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Treffen Trump-Kim : Diplomatie eines Geschäftsmannes

  • -Aktualisiert am

Trump und Kim am Sonntag in Panmunjom Bild: AP

Eine Show für die Kameras, sagen die Einen, ein bedeutender Schritt zum Frieden, die Anderen: Die Reaktionen auf Donald Trumps Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und eine mögliche erste Vereinbarung sind gespalten.

          Es war nur ein Tweet, doch Donald Trump gelang damit ein historischer Moment. Am Samstag twitterte er aus Japan, dass er bei seinem anstehenden Besuch in Südkorea gern die Gelegenheit nutzen würde, kurz mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zusammenzutreffen. „Während ich dort bin, wenn der Vorsitzende Kim aus Nordkorea dies liest, ich würde ihn an der Grenze/DMZ treffen, nur um seine Hand zu schütteln und Hallo(?) zu sagen!“ Trump und Kim hatten sich zum ersten Mal beim gemeinsamen Gipfel in Singapur im Juni 2018 getroffen.

          Trump ging mit der Botschaft ein Risiko ein. Wenn Kim nicht zugestimmt hätte, hätten seine Kritiker dem amerikanischen Präsidenten einmal mehr vorwerfen können, dass seine unberechenbare Art der Diplomatie nicht zu Erfolgen führt. Die letzten Verhandlungen von Trump und Kim im Februar in Hanoi waren gescheitert. Diesmal ging Trumps Kalkül auf. Kim kam am Sonntag nach Panmunjom in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea. „Schön, Sie zu sehen“, sagte der nordkoreanische Machthaber zu Trump. „Ich hatte nicht erwartet, Sie an diesem Ort zu treffen.“ Panmunjom ist der Ort, an dem Nord- und Südkorea 1953 ihr Waffenstillstandsabkommen unterzeichneten, das den Korea-Krieg beendete.

          Trump und Kim gingen an der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea einige Schritte Richtung Norden, gaben einander die Hand und liefen anschließend kurz in das Territorium der Südkoreaner. „Großer Moment, großer Moment“, sagte Trump. Er war bei diesem historischen Ereignis der erste amerikanische Präsident, der im Amt nordkoreanischen Boden betrat. „Das alles war sehr spontan“, beteuerte Trump. Er dankte Kim für sein Kommen. Nach dem kurzen Termin, bei dem es zu Rempeleien zwischen Journalisten und Sicherheitsleuten kam, gingen Trump, Kim und Südkoreas Präsident Moon Jae-in in ein Gebäude namens „Freiheitshaus“ und sprachen fast eine Stunde lang miteinander. Das Treffen war also mehr als der von Trump vorgeschlagene kurze Handschlag.

          Trump und Kim beteuerten, sie wollten nun die ins Stocken geratenen Verhandlungen um die nukleare Abrüstung und weitere Streitpunkte wieder aufnehmen. Trump sagte, dass er Kim ins Weiße Haus einlade. „Das hat große Bedeutung, weil es heißt, dass wir der unangenehmen Vergangenheit ein Ende setzen wollen und versuchen wollen, eine neue Zukunft zu schaffen“, sagte Kim gegenüber Journalisten. „Es ist also ein sehr entschlossener und mutiger Schritt.“ Trump erklärte: „Über die Demarkationslinie zu gehen, war eine große Ehre. Große Fortschritte wurden gemacht, viele Freundschaften geschlossen, und dies ist eine besonders großartige Freundschaft.“

          Am Sonntagabend berichtete die „New York Times“, dem Treffen seien monatelange Diskussionen in der amerikanischen Regierung vorausgegangen. Der Zeitung zufolge erwägt Trump, mit Nordkorea eine erste Vereinbarung abzuschließen, die an Kims Angebot vom Februar anknüpfen würde. Der hatte damals gesagt, er könne im Tausch gegen eine Aufhebung von Sanktionen die wichtigste nukleare Produktionsanlage des Landes, Yongbyon, aufgeben. Da das aber weniger war als eine Zusage der vollständigen atomaren Abrüstung, hatten die Amerikaner den Vorschlag abgelehnt.

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