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Negative Berichte : Trump ist wütend auf Fox News

  • -Aktualisiert am

Donald Trump bei einem Auftritt beim Sender Fox News im Jahr 2016 Bild: Reuters

Donald Trump erwartet von seinem rechten Lieblingssender Fox News positive Berichterstattung. Bleibt die aus, schimpft er. Doch die meisten Entscheider und Moderatoren bei Fox halten nach wie vor zu Trump.

          Eigentlich wollte Greg Palkot nur aus einer Bar in Lyon berichten, wo Amerikaner den Sieg ihres Teams bei der Fußball-WM der Frauen feierten. Doch der Korrespondent des rechten Senders Fox News stand plötzlich live und etwas hilflos zwischen Fans, die „Fuck Trump“-Sprechchöre anstimmten.

          Dass Fox nicht schnell genug wegschaltete, soll mit dazu geführt haben, dass Präsident Donald Trump wieder einmal frustriert über seinen Lieblingssender war. Eigentlich ist Trump ein Fan von Fox. Er lobt den Sender regelmäßig, während er Konkurrenten wie CNN und die „New York Times“ als „Fake News Medien“ diffamiert.

          Am vergangenen Wochenende ging Trump aber bei Twitter auf Fox los. „Sich die Fox-News-Moderatoren am Wochenende anzuschauen, ist schlimmer, als die quotenschwachen Fake News bei CNN zu gucken“, lästerte er. „Aber Fox News, die daran gescheitert sind, die sehr LANGWEILIGEN Debatten der Demokraten auf den Sender zu bringen, bieten jetzt ganz schön viele Demokraten auf und nutzen sogar die Fake-Zeitung ,New York Times‘ als Informationsquelle.“

          Trump schrieb auch: „Fox News verändert sich schnell, aber sie haben die Menschen vergessen, die sie nach oben gebracht haben.“ Trump bezog sich offenbar auf die Berichterstattung des Senders über die menschenunwürdigen Zustände, unter denen Tausende Einwanderer an der südlichen Grenze interniert sind. In einem der Berichte kam die „New York Times“ als Quelle vor. Trump hatte kürzlich alle Kritik an der Situation zurückgewiesen und sie mit der Abschreckung von Einwanderern gerechtfertigt. Dass Fox die anhaltende humanitäre Krise nicht ignorierte, ärgerte ihn offenbar.

          Der Präsident beklagte sich auch darüber, dass Fox im März Donna Brazile als politische Kommentatorin angeheuert hatte. Bislang ist Brazile, die einst kurzzeitig das Demokratische Nationalkomittee anführte, aber nicht dort aufgetreten.

          Trump lobt oft die Kommentatoren bei Fox News, macht Werbung für ihre Sendungen auf seinem Twitter-Kanal. Bekannte Moderatoren wie Sean Hannity, Lou Dobbs und Tucker Carlson sind Ratgeber und Vertraute des Präsidenten – und auch einige offizielle Posten im Weißen Haus gingen schon an ehemalige Fox-Leute. Hope Hicks Trumps ehemalige Kommunikationschefin, wurde gerade Vizepräsidentin für Kommunikation bei der Fox Corporation. Trumps Lästertiraden beziehen sich meist auf die Nachrichten des Senders, weniger auf die Talk-Formate und Monolog-Shows, in denen seine Politik regelmäßig gelobt wird.

          Dass Fox zumindest in manchen Nachrichtensendungen und online noch so etwas wie einen nachrichtlichen Informationsanspruch umzusetzen versucht, scheint den Präsidenten regelmäßig zu verärgern. Im Juni brachte Fox beispielsweise eine Meinungsumfrage, derzufolge Trump gegen fünf demokratische Präsidentschaftskandidaten die Wahl verlieren würde, so es eine direkte Abstimmung wäre. Trump vergab das „Fake News“-Etikett damals an Moderator Bret Baier und schrieb: „Bei Fox geht etwas Seltsames vor sich.“

          Baier hatte er auch im Visier, als Fox im April eine „Town Hall“-Sendung mit dem demokratischen Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders ausstrahlte: „Nicht überraschend, dass Bret Baier und das ,Publikum‘ so nett und freundlich waren. Sehr seltsam.“ Genauso verärgert war Trump, als Fox auch Sanders' Mitbewerber Pete Buttigieg einlud und Moderator Chris Wallace den Demokraten als kompetent bezeichnete.

          Amerikanischen Medienberichten zufolge soll Trump in den vergangenen Monaten immer öfter darüber geschimpft haben, dass Fox zu „negativ“ über seine Regierung berichte. Offenbar erwartet er, dass der Sender wie eine Art Fernseh-PR-Abteilung für das Weiße Haus funktioniert. Trump weiß, dass Fox mit seinen zahlreichen Regionalstationen in vielen Gegenden das meist gesehene Fernseh-Angebot ist.

          Lange und erfolgreiche Beziehung zum Sender

          Seine Beziehung mit dem Sender ist lang und erfolgreich – Fox hatte entscheidenden Anteil daran, den Immobilienunternehmer aus New York im ganzen Land bekannt zu machen. Im Jahr 2011 bekam Trump einen regelmäßigen Platz in der Talk-Runde „Fox and Friends“. Dieses Forum nutzte er unter anderem, um die „Birther“- Lüge gegen Präsident Barack Obama zu verbreiten, derzufolge dieser nicht in den Vereinigten Staaten geboren sei.

          Der Präsident hat seit diesem Wochenende möglicherweise einen neuen Grund, wütend auf Fox zu sein. Auch der Sender berichtete an prominenter Stelle über die Festnahme des Multimillionärs Jeffrey Epstein. Epstein wird von der New Yorker Staatsanwaltschaft vorgeworfen, Dutzende, möglicherweise Hunderte minderjährige Mädchen vergewaltigt zu haben.

          Das erste Verfahren gegen ihn war in Florida mit einer sehr milden Strafe zu Ende gegangen, die auf einen Deal zurückging, den Trumps heutiger Arbeitsminister Alexander Acosta und Anwalt Alan Dershowitz eingefädelt hatten. Trump selbst war lange Zeit mit Epstein befreundet, der auch andere Männer mit Minderjährigen „versorgt“ haben soll. Entsprechende Anschuldigungen und Gerüchte gibt es beispielsweise gegen Prinz Andrew und Bill Clinton. Auch Fox News berichtete über diese Zusammenhänge, über die nach Epsteins Festnahme in den kommenden Wochen neue Details bekannt werden dürften.

          Bei aller Kritik an Fox sei die Beziehung zwischen Trump, dem Sender und dessen Gründer Rupert Murdoch aber nach wie vor gut, sagte ein Fox-Insider unterdessen der „Washington Post“. Trump erwarte einfach nur „168 Stunden positive Berichterstattung die Woche“ und rege sich eben auf, wenn er diese nicht bekomme. Sobald der Wahlkampf wieder im Mittelpunkt stehe, könne sich Trump auf den Sender verlassen wie eh und je.

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