https://www.faz.net/-gpf-a10g3
Bildbeschreibung einblenden

Trump redet Corona klein : Welche Gefahr?

Schwingt bei einem Event im Weißen Haus den Baseballschläger: Donald Trump Bild: Reuters

Während Amerika mit mehr als 50.000 Neuinfektionen am Tag einen neuen traurigen Rekord aufstellt, feiert der Präsident die relativ guten Arbeitsmarktzahlen. Gesundheitsexperten warnen indes mit Blick auf den Nationalfeiertag am 4. Juli vor einem Sturm, der sich zusammenbraue.

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Mit einer Rekordzahl von mehr als 50.000 Neuinfektionen an einem Tag spitzt sich die Corona-Pandemie in den Vereinigten Staaten dramatisch zu. Während Präsident Donald Trump die Gefahr herunterspielt, nahmen am Mittwoch mehrere Bundesstaaten kurz vor dem Nationalfeiertag am 4. Juli Lockerungen des Alltagslebens zurück. Demokraten werfen der Regierung Unfähigkeit vor.

          Die Johns-Hopkins-Universität meldete für Mittwoch rund 50.700 neue Corona-Fälle an einem Tag.  Die Gesundheitsbehörde CDC gab die Zahl der registrierten Fälle innerhalb von 24 Stunden mit sogar mit mehr als 54.000 an.Schon in der vergangenen Woche hatte das Infektionsgeschehen stark angezogen, meist wurden mehr als 40.000 Fälle pro Tag verzeichnet. Das sind mehr als beim bisherigen Höhepunkt der Pandemie im April und Mai.

          Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Texas, Arizona, Georgia und Kalifornien. Florida verzeichnete am Donnerstag erstmals mehr als 10.000 Fälle an einem Tag. Viele der genannten Bundesstaaten haben Bars, Restaurants, Kinos, Strände und Schwimmbäder wieder dicht gemacht – so manche Arbeitnehmer haben ihren Job zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit verloren. Die Entwicklung wird zum Teil der mangelnden Bereitschaft unter amerikanischen Bürgern zugeschrieben, Schutzmasken in der Öffentlichkeit zu tragen. Außerdem halten sie die Abstandsregeln oft nicht ein. Insgesamt verzeichneten die Vereinigten Staaten, die etwa 330 Millionen Einwohner haben, seit Beginn der Pandemie bisher rund 2,7 Millionen nachgewiesene Infektionen und mindestens 128.000 Tote.

          Viren-Experte und Präsidentenberater Anthony Fauci sagte mit Blick auf die steigenden Fallzahlen in einem Interview: „Wir bewegen uns nicht in die richtige Richtung.“ Wenn sich die Menschen jetzt nicht an die Regeln zur Bekämpfung der Pandemie hielten, sei Amerika in „großen Schwierigkeiten“.

          Präsident Trump redete die Gefahr am Donnerstag bei einem Pressekonferenz klein und feierte zugleich die relativ guten Arbeitsmarktzahlen. Es gebe noch vereinzelte Corona-Brandherde, diese würden aber schnell bekämpft. „Wir löschen die Flammen oder Feuer“, sagte er. „Wir verstehen diese schreckliche Krankheit jetzt.“ Die Öffnung des Landes gehe „viel schneller“ als erwartet. Gleichzeitig forderte Trump, dass auch die Kirchen in den Vereinigten Staaten wieder geöffnet werden sollten. Am Mittwoch hatte er dem Fernsehsender Fox Business noch gesagt, das Virus werde „irgendwann gewissermaßen einfach verschwinden“.

          Trumps designierter Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl im November, der Demokrat Joe Biden, widersprach Trump deutlich: „Das ist einfach keine ehrliche Bewertung von dem, was geschieht", sagte Biden. Für ihn und viele Amerikaner sei die Entwicklung besorgniserregend, doch der Präsident weigere sich, das Thema anzusprechen. An einigen Orten im Land würden die Notfallbetten in den Krankenhäusern bereits knapp.

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Mit Blick auf den Nationalfeiertag am 4. Juli zeigten sich mehrere amerikanische Gesundheitsexperten angesichts des erwarteten höheren Reiseaufkommens und der Lockerungen besorgt. Es könne sich „ein perfekter Sturm“ zusammenbrauen, zitierte der Sender CNN einen Arzt für Infektionskrankheiten. Problematisch sei zudem, dass sich die Menschen nicht immer an die Hygienevorschriften hielten. In Kalifornien und Michigan wurden Lockerungen bereits wieder zurückgenommen. Die Innenbereiche von Bars und Restaurants wurden in mehreren Städten wieder geschlossen. Im Bundesstaat Pennsylvania wurde eine Maskenpflicht angeordnet.

          Gegenwind kommt von den Demokraten, die dem Republikaner Trump vorwerfen, vor dem Virus kapituliert zu haben. Mehrere demokratische Senatoren kündigten am Mittwoch an, das Verhalten der Regierung in einer parteiübergreifenden Kommission untersuchen lassen zu wollen. „Von Anfang an wurde die Reaktion der Verwaltung auf die Covid-19-Pandemie durch Versorgungsengpässe, mangelnde Koordination und die Unfähigkeit, das Virus einzudämmen, erschwert“, sagte die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein in einer Mitteilung. Es gehe jetzt darum, Lehren für kommende Pandemien zu ziehen.

          Trump hatte sich während seiner Präsidentschaft immer wieder mit der gut laufenden amerikanischen Wirtschaft gebrüstet. Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft jedoch empfindlich getroffen. Mehr als 45 Millionen Menschen verloren seit Mitte März mindestens zeitweise ihren Job – so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit. Die Arbeitslosigkeit lag im Juni bei 11,1 Prozent.

          In der Debatte um die Maskenpflicht hatten sich Trumps Parteifreunde ebenfalls von seiner bislang gefahrenen Linie entfernt. Der Präsident hält nichts von einer landesweiten Maskenpflicht und zeigt sich auch selbst nicht mit Mund- und Nasenbedeckung. Im Fox-Interview betonte er, in den Vereinigten Staaten gebe es genug Orte, an denen ausreichend Abstand eingehalten werden könne. Er habe persönlich aber keine Probleme damit, eine Maske zu tragen. „Ich hatte sogar eine Maske auf (und) ich mochte irgendwie, wie ich ausgesehen habe“, sagte er. „Es war eine dunkle, schwarze Maske und ich fand, es sah in Ordnung aus.“ Er habe ausgesehen wie „Lone Ranger“, eine fiktive Figur, die unter anderem aus Westernfilmen bekannt ist - und eine Augenmaske trägt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Frauen in weiß protestieren während einer Kundgebung zur Unterstützung der inhaftierten Demonstranten in Minsk.

          Proteste halten an : Belarus trotzt der Polizeigewalt

          In den vergangenen Nächten ließ Lukaschenka Proteste gegen seinen angeblichen Wahlsieg brutal niedergeschlagen, dennoch gehen auch am Mittwoch wieder Tausende auf die Straße, immer mehr Prominente stellen sich hinter sie. Nun gibt es ein zweites Todesopfer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.