahnung“ so eindringlich, dass Abertausende in der Halle den Satz mehrmals wiederholten. Das gleiche gelang Tim Kaine, der im Januar Bidens Büro übernehmen will. Clintons „running mate“ bezeichnete Trump in einer ansonsten betulichen Rede als notorischen Lügner und verkündete, man könne ihm „nicht ein Wort glauben“. „Nicht ein Wort! Nicht ein Wort“, skandierten die Delegierten.

New Yorks früherer Bürgermeister Michael Bloomberg, einst ein Republikaner und jetzt formal ein Unabhängiger, beschrieb seinen Mitmilliardär Trump als gefährlichen Spalter. Bloomberg eroberte das skeptische Publikum mit dem Plädoyer, „eine geistig gesunde, kompetente Person“ ins Weiße Haus zu schicken.

Dann kam Obama. Er rühmte und herzte Hillary Clinton, pries voller Zuversicht die Vereinigten Staaten und zerpflückte wie beiläufig Trumps Positionen. „Jeder, der unsere Werte bedroht, wird scheitern“, versicherte der Präsident. Das gelte für „Faschisten, Kommunisten, Dschihadisten und einheimische Demagogen“. „Homegrown demagogue“: Mit diesem spitzesten aller Pfeile auf den politischen Gegner verabschiedete sich Barack Obama von seiner Partei. Da war es auf den Tag genau zwölf Jahre her, dass er ihr zum ersten Mal aufgefallen war – mit einem flammenden Plädoyer zur Überwindung der politischen Gräben in den Vereinigten Staaten von Amerika.

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