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Trump geht auf Iran zu : Wieder ein großer Deal?

Entschlossen: Jetzt will sich Amerikas Präsident auch mit dem Regime des Iran treffen. Bild: AP

Der Zickzackkurs von Donald Trump nimmt kein Ende. Der neueste Fall: Der amerikanische Präsident, will nun direkt mit dem Regime in Teheran reden – ohne jede Vorbedingung. In Iran ist man skeptisch.

          Die Reaktion aus Teheran zeugte von Überraschung und Skepsis. Denn zuletzt hatte die iranische Führung über informelle Kanäle Gesprächsbereitschaft nach Washington signalisiert – diese Antwort des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hatte aber niemand erwartet. Auf die Frage einer Journalistin während der Begegnung mit dem italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte, der sich wegen der geplanten sekundären Iran-Sanktionen Sorgen macht, sagte Trump am Montag, er sei „jederzeit“ zu einer Begegnung mit der iranischen Führung bereit. Die Skepsis der Iraner über diese Aussage schwang jedoch in der Äußerung mit, die Hamid Abutalebi, der Berater von Präsident Hassan Rohani, am Dienstag über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Abutalebi schrieb, bevor es zu einem Treffen zwischen den Präsidenten Rohani und Trump kommen könne, müsse Washington drei Bedingungen erfüllen: Die Vereinigten Staaten müssten „Respekt für die Rechte der iranischen Nation zeigen, die Feindseligkeiten abbauen und zum Atomabkommen zurückkehren“, das Trump im Mai aufgekündigt hatte. Zudem hatte Revolutionsführer Ali Chamenei erst vor wenigen Tagen zum wiederholten Male erklärt, man könne sich weder auf die Worte noch die Unterschriften der Amerikaner verlassen.

          „Mr. Trump! Iran ist nicht Nordkorea“

          Auch der Kommandeur der einflussreichen Revolutionsgarden schloss ein Treffen Trump mit der iranischen Führung aus. „Mr. Trump! Iran ist nicht Nordkorea und wird Ihr Angebot für ein Treffen nicht annehmen“, wird Generalmajor Mohammad Ali Dschafariihn von der iranischen Nachrichtenagentur „Fars“ zitiert. Auch Trumps Nachfolger werden diesen Tag nicht erleben, so Dschafariihn laut der Nachrichtenagentur Reuters.

          Trump hatte Rohani noch vor einer Woche über Twitter wissen lassen: „Bedrohe niemals mehr die Vereinigten Staaten von Amerika oder du wirst Konsequenzen erleben, wie sie in der Geschichte nur wenige erlebt haben.“ Nun aber die Bereitschaft Trumps zu einem Treffen – ohne Vorbedingungen. Der vermeintliche Kurswechsel des amerikanischen Präsidenten kam wieder einmal ohne jede vorherige Andeutung durch seinen Beraterstab.

          Zurückhaltend: Irans Präsident Hassan Rohani

          Doch Teheran war auch überrascht, weil es eine diskrete Antwort auf ein diskretes Gesprächsangebot an Trump erwartet hatte. Außenminister Dschawad Zarif hatte Anfang Juli unangekündigt Oman besucht, woraufhin der Außenminister Omans nach Washington aufbrach, wo er offenbar den Wunsch Irans nach direkten, aber diskreten Gesprächen überbracht hat. Rohani bestätigte am 21. Juli eine solche Gesprächsbereitschaft in einer Rede vor iranischen Diplomaten in Teheran. Doch anstatt ebenso diskret auf die Offerte zu antworten, sprach Trump nun öffentlich über ein mögliches Treffen und das in einer Form, die in Teheran nicht gut ankam und die sich über Trumps Gast, den italienischen Ministerpräsidenten, eher an die Europäer zu richten schien.

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