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Qassem Soleimani : Trump stellt getöteten Iran-General als Massenmörder dar

  • Aktualisiert am

Donald Trump rechtfertigt die Tötung von Qassem Soleimani Bild: AFP

Amerikas Präsident rechtfertigt die Tötung von Qassem Soleimani mit dem Tod von Millionen, für den er verantwortlich sei. Außenminister Pompeo ruft Iran zur Deeskalation auf. Das Mullah-Regime ernennt den Nachfolger des mächtigen Generals.

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          Der von den Vereinigten Staaten getötete iranische General Qassem Soleimani ist nach Ansicht von Amerikas Präsident Donald Trump im Lauf der Jahre für die Verletzung oder den Tod von „Tausenden Amerikanern“ verantwortlich gewesen. Der Kommandeur der iranischen Al-Quds-Brigaden habe noch „viele weitere“ töten wollen, sei nun aber „erwischt“ worden, schrieb Trump am Freitag auf Twitter. „Er war direkt und indirekt verantwortlich für den Tod von Millionen Menschen, inklusive der großen Zahl jüngst im Iran selbst getöteter Demonstranten.“  

          Trump hatte sich bislang noch nicht öffentlich zu dem Einsatz geäußert. Auf Twitter hatte er am Freitagmorgen nur geschrieben, „Iran hat nie einen Krieg gewonnen, aber nie eine Verhandlung verloren“. Die Aussage hatte er in der Vergangenheit bereits geäußert. Sie konnte als Drohung verstanden werden, dass Iran einen Krieg gegen Amerika in jedem Fall verlieren würde. Mit den Verhandlungen könnte Trump auf das ihm verhasste Atomabkommen anspielen, das unter Führung seines Vorgängers Barack Obama ausgehandelt worden war.„Er hätte vor vielen Jahren getötet werden sollen“, schrieb Trump mit Blick auf den von ihm angeordneten amerikanischen Luftangriff im Irak, bei dem Soleimani am Donnerstag (Ortszeit) getötet worden war. Auch in Iran selbst sei Soleimani verhasst und gefürchtet gewesen. Die Führung in Teheran sei längst nicht so traurig wie sie behaupte.

          Außenminister Mike Pompeo rief Teheran zur „Deeskalation“ auf. Iran solle sich nun wie ein normales Land verhalten und nicht mehr Terroristen in der ganzen Region unterstützen, sagte Pompeo am Freitag im Gespräch mit dem amerikanischen Fernsehsender Fox News. „Wir wollen keinen Krieg mit Iran“, sagte Pompeo. Er war der erste ranghohe Vertreter der amerikanischen Regierung, der sich nach dem tödlichen Luftangriff in Bagdad öffentlich äußerte.

          Er hoffe, dass die Führung in Teheran die „Entschlossenheit“ der amerikanischen Regierung anerkenne und „dass sie sich entscheidet, zu deeskalieren“, so Pompeo weiter. Sollte Iran einen anderen Weg verfolgen und die Vereinigten Staaten abermals  herausfordern, seien Präsident Donald Trump und seine gesamte Regierung bereit, „angemessen zu antworten“. Die Vereinigten Staaten würden „nicht zusehen, wie die Iraner eine Eskalation betreiben und weiterhin die Leben amerikanischer Staatsbürger in Gefahr bringen“, warnte Pompeo.

          Durch Soleimanis Tod seien der Irak und der Nahe Osten heute sicherer und hätten eine bessere Chance auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit,. „Die Abwesenheit von Qassem Soleimani ist ein Segen für diese Region“, sagte Pompeo. Der amerikanische Luftangriff habe für die Region „Risiken verringert“. An Kritiker in den Vereinigten Staaten gerichtet sagte Pompeo, der Einsatz sei „komplett legal“ und „strategisch richtig“ gewesen.

          Die Vereinigten Staaten hatten in dieser Woche infolge gewaltsamer Proteste an der amerikanischen Botschaft in Bagdad bereits 100 Soldaten aus Kuweit an die diplomatische Vertretung verlegt. Zudem wurden 750 zusätzliche Soldaten aus den Vereinigten Staaten in die Region verlegt. Weitere stünden bereit, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Derzeit haben die Vereinigten Staaten rund 5000 Soldaten im Irak stationiert. In den anderen Ländern des Nahen Ostens – darunter etwa Saudi-Arabien und Bahrein – sind ebenfalls Tausende amerikanische Soldaten stationiert.

          Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, ernannte am Freitag einen Nachfolger Soleimanis. Es ist sein bisheriger Stellvertreter General Ismaeil Gha'ani. Mit ihm solle der Weg der Al-Quds-Brigaden genauso weitergeführt werden wie mit Soleimani, so Chamenei in seinem Schreiben laut Nachrichtenagentur Tasnim.

          UN-Generalsekretär António Guterres rief die Staats- und Regierungschefs am Freitag zu „maximaler Zurückhaltung“ auf. „Die Welt kann sich keinen weiteren Golf-Krieg leisten“, sagte Guterres laut Mitteilung der Vereinten Nationen in New York. Er habe sich immer für eine Deeskalation in der Golf-Region eingesetzt und die jüngste Eskalation beunruhige ihn zutiefst.

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