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Möglicher Vizepräsident : Trumps Casting-Show geht in die Endrunde

  • -Aktualisiert am

„Euer Gouverneur oder euer Vizepräsident?“: Mike Pence mit Donald Trump Bild: Reuters

Wer wird Vizepräsidentschaftsbewerber der Republikaner? An diesem Freitag will Donald Trump den Sieger seines „Castings“ bekannt geben. Vieles deutet auf den Gouverneur aus Indiana Mike Pence.

          Donald Trump sucht seinen Vizepräsidenten. Der republikanische Kandidat für das Weiße Haus tut das so öffentlich, dass sich viele Amerikaner an die Casting-Show „The Apprentice“ erinnert fühlen, in der Trump einst als Juror Nachwuchs für seine Unternehmen suchte, indem er so lange Jungtalente feuerte, bis nur noch einer übrig war. „Es ist ein bisschen wie bei ,The Apprentice‘“, bestätigte nach seinem jüngsten Vorstellungsgespräch sogar Newt Gingrich.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Der 73 Jahre alte Rabauke, in den neunziger Jahren „Speaker of the House“ und Antipode von Bill Clinton, darf sich in Trumps politischer Reality-TV-Show zu den Finalisten zählen. Er flog am Mittwoch kurzfristig in einem Privatflugzeug nach Indianapolis, wo Trump nach einer Kundgebung angeblich wegen eines Defekts an seinem Flugzeug steckengeblieben war. „Früher oder später finden wir dann heraus, wer das Rennen macht“, sagte Gingrich.

          „Drei, vielleicht vier“ Namen auf der Liste

          An diesem Freitag will Trump seine Entscheidung kundtun. Ob er sie schon getroffen hat, blieb bis zuletzt unklar. „Drei, vielleicht vier“ Namen stünden noch auf der Liste, sagte Trump am Mittwochabend in einem Interview mit dem Sender Fox News. „Vor allem denke ich über zwei nach.“ Die meisten Beobachter glauben, dass Trump zwischen zwei Gouverneuren abwäge: Chris Christie und Mike Pence.

          Der allzeit angriffslustige Christie regiert New Jersey und hatte sich selbst um die Präsidentschaftskandidatur bemüht. Wenige Tage nach seinem frühen Ausscheiden überraschte er dann Freund und Feind mit einer klaren Wahlempfehlung zugunsten Trumps. Diese Loyalität weiß Trump zu schätzen. Der Milliardär hat den früheren Staatsanwalt bereits damit betraut, sein Übergangsteam zu führen, sollte er die Wahl im November gewinnen.

          Mike Pence ist der Gouverneur von Indiana, jenem Staat also, in dem Trumps Boeing 757 den plötzlichen Schaden erlitten haben soll. Der 57 Jahre alte Politiker, der früher Abgeordneter war, ist jenseits des Mittleren Westens wesentlich unbekannter als der vier Jahre jüngere, schlagfertige Christie. Er verkörpert den Typus des seriösen Politikers. Somit könnte er Trump bei Wählern helfen, die seine Sprunghaftigkeit fürchten. Umgekehrt könnte er Anhänger verprellen, die sich von Trump gerade nichts Konventionelles erhoffen.

          Freundliche Geste in Richtung der religiösen Rechten

          Ideologisch steht Pence rechts von Christie. Unter evangelikalen Wählern ist er beliebt. Voriges Jahr unterzeichnete er ein „Gesetz zur Religionsfreiheit“, das Linksliberale als Einladung zur Diskriminierung von Homosexuellen bekämpften. Erst nach einer Boykottdrohung gegen Indiana bekannte Pence sich zur Gleichbehandlung.

          Der entgegen halbherzigen Beteuerungen offenkundig nicht religiöse Trump muss kaum fürchten, dass viele sozialkonservative Christen Hillary Clinton wählen, obwohl sie als gläubige Methodistin gilt. Trotzdem böte sich für Trump eine freundliche Geste in Richtung der religiösen Rechten an, denn dort sind viele der Freiwilligen beheimatet, die seine Werbetrommel rühren sollen. Neben Pence wäre auch Gingrich in diesem Lager willkommen, obwohl er genau wie Trump zum dritten Mal verheiratet ist und mit außerehelichen Affären Sympathien verspielt hat.

          Doch Gingrich ist schon lange als scharfzüngiger Kommentator tätig und verfügt nicht mehr über die engen Kontakte zum heutigen Kongress, die Trump zur Voraussetzung erklärt hat. Auch sein Alter spricht gegen Gingrich; schließlich wäre Trump mit 70 Jahren der bei Amtsantritt älteste Präsident in Amerikas Geschichte. Allerdings soll Gingrich einen höchst einflussreichen Fürsprecher haben: Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.

          Gouverneur oder Vizepräsident

          Kushner war mit seiner Frau Ivanka Trump, deren Brüdern Donald Jr. und Eric sowie dem Wahlkampfmanager Paul Manafort nach Indianapolis gereist, wo Trump sein Polit-Casting inszenierte. Am Mittwoch lud sich die ganze Familie bei Gouverneur Pence zum Frühstück ein. „Nichts wurde angeboten, nichts wurde angenommen“, versicherte der Gouverneur daraufhin der Presse. Am Abend davor hatte er Trump auf einer Kundgebung angepriesen und mit deftigen Breitseiten gegen Clinton um die Gunst des Hauptredners gebuhlt. „Ich weiß nicht“, sagte Trump danach über Pence, „ob er euer Gouverneur oder euer Vizepräsident wird. Wer zur Hölle weiß das schon?“

          Trump selbst schien selbst nicht zu wissen, was er will. Dem „Wall Street Journal“ sagte er am Dienstag, er suche jemanden „mit guten Nahkampf-Fähigkeiten“. Das schien auf Christie zu deuten, aus dessen Vorwahlkampf in Erinnerung geblieben ist, wie er in einer Fernsehdebatte den Senator Marco Rubio regelrecht vernichtete. Doch nach zwei Mahlzeiten mit Pence beteuerte Trump tags darauf bei Fox News, er brauche „keinen Kampfhund“, es gehe ihm allein um politische Fähigkeiten.

          Davon haben viele Republikaner reichlich, aber viele gestandene Politiker wollten bei Trumps Casting-Show lieber nicht mitmachen. Selbst dem Parteitag in Cleveland, auf dem Trump nächste Woche nominiert werden soll, bleiben etliche republikanische Senatoren und andere Schwergewichte fern. Trumps Team tut sich schwer, Redner für vier lange Fernsehabende zu finden. Noch kleiner ist die Auswahl für den Posten des Vizepräsidentschaftskandidaten, der nicht ohne Grund als „running mate“ bezeichnet wird: Wichtigste Aufgabe dieses „Mitläufers“ wird es auf absehbare Zeit sein, vor Spendern und im Fernsehen zu erklären, warum Trump dieses oder jenes gesagt habe. Allzu verlockend ist der Preis damit nicht, der in dieser Sonderedition von „The Apprentice“ zu gewinnen ist.

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