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Trump in der Corona-Krise : „Ich habe ein gutes Gefühl“

  • -Aktualisiert am

Lange Zeit hatte er die Bedrohung durch die Virus-Pandemie verharmlost: Amerikas Präsident Donald Trump. Bild: AP

Die Rolle als Krisenmanager hat Donald Trump wohl gefallen – zumindest eine Zeit lang. Dagegen steht sein Hang zu impulsivem Handeln. Wie immer verlässt er sich lieber auf seinen Bauch.

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          Der Kongressabgeordnete Ben McAdams aus Utah wollte keine Panik verbreiten, als er sagte, er fühle sich so krank wie noch nie in seinem Leben. Im Gespräch mit Wolf Blitzer von CNN wollte der mit dem Coronavirus infizierte Demokrat vor allem warnen. Denn auch wenn Metropolen wie San Francisco und New York längst ihre Restaurants und Kultureinrichtungen geschlossen haben – in kleineren Städten gibt es noch viele Menschen, für die das Leben normal weitergeht, weil es noch kaum belegte Coronavirus-Fälle in ihrer Gegend gibt.

          Das liegt auch daran, dass einer die Gefahr lange klein geredet hat: Präsident Donald Trump fand noch vor zwei Wochen, die Amerikaner sollten Ruhe bewahren und das Virus werde schon wieder verschwinden. Laut der „Washington Post“ soll es schon im Januar Geheimdienstberichte gegeben haben, die eindringlich vor der Ausbreitung des Coronavirus außerhalb Chinas warnten.

          Während Republikaner und Demokraten in Washington inzwischen über ein milliardenschweres Hilfspaket für das Land diskutieren, versucht Trump, seine anfänglichen Verharmlosungsversuche vergessen zu machen. In seinen Pressekonferenzen wollte er in dieser Woche zeigen, dass er die Situation inzwischen nicht nur ernst nimmt, sondern auch handelt. Dabei kam ihm allerdings seine Neigung zu unüberlegten Äußerungen in die Quere.

          Die Rolle des obersten Krisenmanagers „wie in Kriegszeiten“ habe Trump wohl zuerst gut gefallen, mutmaßte die „Washington Post“. Stoisch habe er sich von seinen Experten beraten lassen und versucht, seine anfänglichen Fehler vergessen zu machen. Am Freitag war es damit aber vorbei und der Präsident zeigte wieder einmal, dass er sich auch jetzt nicht zurückhalten kann. Bei seiner Pressekonferenz sagte er erst, er habe „einfach ein Gefühl“, dass ein Malaria-Medikament im Kampf gegen das Virus helfen könnte – ohne, dass es dafür bislang einen wissenschaftlichen Beweis gibt.

          Und dann verpasste er die Gelegenheit, den Amerikanern etwas Tröstliches mit auf den Weg zu geben. Als ein Journalist wissen wollte, was er Bürgern sage, die Angst hätten, entgegnete Trump: „Ich würde sagen, Sie sind ein schlechter Reporter, das würde ich sagen.“ Für Sensationsberichterstattung sei jetzt kein Platz – man solle stattdessen „abwarten, ob es funktionieren wird.“ Er selbst habe „ein gutes Gefühl“ und habe schließlich „häufig Recht gehabt“, so der Präsident.

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          Trotz oder gerade wegen solcher Auftritte loben die konservativen Medien Trump für sein Krisenmanagement. Fox-News-Moderator Lou Dobbs etwa gab seinen Zuschauern als Antwortmöglichkeiten, wie zufrieden sie mit Trumps Krisenmanagement seien, „überragend“, „großartig“ und „sehr gut“ zur Auswahl. Dobbs ist inzwischen in Quarantäne, nachdem einer seiner Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

          Nachdem die Bedrohungslage bei mehr als 18.000 Fällen und 241 Toten nicht mehr zu leugnen ist, geht es jetzt für Trump und die ihm ergebenen Medien also nicht mehr ums Verharmlosen – stattdessen setzt sich der Präsident mit den vertrauten Superlativen an die Spitze der Corona-Abwehr. Viel früher als andere habe er „gefühlt“, dass es eine Pandemie geben werde, sagte er Anfang der Woche.

          Dass er seinen Ton mittlerweile völlig veränderte und die Bürger auf kriegsähnliche Anstrengungen einschwor, hängt amerikanischen Medien zufolge auch mit der Studie des Imperial College in London zusammen, die als schwersten möglichen Ausgang der Pandemie 2,2 Millionen amerikanische Todesopfer für möglich hält.

