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Trump in der Corona-Krise : Vom Leugner zum Propheten

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„Jeder kann einen Test machen“

Nachdem in Europa bereits Tausende Menschen an Covid-19 erkrankt sind, suggeriert Trump Anfang März weiterhin, dass die Amerikaner sich keine Sorgen zu machen brauchen und ihr Leben nicht verändern müssen. Als das Kreuzfahrtschiff „Grand Princess“ in Kalifornien anlegt, sagt Trump, ihm sei es lieber, wenn die 2000 Passagiere an Bord blieben, als dass sie die Zahl der Coronavirus-Infizierten im Land hochtrieben. Ihm gefielen die Zahlen so, wie sie jetzt seien.

Anfang März gibt es etwas mehr als 200 bestätigte Fälle im Land. Dass die Ausbreitung des Virus nicht linear, sondern exponentiell verläuft, ist aber bereits bekannt. Am 6. März sagt Trump bei einem Besuch des CDC (Centers for Disease Control and Prevention) in Atlanta, jeder, der sich Sorgen mache, könne einen Coronavirus-Test machen. Fachleute weisen das als Falschinformation zurück.

„Fake News Medien machen Panik“

Trump gibt, ähnlich wie bei anderen politischen Fragen, anderen die Schuld an der sich zuspitzenden Krise. Die Obama-Regierung habe wichtige Testmechanismen abgebaut, behauptet er etwa – auch das weisen Fachleute zurück und entgegnen, dass es Trump gewesen sei, der 2018 einen beim Nationalen Sicherheitsrat angesiedelten Posten zur Koordination im Pandemie-Fall abgeschafft habe.

Am 6. März macht der Präsident die „Fake-News-Medien“ dafür verantwortlich, dass sich immer mehr Amerikaner Sorgen über das Coronavirus machen. Aus Italien gibt es bereits Meldungen über überfüllte Krankenhäuser, Fachleute warnen vor einer möglichen Überlastung des Gesundheitssystems in den Vereinigten Staaten. Trump wirft den Demokraten trotzdem vor, sie wollten die Unsicherheit gemeinsam mit den Medien für ihre Zwecke „anheizen“. Das Virus nennt er bis heute konsequent „chinesisches Virus“.

„Arbeiten Sie von zu Hause aus“

Nachdem die Weltgesundheitsorganisation das Coronavirus zur Pandemie erklärt hat, ändert Trump nicht nur seinen Ton deutlich, er verhängt auch entsprechende Maßnahmen. Am 11. März verkündet er einen weitgehenden Einreisestopp für Nicht-Amerikaner aus Europa, zwei Tage später ruft er den Notstand aus, was 50 Milliarden zusätzliche Hilfen für die Bundesstaaten frei macht.

Nach Meinung von Fachleuten hat er zu diesem Zeitpunkt durch seine Beschwichtigungen und Falschinformationen wertvolle Zeit verstreichen lassen, in der die Zahl der Tests hätte erhöht und die Ausrüstung des Gesundheitswesens hätte verbessert werden können. Außerdem hätten die Amerikaner sich bereits auf Verhaltensänderungen vorbereiten können.

Trumps Botschaften sorgen auch jetzt für zusätzliche Verwirrung. Irrtümlich verkündet er, der Einreisestopp aus Europa gelte auch für Waren. Außerdem sagt er, alle Versicherer hätten zugestimmt, auf den Eigenanteil der Patienten bei der Behandlung des Coronavirus zu verzichten, was nicht stimmt.

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