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Trump-Interviews : „Leute wie ich sind auf einem sehr hohen Intelligenzlevel“

  • Aktualisiert am

Donald Trump im Oval Office Bild: AFP

Trump geht in die mediale Offensive: In gleich zwei Interviews spricht er über den Klimawandel und die Grenze zu Mexiko. Und erklärt, er tue „nichts, nur um einen politischen Gewinn zu erzielen“.

          „Fake News“ – wenn es ein Schlagwort gibt, das man sofort mit Donald Trump in Verbindung bringt, dann ist es wohl dieses. Die Abneigung des amerikanischen Präsidenten gegen etablierte Medien ist bekannt. Er bezeichnet sie unter anderem regelmäßig als Feinde des Volkes.

          Am Dienstag jedoch gab er im Weißen Haus gleich zwei der ihm so verhassten Medien Interviews, in denen er kontroverse Punkte seiner Politik ansprach – den Klimawandel und den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko.

          Im Interview mit der „Washington Post“ redete er ausführlich über den Klimawandel. Dass Trump an diesen nicht glaubt, ist kein Geheimnis. Die Zeichen, die der Präsident der Vereinigten Staaten während seiner Amtszeit bislang sendete, waren eindeutig. Ob es seine Begeisterung für Kohle oder der Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen waren – Trump hat sich in der ersten Hälfte seiner Amtszeit nicht gerade als Klimaschützer profiliert.

          Zuletzt fragte Trumo polemisch auf Twitter, was denn mit der globalen Erwärmung passiert sei. Schließlich könne eine Kältewelle demnächst alle Rekorde brechen. In einem weiteren Tweet behauptete er, dass Amerika gerade das „kälteste Wetter in der Geschichte von Thankgiving“ erlebe.

          Nun hat der amerikanische Präsident noch einmal sehr deutlich gemacht, was er vom Klimawandel hält. Nämlich nichts. Kurz nachdem 13 staatliche amerikanische Behörden in einer Studie eindringlich versuchten klar zu machen, dass es drastische Maßnahmen brauche, um schwere Schäden für Wirtschaft, Umwelt und Gesundheit der Menschen in den kommenden Jahrzehnten abzuwenden, stellte Trump so ausführlich wie selten klar, dass er nicht an den menschengemachten Klimawandel glaubt – womit er sich klar gegen die Analysen seiner eigenen Behörden wandte.

          „Ein Problem ist, dass viele Leute wie ich selbst auf einem sehr hohen Intelligenzlevel sind, aber nicht notwendigerweise daran glauben“, sagte Trump der „Washington Post“ mit Bezug auf den Klimawandel. „Ob er jetzt menschengemacht ist oder nicht oder ob es die Phänomene gibt, die Sie beschreiben – ich sehe das nicht.“ Dabei sagte er jedoch nicht, was aus seiner Sicht die Ursache für den Klimawandel sei. Vielmehr verwies er darauf, dass die Amerikaner im Gegensatz zu anderen Ländern angeblich über exzellente Umweltwerte verfügten. „Wenn man sich unsere Luft und unser Wasser anschaut, sind diese gerade so sauber wie nie zuvor“, sagte Trump. „Aber wenn man sich China, Teile von Asien oder Südamerika anguckt oder viele andere Orte auf der Welt, Russland eingeschlossen, ist die Luft sehr dreckig (...).“

          Trump nahm in dem Interview auch Bezug auf die verheerenden Feuer in Kalifornien in den vergangenen Wochen. Der Präsident beklagte hier weniger den Klimawandel, sondern schlechtes Forstmanagement in dem amerikanischen Bundesstaat. „Sie haben kein Forstmanagement betrieben und den Wald nicht instand gehalten. Man kann ein Streichholz nehmen und einen Baumstamm einfach anzünden, wenn er da über 14 oder 15 Monate liegt. Und das ist ein großes Problem in Kalifornien.“ Trump hatte vor kurzem Spott auf sich gezogen, als er behauptete, Finnland habe keine Probleme mit Waldbränden, weil die Finnen viel Zeit mit dem „Rechen und Aufräumen“ des Waldes verbrächten. Trump berief sich dabei auf ein Gespräch mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinisto.

          Bei „Politico“ ging es um die Mauer

          Ein weiteres Interview gab Trump der Zeitung „Politico“, in dem ebenfalls ein kontroverses Thema seiner Amtszeit zur Sprache kam: der Bau der Grenzmauer zu Mexiko. Trump machte deutlich, dass er seine Pläne eines Mauerbaus in jedem Fall durchsetzen will – und notfalls die Schließung der Regierung, den sogenannten „government shutdown“, riskieren würde, wenn der Kongress ihm die Mittel für den Bau der Mauer nicht bewilligt. Mindestens fünf Milliarden Dollar seien seiner Meinung nach nötig – und das nur für die Mauer an sich. Für die Sicherheit an der Grenze sei die „Zahl noch größer“. Ohne eine Einigung über das Projekt könnte es in neun Tagen zu einer teilweisen Schließung der Regierung kommen. Bis zum nächsten Freitag muss der Kongress verschiedene Mittel bewilligt haben.

          Den Kampf um die Mauer empfinde er als „totales Gewinnerthema“ für seine eigene Partei und ein Verliererthema für die Demokraten, sagte Trump weiter. „Ich tue nichts, nur um einen politischen Gewinn zu erzielen. Aber ich sage Ihnen, politisch gesprochen ist dieses Thema ein Gewinner“, so der amerikanische Präsident.

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