          „Wir sind keine Lieferboten“

          Obwohl er inzwischen den Notstand ausrief und Einreisen aus Europa weitgehend stoppte, sehen viele Fachleute Trumps Reaktionen aber als unzureichend an. Seine Regierung habe zum Beispiel bislang keine guten Antworten auf den Material-Notstand in den Krankenhäusern gefunden. Das dezentralisierte und im ländlichen Raum oft mangelhaft ausgestattete Gesundheitssystem brauche demnach eine zentral gesteuerte Anstrengung. Das Land hat pro Kopf weniger Krankenhausbetten und Ärzte als Italien – und auch unter normalen Umständen haben seine Bürger durchschnittlich eine niedrigere Lebenserwartung.

          Die Situation ist inzwischen so ernst, dass die Behörde für Seuchenbekämpfung und Prävention (CDC) auf ihrer Webseite den Hinweis veröffentlichte, ein selbst gemachter Mundschutz sei für medizinisches Personal besser als gar nichts.

          „Wir sind keine Lieferboten“

          Aus der Sicht vieler Bundesstaaten verschlimmert Trump die Versorgungskrise noch. Anfang der Woche hatte der Präsident den Gouverneuren gesagt, sie sollten sich selbst um die Beschaffung von medizinischer Ausrüstung wie Masken und Beatmungsgeräten kümmern, wenn es dadurch schneller gehe. Die Regierung in Washington sei nicht dazu da, riesige Mengen an Waren zu kaufen und diese dann zu verschicken, hatte Trump am Donnerstag verkündet: „Wissen Sie, wir sind keine Lieferboten.“

          Trumps Mitarbeiter verteidigten die Aussage später. Gemeint habe Trump, dass der Weg über die Zentralregierung in Washington nicht unbedingt der schnellste sei. Das stimmt, doch im Laufe der Woche stellte sich heraus, wie mangelhaft die Abstimmung zwischen den Hauptstadt-Behörden und den Bundesstaaten wirklich ist.

          Der republikanische Gouverneur von Massachusetts, Charlie Baker, beschwerte sich in einem Telefonat bei Trump, dass seine Verwaltung dreimal überboten worden sei, als man versucht habe, die nötigen Waren zu kaufen – und zwar von der Bundesregierung. Er fürchte, dass die meisten Firmen es vorziehen würden, ihr Geschäft mit Washington direkt zu machen – dafür müsse eine Lösung her, so Baker. Da spiele natürlich auch der Preis eine Rolle, belehrte ihn Trump daraufhin. „Vielleicht haben Sie deswegen gegen den Bund verloren, ich sage Ihnen, daran hat es wahrscheinlich gelegen“, zitierten mehrere Medien den Präsidenten aus dem Telefonprotokoll.

          Trump kündigte nach einigem Zögern dann doch an, den „Defense Production Act“, das Gesetz zur Umstellung auf Verteidigungsproduktion, zu nutzen. Damit kann er Unternehmen vorschreiben, dringend nötige Waren wie Schutzkleidung und Beatmungsgeräte zu produzieren. Über konkrete Anweisungen wurde aber nichts bekannt. Noch am Donnerstag sagte Trump, dass er diesen Hebel erst nutzen werde, wenn es „verzweifelten“ Bedarf gebe – ob es den gebe, werde man „sehr bald“ wissen.

          „Aggressive“ Reaktion der Privatwirtschaft

          Zahlreiche Krankenhäuser hatten bereits länger davor gewarnt, dass sie bald Engpässe erleben würden – am Ende dieser Woche häuften sich dann Berichte über Ärzte und Pfleger, die Schutzmasken öfter benutzen als vorgesehen und die Warnungen vor der Überbelegung von Intensivstationen wurden immer dringlicher.

          Die Demokraten forderten unterdessen, die Befugnisse auch wirklich zu nutzen und die Massenproduktion der medizintechnischen Güter staatlich anzuordnen und zu koordinieren. Vizepräsident Mike Pence machte deutlich, dass dies für Trumps Regierung immer noch das allerletzte Mittel sei. Man habe großes Vertrauen in die Leistung der Privatwirtschaft, die nun auch ohne Zwangsmaßnahmen „aggressiv“ auf die steigende Nachfrage reagieren werde. Er werde gerade „in sehr schöner Weise“ von Angeboten der Privatwirtschaft regelrecht belagert, versicherte Trump.

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