https://www.faz.net/-gpf-9chr8

Trump, Montenegro und die Nato : Der „seltsamste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten“

„Sie sind sehr aggressive Menschen“: der amerikanische Präsident Donald Trump über Montenegriner Bild: Reuters

Donald Trump stellt die Beistandspflicht der Nato in Frage und nennt Montenegro als Beispiel, dessen Beitritt Moskau verhindern wollte. Der republikanische Senator McCain warf Trump vor, Putin „direkt in die Hände zu spielen“.

          Eine Woche nachdem Donald Trump ein von Höhen und Tiefen geprägtes Nato-Gipfeltreffen hinter sich gelassen hat, zwang der amerikanische Präsident das Hauptquartier der Allianz abermals zu einem politischen Balanceakt. In einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender Fox News schien er – nicht zum ersten Mal – Zweifel an der Washingtoner Bereitschaft zu säen, der in Artikel 5 des Nordatlantikvertrags festgeschriebenen Verpflichtung zum „Bündnisfall“ nachzukommen. Im Mittelpunkt stand dabei ein kleiner Staat im Südosten Europas: Montenegro.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Eindeutig fiel am Donnerstag die Reaktion im Nato-Hauptquartier aus. Ein Vertreter des Bündnisses stellte fest, dass die Regeln der Allianz für alle 29 Bündnispartner Bestand hätten – auch für das jüngste, erst im Juni 2017 beigetretene Mitglied Montenegro. „Unsere Klausel zur kollektiven Verteidigung, Artikel 5, ist bedingungslos sowie hieb- und stichfest. Sie bedeutet, dass ein Angriff auf einen einem Angriff auf alle gleichkommt“, hieß es in der Nato-Zentrale. Zugleich wurde jedoch auf das jüngste Bekenntnis Trumps zum Bündnis verwiesen: „Präsident Trump hat klargestellt, dass die Vereinigten Staaten uneingeschränkt zur Nato stehen und unsere Allianz stärker als jemals zuvor ist.“

          Das klang am Dienstagabend im amerikanischen Fernsehen freilich etwas anders. Die Frage, die Trump in dem Interview mit seinem Haussender Fox News gestellt wurde, kam aus heiterem Himmel und klang wie bestellt: Warum sollten amerikanische Soldaten für Montenegro sterben? Trump antwortete: Er habe sich die gleiche Frage gestellt. „Montenegro ist ein winziges Land mit sehr starken Menschen“, sagte er. Und weiter: „Sie sind sehr aggressive Menschen. Sie könnten aggressiv werden, und dann, herzlichen Glückwunsch, befinden wir uns im Dritten Weltkrieg.“ Aber das sei eine Situation, die vorher vereinbart worden sei, sagte der Präsident in Anspielung darauf, dass der Beitritt Montenegros, der 2017, also nach seinem Amtsantritt erfolgte, aber in den Jahren davor verhandelt worden war.

          McCain: Trump spielt Putin in die Hände

          Zunächst ging dieser Aspekt in Washington in der Debatte über die russische Einmischung in die amerikanische Präsidentenwahl 2016 unter. Dann wurde es zunächst den Demokraten unheimlich. Der demokratische Kongressabgeordnete Joe Kennedy fragte, ob die Trump-Äußerung über Montenegro eine direkte Folge des vertraulichen Gesprächs des Präsidenten mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin sei, und er schlug vor, den amerikanischen Dolmetscher der Begegnung vor einen Kongressausschuss zu laden, was seither mehrere Demokraten forderten. Kennedy erinnerte auch daran, dass die Nato ein Verteidigungsbündnis sei und amerikanische Soldaten gewiss nicht in den Krieg ziehen müssten, sollte eine militärische Provokation von Montenegro ausgehen – ein Szenario, für das er allerdings keinerlei Hinweise habe. Im Übrigen sei der Artikel 5 des Nordatlantikvertrags bislang nur ein einziges Mal zur Anwendung gekommen: nach den Anschlägen vom 11. September 2001, und zwar aus Solidarität mit Amerika.

          Weitere Themen

          Eigenlob, Attacken und ein paar Witze

          Trump beginnt Wahlkampf : Eigenlob, Attacken und ein paar Witze

          Beim offiziellen Wahlkampfauftakt in Florida kämpft Donald Trump in gewohnt selbstherrlicher Manier gegen die Negativmeldungen der vergangenen Tage – und behauptet, eine der wichtigsten Bewegungen der Neuzeit begründet zu haben.

          Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus Video-Seite öffnen

          Künftige Justizministerin : Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus

          Der „unfassbare Mord“ an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zeige, dass die Verteidigung des Rechtsstaates aktueller denn je sei, sagte die SPD-Politikerin Christine Lambrecht, die von der Parteiführung als kommende Justizministerin vorgestellt wurde.

          Der Kampf gegen die Braunkohle Video-Seite öffnen

          Aktivisten von „Ende Gelände“ : Der Kampf gegen die Braunkohle

          Im rheinischen Braunkohlerevier stehen die Zeichen dieser Tage auf Protest. Aktivisten der Initiative „Ende Gelände“ haben zu verschiedenen Protestaktionen aufgerufen. Nun hat sich auch die Schülerbewegung „Fridays for Future“ mit „Ende Gelände“ solidarisiert.

          Topmeldungen

          Streit mit Frankreich um Weber : AKK gibt nicht nach

          Kramp-Karrenbauer bleibt dabei: Weber soll neuer Kommissionspräsident werden. Das macht sie ausgerechnet in Paris deutlich. Zudem verlangt sie von den Grünen in der Außenpolitik einen klareren Kurs.
          Will ihren WM Titel von 2018 verteidigen: Kickboxerin Marie Lang

          FAZ Plus Artikel: Kickbox-Weltmeisterin Lang : Vom Küken zur Kriegerin

          Als Marie Lang zum Kickboxem kam, war sie ein „megaschüchterner Teenie“ – immer in der Opferrolle, wenn sie in der Disco einer begrapscht hat. Dank ihres Sports und ihres Trainers ist sie nun stark. Nur eines ist geblieben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.