https://www.faz.net/-gpf-9rl82

Ukraine-Affäre : Trump bezeichnet Forderung nach Amtsenthebung als Witz

  • Aktualisiert am

Amerikas Präsident Donald Trump Bild: AP

Der amerikanische Präsident sieht in dem „wunderbaren Telefonat“ mit seinem ukrainischen Amtskollegen keine Gründe für eine Amtsenthebung. Die Demokraten sprechen hingegen von „klassischem Mafiastil“.

          2 Min.

          Amerikas Präsident Donald Trump hat das von der Opposition angestrebte Amtsenthebungsverfahren wegen der Ukraine-Affäre als „Witz“ bezeichnet. „Dafür ein Amtsenthebungsverfahren? Dass man ein wunderbares Treffen oder ein wunderbares Telefonat hatte?“, fragte Trump am Mittwoch bei einer Pressekonferenz am Rande der UN-Generaldebatte. Den oppositionellen Demokraten warf der Präsident abermals eine „Hexenjagd“ gegen ihn vor.

          Zuvor hatte die Veröffentlichung des Protokolls eines Telefonats mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj belegt, dass Trump Ermittlungen gegen seinen möglichen Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl 2020, Joe Biden, und dessen Sohn erbeten hatte.

          Trump bringt persönlichen Anwalt ins Spiel

          „Es wird viel über Bidens Sohn geredet, dass Biden die Ermittlung gestoppt hat, und viele Leute wollen etwas darüber herausfinden, also was auch immer Sie mit dem Justizminister tun können, wäre großartig“, sagte Trump in dem Gespräch Ende Juli. Hunter Biden arbeitete früher für ein ukrainisches Gasunternehmen. In der Firma soll es Fälle von Korruption gegeben haben, Hunter Biden selber wurden aber nie derartige Vorwürfe gemacht.

          „Biden hat überall rumposaunt, dass er die Strafverfolgung gestoppt hat“, sagt Trump in dem Gespräch über den früheren Vizepräsidenten weiter. Auch dazu solle die Ukraine ermitteln, forderte Trump. Sein persönlicher Anwalt Rudy Giuliani und Justizminister William Barr würden sich von der amerikanischen Seite aus darum kümmern.

          Joe Biden hatte sich als Vizepräsident gemeinsam mit anderen westlichen Ländern dafür eingesetzt, dass der damalige ukrainische Generalstaatsanwalt Viktor Schokin abgesetzt wurde. Ihm wurde vorgeworfen, nicht genug gegen Korruption zu tun.

          Der Hauptvorwurf gegen den amerikanischen Präsidenten, er habe die Freigabe von Militärhilfen an die Ukraine an die Lieferung von belastendem Material über Biden geknüpft, wird in dem Gesprächsprotokoll nicht belegt. Allerdings sprachen die beiden Politiker durchaus über Hilfen. Außerdem gibt es in dem Protokoll zahlreiche Auslassungen. Es dokumentiert nicht das gesamte Telefonat im Wortlaut.

          „Klassischer Mafiastil“

          Unmittelbar nach der Veröffentlichung des Protokolls sagte Trump, er sehe sich entlastet. „Es gab keinerlei Druck.“ Ähnlich äußerte sich Selenskyj selbst. „Das war ein gutes Telefonat, es war normal“, sagte der ukrainische Präsident bei einem Treffen mit Trump am Rande der UN-Generaldebatte. „Niemand hat Druck auf mich ausgeübt.“

          Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses, der Demokrat Adam Schiff, sprach nach der Veröffentlichung des Gesprächsprotokolls dagegen von „klassischem Mafiastil“. Weitere Erkenntnisse könnten die Angaben eines Geheimdienstmitarbeiters bringen, der die Affäre mit einer internen Beschwerde ins Rollen gebracht hatte. Der anonyme Informant hatte sich alarmiert über das Telefonat Trumps mit Selenskyj gezeigt. Trump versprach den Abgeordneten „Transparenz“ im Umgang mit der Beschwerde, auch wenn es sich „vermutlich um Informationen aus zweiter Hand“ handele.

          Über die Beschwerde wird es am Donnerstag bei einer Befragung des geschäftsführenden Direktors der Geheimdienste, Joseph Maguire, im Kongress gehen. Die oppositionellen Demokraten wollen wegen der Affäre eine parlamentarische Untersuchung zu einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen Trump starten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Freie Fahrt? Auf Deutschlands Autobahnen wartet die „größte Verwaltungsreform seit Jahrzehnten“.

          Autobahnen : Besser als Google Maps

          Bald übernimmt der Bund Planung, Bau und Betrieb der Autobahnen. Anfang 2020 beginnt ein erster Härtetest: Eine Verwaltung, die sich Jahrzehnte eingespielt hat, wird durcheinandergewirbelt. Wird alles klappen?
          Die Dividenden ersetzen die Zinsen nicht.

          Die Vermögensfrage : Die Dividende ist nicht der neue Zins

          In Zeiten abgeschaffter Zinsen werden neue Anlagemöglichkeiten gesucht und gefunden: die Dividende. Ein guter Tausch? Dividendentitel können ein attraktiver Bestandteil der eigenen Aktienanlagestrategie sein, den Zins aber ersetzen sie nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.