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Trump hetzt gegen Europa : „Deutschland droht radikalislamischer Terrorismus“

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„Ein Desaster“, so hat der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump am „Super Tuesday“ die Flüchtlingspolitik in Deutschland bezeichnet. Bild: Reuters

Kaum hat er den „Super Tuesday“ gewonnen, schimpft Donald Trump auf Europa. Besonders Deutschland kommt bei dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber nicht gut weg – nicht zum ersten Mal.

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          Auch sein Erfolg beim „Super Tuesday“ stimmt Donald Trump nicht milde. Noch während der umstrittene Präsidentschaftsbewerber in Florida das Bad in der Menge genoss, schoss  Trump scharf gegen seine republikanischen Kontrahenten. Und einmal in Stimmung, hatte der Millionär auch einige deftige Worte für Deutschland parat.

          Dem Land seiner Vorfahren prognostizierte Trump eine dunkle Zukunft: „Schaut nach Deutschland und Schweden und schaut einige dieser Orte an, das ist ein Desaster", sagte Trump. Wegen der Flüchtlinge aus muslimischen Ländern drohe der Bundesrepublik nicht weniger als ein „radikalislamischer Terrorismus“. Für Amerika selbst hatte Trump im Vorwahlkampf ein Einreiseverbot für Muslime gefordert.

          Es ist nicht die erste negative Äußerung Trumps gegenüber Deutschland. Als das amerikanische „Time“-Magazin Bundeskanzlerin Angela Merkel im Dezember zur „Persönlichkeit des Jahres“ gekürt hatte, prophezeite Trump Deutschland bereits ein „totales Desaster“ wegen der Flüchtlingspolitik. Die Kanzlerin hätte der Bundesrepublik damit „enormen Schaden zugefügt".

          „Trump nutzt die gleichen Emotionen wie Hitler“

          Trump und Deutschland, das ist eine Beziehung die aktuell auf beidseitigem Unverständnis fußt. Noch am Dienstag hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier  die „Politik der Angst”, auf die Trump in den Vorwahlen seine Präsidentschaftskampagne aufgebaut hat, scharf kritisiert: „Mauern zu bauen ist immer eine schlechte Idee – egal wer dafür bezahlt“, sagte Steinmeier vor Studenten in Washington und bezog sich auf Trumps Pläne, einen Grenzwall zwischen Amerika und Mexiko errichten zu wollen.

          Dafür bekam der Republikaner bereits vor einigen Wochen Wesenszüge der wohl unrühmlichsten deutschen Persönlichkeit zugeschrieben. „Die weiße Überlegenheit herauszustellen ist nicht gegen Einwanderer generell gerichtet, sondern gegen Einwanderer, die eine andere Hautfarbe haben als er. Das ist einfach rassistisch, und ein bisschen nutzt er die gleichen Empfindlichkeiten, wie das Hitler zu seiner Zeit getan hat", sagte Felipe Calderón, ehemaliger Präsident Mexikos. Trump setze damit auf die gleichen Emotionen und Vorurteile wie einst Adolf Hitler und „säe Hass“ gegen die Vereinigten Staaten in aller Welt.

          Auch deutsche Politiker äußerten sich am Mittwoch besorgt über den Erfolg des Unternehmers: „Trump scheint als Kandidat unaufhaltbar, es sei denn die Republikaner riskieren eine offene Spaltung ihrer Partei", sagte etwa der außenpolitische Sprecher der SPD, Niels Annen, am Mittwoch zu Reuters. Deutlicher wird auch der außenpolitische Sprecher der Linkspartei, Stefan Liebich, der Trump als "sehr große Gefahr" bezeichnet, weil er außenpolitisch eine Mischung aus „Isolationismus gepaart mit Cowboytum" vertrete.

          Deutsche lehnen Trump ab

          Jürgen Hardt, Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt, sieht eine „große Herausforderung auf Deutschland und Europa“ zukommen, sollte Trump im November den Wahlsieg feiern können.

          So sehen Sieger aus. Und vielleicht bald auch eine amerikanische Präsidentin? Beim „Super Tuesday“ setzte sich Hillary Clinton gegen ihren demokratischen Kontrahenten Bernie Sanders durch. Auch bei den Republikanern gibt es einen klaren Sieger.  Bilderstrecke

          Der CDU-Politiker sagte dem Deutschlandfunk aber auch, als amerikanischer Präsident könne Trump nicht mehr einfach ohne Rücksicht auf andere Staaten handeln. Bereits für die kommenden Vorwahlen erwartet Hardt deshalb, dass sich Trump „von seiner radikalen Rhetorik immer mehr verabschiedet und sich um die Mitte der Gesellschaft kümmert“.

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