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Abholzungen in Alaska : Weg mit dem Regenwald

  • -Aktualisiert am

Idyll in Gefahr: ein Schwarzbär mit Lachs im Südosten Alaskas Bild: Picture-Alliance

Kurz vor dem Gipfel in Biarritz soll Trump die Abholzung von weiten Teilen des Staatsforstes in Alaska genehmigt haben. Die Republikaner vor Ort freuen sich.

          Der „Tongass National Forest“ ist der größte Staatsforst der Vereinigten Staaten. Im Südosten Alaskas erstreckt er sich über 68.000 Quadratkilometer; der größte Teil davon gehört zum pazifischen gemäßigten Regenwald. Der Forst, in dem hauptsächlich Fichten, Zedern und Schierlingstannen stehen, ist Lebensraum unter anderem für Braunbären, Sikahirsche und Hühnerhabichte. Er umfasst zudem Fjorde und Flüsse mit einem reichen Lachsbestand. Große Teile des Gebietes westlich der kanadischen Provinz British Columbia hatte Präsident Bill Clinton unter besonderen Schutz gestellt – er untersagte den Bau von Straßen und erließ ein Abholzungsverbot. Präsident Donald Trump soll nun Agrarminister Sonny Perdue angewiesen haben, mehr als die Hälfte des Staatsforstes davon auszunehmen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Offiziell hat die Regierung in Washington noch nicht Stellung genommen. Die „Washington Post“ berichtet aber unter Berufung auf Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind, Trump wolle das 2001 verhängte Straßenbau- und Abholzungsverbot für 3,8 Millionen Hektar Waldfläche aufheben. Anfang August soll er Minister Perdue beauftragt haben, im Herbst einen konkreten Plan vorzulegen. Der Präsident, der generell dafür plädiert, die ökologischen Ressourcen Amerikas ökonomisch zu nutzen, reagiert damit auf Forderungen von Politikern in Alaska. Diese kritisieren die Naturschutzauflagen schon länger und sahen unter Trump ihre Chance gekommen, sie aufzuweichen.

          Clinton hatte kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt das Verbot verhängt, Straßen in dem Gebiet zu bauen, das Anfang des 20. Jahrhunderts von Präsident Theodore Roosevelt zum Staatsforst erklärt worden war. Auf der Inselgruppe mit kleineren, vereinzelten Gemeinden dürfen seither nur in bestimmten Bereichen Straßen gebaut werden. Das übersichtliche Straßensystem war ursprünglich angelegt worden, als die dem Landwirtschaftsministerium unterstellte Waldbehörde nach dem Zweiten Weltkrieg eine professionelle Holzindustrie im Südosten Alaskas förderte. So vergab sie Großaufträge für die Abholzung, unter anderem als Teil des Wiederaufbauprogramms für Japan, das mit Holz beliefert wurde. Clinton reagierte mit seinem Schritt auf die Einwände von Tier- und Naturschützern. Sein Nachfolger George W. Bush strebte eine teilweise Revision der Entscheidung an, unterlag aber vor Gericht.

          Während der Präsidentschaft Barack Obamas wurde beschlossen, die Abholzung des Altholzbestandes generell auslaufen zu lassen. Der Kongress erklärte einen Teil des Staatsforstes zum Naturschutzgebiet, das unter keinen Umständen entwickelt werden dürfe. Weniger als ein Prozent der Erwerbstätigen der Region, die vor allem vom Tourismus und der Fischerei lebt, arbeitet heute in der Holzindustrie.

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