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Trump-Kim-Gipfel : Was war der Grund für die Absage?

Protest gegen Trumps Entscheidung: Demonstration in Südkorea Bild: EPA

In seinem Brief an Kim Jong-un schreibt Donald Trump, ein Treffen zum jetzigen Zeitpunkt sei wegen nordkoreanischer Äußerungen unangemessen. Es gibt aber auch andere Erklärungsversuche. Eine Analyse.

          3 Min.

          Die Entscheidung des amerikanischen Präsidenten, das groß angekündigte Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un abzusagen, kam plötzlich und überraschend. Zwar hatte unter anderem die „New York Times“ berichtet, Trump habe sich schon länger mit Zweifeln hinsichtlich des Treffens geplagt. Er habe Freunde und Mitarbeiter zu deren Meinung über die Erfolgsaussichten befragt. Doch hieß es in den Tagen vor der Absage aus dem Weißen Haus immer wieder, die Zusammenkunft am 12. Juni in Singapur sei nicht in Gefahr. In seinem Brief an Kim schreibt Trump zwar, angesichts der jüngsten nordkoreanischen „feindseligen“ Äußerungen sei ein Treffen zu diesem Zeitpunkt unangebracht, aber es gibt auch Spekulationen über mögliche weitere Gründe.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Die Entscheidung, nicht am 12. Juni nach Singapur zu reisen, sei am frühen Donnerstag zwischen sieben und neun Uhr gefallen, berichten amerikanische Medien. Trump habe allerdings schon am Mittwoch mit Vizepräsident Mike Pence, Außenminister Mike Pompeo, Stabschef John Kelly und Sicherheitsberater John Bolton eine solche Möglichkeit beraten. Am Donnerstagmorgen habe es dann eine weitere Runde von Telefongesprächen, diesmal auch mit Verteidigungsminister James Mattis gegeben. Danach habe Trump den Brief an Kim sofort in Gänze selbst diktiert, verlautete aus dem Weißen Haus. 9.43 Uhr am Donnerstagmorgen sei der Brief abgeschickt worden. Weder Kongressabgeordnete noch Alliierte waren vorab informiert worden. Seine Zustimmung zu einem Gipfel hatte Trump im März nach einem Treffen mit einer südkoreanischen Delegation im Weißen Haus kundgetan.

          Seitdem hatte Trump oft darüber geredet, dass der Gipfel großartige Erfolge bringen werde. Er werde mit Nordkorea die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel verhandeln. Sogar mit der Verleihung des Friedensnobelpreises liebäugelte er und das Weiße Haus veranlasste die Prägung einer Gedenkmünze, die am Freitag im offiziellen Internetshop mit fünf Dollar Rabatt verkauft wurde. Seit der Ankündigung eines persönlichen Treffens hatte Trump sich Kim gegenüber auch konzilianter geäußert. Seine Bezeichnung „kleiner Raketenmann“ für den nordkoreanischen Machthaber hatte er seitdem nicht mehr genutzt. Der selbst erklärte Meister der Deals hatte aber auch gesagt, dass er das Treffen abblasen könne, wenn er das Gefühl habe, Kim meine es nicht ernst.

          Zu früh geprägt?: Amerikanische Gedenkmünze zum Gipfel

          Genau das könnte nun der Fall gewesen sein. Wie „Politico“ berichtet, gab es amerikanische Beschwerden wegen der Vorbereitung des Gipfels. So sei eine amerikanische Delegation nach Singapur gereist, um sich dort mit Nordkoreanern zu treffen. Diese seien jedoch nie gekommen. Man habe mehrere Tage gewartet, doch nichts sei geschehen, hieß es. „Die Nordkoreaner haben uns nichts gesagt, die haben uns einfach versetzt“, zitiert „Politico“ eine ungenannte Quelle.

          Eine weitere Richtung dieses Argumentationsstrangs ist die Spekulation, Trump habe sich so schnell zu einer Absage entschlossen, um Kim zuvorzukommen. Wie NBC berichtet, habe sich Trump in den Stunden vor seiner Entscheidung mit den jüngsten Äußerungen aus Nordkorea, aber auch mit denen seines Stellvertreters Mike Pence und seines Sicherheitsberaters John Bolton beschäftigt. Diese hatte gesagt, für Nordkorea sei auch ein „Libyen-Szenario“ denkbar – eine Anspielung, die in Pjöngjang Entsetzen auslöste. Der libysche Diktator Gadaffi hatte auf internationalen Druck im Jahr 2003 auf sein Atomprogramm verzichtet, war dann 2011 aber mit westlicher Unterstützung gestürzt und später von Aufständischen nach seiner Ergreifung getötet worden. Dieser heftige Meinungsaustausch könnte bei Trump Zweifel genährt haben, dass es zu dem Gipfel kommen werde.

          Kritiker des Präsidenten sehen den Grund für die Absage des Treffens jedoch woanders. Womöglich habe Trump gemerkt, dass er mit seiner hemdsärmligen Art in der Diplomatie nicht weiterkomme. Trumps Entscheidung zeige nur, wie ahnungslos er sei, wenn es auf das Thema Nordkorea kommen, schreibt CNN. Sein Stil von großartigen Ankündigungen und Drohungen und Beleidigungen habe allerdings er schon als Immobilienmagnat in New York gepflegt, heißt es dort.

          Die Anhänger des Präsidenten sehen die Entscheidung anders. „Politico“ zitiert einen ungenannten Vertrauten des Präsidenten mit den Worten „Er lässt sich den Scheiß von dem Kerl nicht bieten“. Damit bezieht er sich auf jüngste Äußerungen aus Nordkorea, in denen Trumps Stellvertreter Pence als Dummkopf tituliert und ein nuklearer Schlagabtausch angedroht wurde. Nach dieser Lesart erhöht Trump nun wieder den Druck auf Nordkorea, sich ernsthaft an Verhandlungen zu beteiligen. Dafür spreche auch seine deutliche Einladung an Kim, sich bei ihm zu melden. Dies wurde von Nordkorea wiederholt. Man sei immer noch zu Gesprächen bereit, hieß es aus Pjöngjang.

          Dieses Bild aus Nordkorea soll die Zerstörung des Atomtestgeländes Punggye-ri zeigen.

          Noch ist eine Verständigung zwischen beiden Seiten nicht komplett vom Tisch. Sowohl in Trumps Brief als auch aus Pjöngjang gibt es versöhnliche Töne, die die Möglichkeit eines späteres Treffens offen lassen. Auch mit der propagierten Zerstörung des nordkoreanischen Atomtestzentrums in Punggye-ri hat Kim deutlich gemacht, dass er gewillt ist, Trump ein bisschen entgegen zu kommen (so lange es ihm in die Hände spielt). Was die Ziele betrifft, müssten sich die beiden Seiten allerdings erst noch annähern. Während Amerika auf eine schnelle und nachprüfbare De-Nuklearisierung setzt – was auch alle Atomwaffen einschließt – wird Nordkorea sich von diesen kaum trennen wollen, nachdem es so viel Zeit und Ressourcen investiert hat, diese zu entwickeln.

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