https://www.faz.net/-gpf-9dkkt

Trump in der Bredouille : „Schnallen Sie sich an, es kommt noch schlimmer“

  • -Aktualisiert am

Schaut her, ihr könnt mir nix! – Auf einer Veranstaltung in West Virginia strotzt Donald Trump am Dienstag nur so vor Selbstbewusstsein. Bild: Reuters

Donald Trump stehen schwierige Tage bevor – wieder einmal. Binnen weniger Stunden belastet ihn sein ehemaliger Anwalt schwer und sein früherer Wahlkampfchef wird schuldig gesprochen. Doch der Präsident spricht lieber über den Weltraum.

          „Sperrt sie ein, sperrt sie ein“, riefen die Fans von Donald Trump am Dienstag bei einer Veranstaltung in West Virginia – noch immer fordern sie, dass Hillary Clinton, die einstige Konkurrentin des jetzigen amerikanischen Präsidenten ins Gefängnis kommt. Mehr denn je wirkte das wie eine Inszenierung aus einer anderen Welt – denn nur kurz zuvor hatte sich in New York Michael Cohen vor Gericht für schuldig erklärt. Er schilderte, wie er Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen organisierte, mit denen Trump während seiner Ehe Sex gehabt haben soll. Cohen sagte zum ersten Mal, er habe „in Absprache mit dem Kandidaten“ gehandelt, um den Erfolg bei der Präsidentschaftswahl 2016 nicht zu gefährden. Trump wurde nicht beim Namen genannt – in den Gerichtsdokumenten hieß er lediglich „Person Eins“.

          Der ehemalige Anwalt, der zehn Jahre lang als Trumps Mann für alle Fälle galt, bekannte sich überraschend in acht Anklagepunkten für schuldig – neben Steuerhinterziehung und Bankbetrug habe er mit den Schweigegeldzahlungen auch gegen die Regeln zur Kampagnenfinanzierung verstoßen. Pornodarstellerin Stephanie Clifford alias „Stormy Daniels“ erhielt ihm zufolge kurz vor der Wahl 130.000 Dollar und das frühere Playboy-Model Karen McDougal wurde überzeugt, ihre Geschichte an das Magazin „National Enquirer“ zu verkaufen, so dass die Redaktion die Vorwürfe unter dem Deckel halten konnte.

          Mehrere juristische Probleme für Trump

          Der persönliche Anwalt des Präsidenten wirft Trump also persönliche Mittäterschaft bei Straftaten vor, für die er sich schuldig bekennt. Cohen selbst dürfte nun drei bis fünf Jahre ins Gefängnis gehen. Trump und sein Team stehen nun vor mehreren juristischen und politischen Problemen. Zum einen ist da der Vorwurf des Verstoßes gegen die Regeln zur Wahlkampffinanzierung: Unklar ist, inwiefern Trump hierfür strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könnte. Das Justizministerium neigte bislang zu der Ansicht, dass ein Präsident während seiner Amtszeit nicht angeklagt werden sollte. Politisch problematisch sind zum anderen auch die fortwährenden Lügen des Präsidenten: Trump hatte Cohen im Januar zunächst behaupten lassen, er habe niemals Sex mit Clifford gehabt. Anschließend hieß es, Cohen habe die Pornodarstellerin ohne Trumps Wissen und aus eigener Tasche bezahlt. Persönlich sagte Trump noch Anfang April gegenüber Reportern an Bord der Air Force One, er habe nichts davon gewusst und wisse auch nicht, woher das Geld komme.

          Nachdem das FBI wenig später Cohens Privaträume durchsuchte, änderte das Weiße Haus die Geschichte wiederum ab. Trump-Anwalt Rudy Giuliani räumte nun ein, dass Cohen die Auslagen zurückerhalten habe. Trump blieb bei seiner Behauptung, es habe zwischen ihm und Clifford nie den behaupteten One Night Stand gegeben. Doch dann tauchte auch noch eine Tonbandaufnahme auf, die Cohen anfertigte und auf der zu hören sein soll, wie Trump und er die Zahlung an Karen McDougal diskutieren.

          Das Team des Präsidenten hatte sich stets bemüht, die vielen neuen Entwicklungen in der Schweigegeld-Affäre herunterzuspielen. Da Cohen sich und den Präsidenten nun in einem Strafverfahren belastete, wird dies nicht mehr ohne weiteres möglich sein. Cohen legte nicht nur einen Eid ab, seine Darstellung unterfütterte er im schriftlichen Schuldeingeständnis auch mit Dokumenten. Das Geständnis enthält bislang keine Zusicherung, dass Cohen mit dem FBI oder dem Sonderermittler in der Russland-Affäre, Robert Mueller, zusammenarbeiten wird, um seine Strafe zu mildern.

          Weitere Themen

          Trumps Buhmann

          FAZ Plus Artikel: Fed-Präsident Jerome Powell : Trumps Buhmann

          Jerome Powell lenkt die mächtigste Zentralbank der Welt. Der Fed-Chef schlägt eine fast aussichtslose Schlacht – auch gegen seinen eigenen Präsidenten. Nun warten Anleger und Politiker in der ganzen Welt auf eine Rede von ihm.

          Topmeldungen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.