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Kuriose Pressekonferenz : Trump inszeniert sich mit mutmaßlichen Clinton-Opfern

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Donald Trump gibt kurz vor dem zweiten TV-Duell eine Pressekonferenz mit mehreren Frauen, hier mit Juanita Broaddrick. Sie wirft Bill Clinton Vergewaltigung vor. Bild: Reuters

Er hat es angekündigt, er macht Ernst: Donald Trump holt die Affären von Bill Clinton auf den Tisch. Kurz vor der zweiten TV-Debatte sucht er den Schulterschluss mit vier Frauen - um von seinem eigenen Skandal abzulenken.

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          Nach dem Skandal um frauenverachtende Äußerungen hat der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump zur Offensive gegen seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton ausgeholt. Unmittelbar vor dem zweiten TV-Duell im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf trat er mit Frauen vor die Presse, die den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton sexuelle Übergriffe vorwerfen.

          „Diese vier mutigen Frauen haben darum gebeten, hier sein zu dürfen“, sagte der republikanische Präsidentschaftskandidat am Sonntagabend (Ortszeit). Das Clinton-Lager warf dem 70-Jährigen wenig später vor, einen Wahlkampf auf unterstem Niveau zu führen. Es war Trumps erster ausführlicher Auftritt, seit ein Video mit sexistischen Äußerungen des Unternehmers aufgetaucht war.

          In den am Freitag veröffentlichten Aufnahmen von 2005 äußert sich der heute 70-Jährige vulgär über Frauen und brüstet sich mit sexuellen Übergriffen. Auch in der eigenen Partei war die Empörung groß - derart, dass ihm Dutzende namhafter Republikaner die Unterstützung entzogen oder sogar seinen Rückzug aus dem Rennen forderten.

          „Hillary Clinton hat mir gedroht“

          Trump entschuldigte sich. Er machte aber deutlich, dass er auf keinen Fall aufgeben will. Stattdessen brachte er die Affären von Bill Clinton auf den Tisch und warf seiner Rivalin vor, die „Opfer“ ihres Mannes herabgesetzt und eingeschüchtert zu haben.

          Eine der Frauen, die nun mit ihm vor die Medien traten, war Juanita Broaddrick. Sie bezichtigt Bill Clinton, sie 1978 als 35-Jährige vergewaltigt zu haben. Clinton war damals Generalstaatsanwalt von Arkansas. Er bestritt die Vorwürfe über seinen Anwalt.

          Broaddrick erklärte: „Donald Trump mag schlechte Worte verloren haben, aber Bill Clinton hat mich vergewaltigt und Hillary Clinton hat mir gedroht.“ Neben Trump saßen zudem Kathy Shelton, Kathleen Willey und Paula Jones. Sie alle erklärten ihre Unterstützung für den Kandidaten.

          Die erste Debatte mit Clinton Ende September hatte Trump deutlich verloren und seine Rivalin hatte danach in Umfragen zugelegt. Schon allein dadurch stand er unter großem Druck, diesmal zu punkten.

          Wer sind die Frauen von Trumps Pressekonferenz?

          - JUANITA BROADDRICK bezichtigt Bill Clinton, sie 1978 als 35-Jährige vergewaltigt zu haben. Clinton war damals Generalstaatsanwalt von Arkansas. Er bestritt die Vorwürfe über seinen Anwalt, eine Anklage gegen ihn gab es nicht.

          - PAULA JONES warf Clinton sexuelle Belästigung vor. Sie erhielt im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung, die kein Schuldeingeständnis einschließt, 850 000 Dollar. Der Skandal wurde TROOPERGATE genannt, weil junge State Trooper angaben, sie hätten Frauen (darunter Jones) an Clinton vermittelt.

          - KATHLEEN WILLEY erklärte, der Präsident habe sie im privaten Studierzimmer des Oval Office unsittlich berührt.

          - KATHY SHELTON wurde 1975 in Arkansas vergewaltigt. Hillary Clinton war Anwältin des Angreifers.

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