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Trump in der Corona-Krise : Vom Leugner zum Propheten

  • -Aktualisiert am

Am 17. März erklärt der Präsident schließlich, wer könne, solle von zu Hause aus arbeiten und Versammlungen mit mehr als zehn Personen meiden. Doch die Maßnahmen gehen nicht weit genug: In Städten wie New York sind zwar schon die Kneipen geschlossen, aber in Miami gehen immer noch unzählige Menschen zum „Spring Break“ an den Strand, bis auch dieser schließlich abgesperrt wird.

„Ich wusste, dass es eine Pandemie ist“

Am 17. März, als es fast 6000 bestätigte Coronavirus-Infizierte gibt, will Trump nicht mehr daran erinnert werden, dass er die Bedrohung lange heruntergespielt hat. Er habe von Anfang an gewusst, dass die Sache „echt“ und eine Pandemie sei, sagt er auf Nachfrage eines Reporters. Die Tests der WHO, die seine Regierung anfangs abgelehnt hat, seien „schlechte Tests“ gewesen – laut Fachleuten eine falsche Behauptung.

Mittlerweile sind fast 33.000 Menschen in Amerika positiv auf das Coronavirus getestet worden und mindestens 416 gestorben. Trump sieht sich nun als Krisenmanager „wie im Krieg“. Die Anwendung des „Defense Production Act“, das Gesetz zur Umstellung auf Verteidigungsproduktion, mit dem er Betriebe verpflichten könnte, dringend benötigte Waren zu produzieren, hat er allerdings bislang nur in Aussicht gestellt.

Hatte er schon Anfang März verkündet, es werde „schnell“ eine Impfung geben, wiederholt er nun gern, dass seine Regierung Hindernisse für die Entwicklung und Zulassung eines Impfstoffes aus dem Weg räume. Viele Mediziner sagen allerdings, es werde mindestens ein Jahr dauern, bis ein solcher Impfstoff tatsächlich auf dem Markt ist.

„Ich habe ein gutes Gefühl“

Jetzt setzt Trump auf Schnelligkeit und möglichst grandiose Effekte. Vor kurzem hat er etwa versprochen, dass zwei „unglaubliche“ Krankenhaus-Schiffe der Navy in New York und Los Angeles ankern und bei der Versorgung von Patienten helfen würden. Doch das Schiff „Comfort“, das für die Ostküsten-Metropole bestimmt ist, wird laut Pentagon noch mehrere Wochen in einer Werft in Norfolk, Virginia, liegen.

Er habe „ein gutes Gefühl“, was den Einsatz von antiviralen Medikamenten angehe, sagt Trump. Mehrere Wirkstoffe, die etwa gegen Malaria eingesetzt werden, sollen gegen das Coronavirus getestet werden – doch das braucht Zeit. Nachdem Trump behauptet hat, der Stoff Hydroxychloroquin sei vielversprechend im Kampf gegen Corona, besorgen sich laut dem Magazin „Pro Publica“ so viele Menschen Rezepte dafür, dass Patienten mit der chronischen Krankheit Lupus nun mit Engpässen kämpfen.

„Die Medizin darf nicht schlimmer sein als die Krankheit“

Nach einer Woche des „social distancing“ kündigt Trump auf Twitter eine mögliche Lockerung der bestehenden Maßnahmen an. Die Medizin dürfe nicht schlimmer sein als die Krankheit, schreibt er auf dem Kurznachrichtendienst. Nach der Frsit von 15 Tagen „werden wir eine Entscheidung treffen, welchen Weg wir gehen wollen“, heißt es weiter. Diese Einlassung wird unterstützt von Äußerungen des Vizepräsidenten. Der sagte, die Behörde für Seuchenbekämpfung werde schnell entscheiden, ob es möglich sei, dass Menschen, die mit dem Virus in Kontakt waren an ihre Arbeitsstätte zurückkehren könnten, wenn sie für ein paar Tage eine Schutzmaske tragen.

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