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Trump in der Corona-Krise : Vom Leugner zum Propheten

„Verlassen Sie nicht Ihr Auto“: ein Coronavirus-Test-Gelände in Philadelphia Bild: dpa

Erst hat Donald Trump öffentlich bezweifelt, das Coronavirus könne ein Problem für Amerika sein. Dann wollte er sich als erfolgreicher Krisenmanager gerieren. Ein Überblick über seinen Zick-Zack-Kurs – dessen jüngste Wendung vielen Bürgern zu gefallen scheint.

  • -Aktualisiert am
          5 Min.

          „Sie sind ein schlechter Reporter“, attackierte Donald Trump in der vergangenen Woche einen Journalisten, der wissen wollte, wie der Präsident auf die Angst der Bürger vor dem Coronavirus reagiere. Dass der amerikanische Präsident die Frage mit einem Angriff quittierte, dürfte mit der Kritik an seinem Krisenmanagement in den vergangenen Wochen zu tun haben. Fachleute bezeichneten es als katastrophal.

          Dass Trump die Pandemie lange kleingeredet hat, scheinen ihm viele Amerikaner aber nicht übel zu nehmen. Laut einer Ipsos-Umfrage vom Freitag sind 55 Prozent der Wähler inzwischen mit seiner Politik im Kampf gegen das Virus zufrieden. Eine Woche davor waren es noch 43 Prozent. Trump bewegte sich seit Januar von Beteuerungen, dass die „Sache“ schnell vorbei sein werde, zu täglichen Presse-Briefings. Ein Überblick.

          „Absolut keine Sorgen“

          Am 21. Januar, als der Bundesstaat Washington im Nordwesten der Vereinigten Staaten seinen ersten Coronavirus-Fall bekannt gibt, melden auch Vietnam und Singapur die ersten Erkrankten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft da das Risiko einer weltweiten Verbreitung als hoch ein. Als ein Reporter Trump am folgenden Tag fragt, ob er sich Sorgen mache, antwortet der: „Nein, absolut nicht. Und wir haben es absolut unter Kontrolle. Es geht um eine Person, die aus China kommt. Alles wird gut.“

          Zu diesem Zeitpunkt soll es laut der „Washington Post“ schon Geheimdienstberichte geben, die deutlich vor einer globalen Ausbreitung des Coronavirus warnen. Gesundheitsminister Alex Azar und andere Mitarbeiter sollen schon in der ersten Januarhälfte versucht haben, den Präsidenten von der Gefahr zu überzeugen. Und einige Senatoren, darunter der Chef des Geheimdienst-Ausschusses Richard Burr, sollen ihr Wissen über die heraufziehende Krise genutzt haben, um Aktien zu verkaufen.

          „Wir denken, wir haben es sehr gut unter Kontrolle“

          Am 30. Januar erklärt die WHO die Situation zum weltweiten gesundheitspolitischen Notfall. Trump untersagt Einreisen aus China. Bei einer Wahlkampfveranstaltung am selben Abend sagt er, man habe das Problem sehr gut unter Kontrolle, die Vereinigten Staaten hätten nur ein „sehr kleines Problem“ mit dem Virus und es werde „ein sehr gutes Ende“ geben. Drei Tage später sagt er Fox-News-Moderator Sean Hannity, seine Regierung habe das Virus „praktisch ausgeschaltet“, da es aus China komme.

          Den Februar über bleibt Trump bei seinen Beteuerungen – auch, nachdem acht Amerikaner auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ in Japan erkranken und die WHO 77.000 Fälle in 27 Ländern meldet. Es gebe nur wenige Amerikaner, die positiv getestet würden, beteuert Trump Mitte des Monats. Nachdem die Auswirkungen an der Börse spürbar werden, diskutieren Präsident und Kongress über die erste Krisenhilfe von 8,3 Milliarden Dollar. Trump twittert am 24. Februar aber dennoch, das Virus sei sehr gut unter Kontrolle und der Aktienmarkt, wo der Dow Jones gerade um 1000 Punkte gefallen ist, sehe für ihn sehr gut aus.

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