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Kellyanne Conway : Wie sich Trumps Beraterin um Kopf und Kragen redet

Trumps Beraterin Kellyanne Conway (November 2016) Bild: Reuters

Präsident Trump nennt CNN „Fake News“. Nun interviewt der Sender seine Beraterin Kellyanne Conway. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als Fehler einzugestehen, um Entschuldigung zu bitten und ihrem Chef zu widersprechen.

          8 Min.

          Es war wie ein Gewitter, das sich über lange Zeit zusammengebraut hatte: CNN-Moderator und Chefkorrespondent Jake Tapper knöpfte sich am frühen Dienstagabend (Ortszeit) Trump-Beraterin Kellyanne Conway vor, die Erfinderin des Begriffs „alternative Fakten“. Es ging um die Lügen des Weißen Hauses, den Terrorismus, Donald Trumps Kampagne gegen die Medien im Allgemeinen und CNN im Besonderen. In dem 25 Minuten langen Interview versucht Conway immer wieder, den bohrenden Fragen auszuweichen, aber Tapper lässt sie nicht von der Angel. Conway bleibt nichts anderes übrig, als Fehler einzugestehen, um Entschuldigung zu bitten und sogar ihrem Chef zu widersprechen. Doch der Reihe nach.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Trump arbeitet sich seit langem an CNN ab. In seiner ersten Pressekonferenz nach der Präsidentenwahl kritisierte er den Sender explizit, weigerte sich aber, dem CNN-Reporter eine Frage zu gestatten. Schließlich giftete Trump ihn an, CNN sei „eine schreckliche Organisation“ und „Fake News“. Eine Eiszeit zwischen dem Sender und dem Weißen Haus brach an. Am vergangenen Wochenende trat Vizepräsident Mike Pence in mehreren großen Sonntagsshows auf – nur nicht bei CNN. Der Sender sollte mit Kellyanne Conway vorlieb nehmen, schlug dieses Angebot aber aus. Es folgte ein Kleinkrieg darüber, wer das Interview aus welchem Grund abgesagt habe. Schließlich trat Conway am Dienstag auf. Die Atmosphäre war von Anfang an vergiftet.

          Nach einer Frage zur Bestätigung der neuen Bildungsministerin Betsy DeVos, die im Senat fast gescheitert wäre, und einer zu Trumps gewagtem Vergleich zwischen politischen Morden in Russland und Amerikas Einsatz im Irak-Krieg kommt Tapper recht schnell auf das eigentliche Thema: Trumps Verhältnis zur Wahrheit.

          Tapper lässt den Videoclip einspielen, in dem Amerikas Präsident der „sehr unehrlichen Presse“ vorwirft, Terroranschläge zu verheimlichen und nicht über sie zu berichten. Kurz nach dieser Anschuldigung hatte das Weiße Haus eine Liste mit 78 Anschlägen veröffentlicht, über die angeblich „zu wenig“ berichtet wurde. Tapper spielte einen zweiten Clip ein, der mehrere CNN-Reporter zeigt, wie sie über ebenjene Anschläge berichten – etwa in Brüssel, Paris, Nizza und San Bernardino. „CNN und andere Medien berichten die ganze Zeit über Terrorismus in aller Welt“, so Tapper. „Zu sagen, wir würden nicht über Terrorismus berichten, ist schlicht falsch.“ Conway behauptet, Trump sage bloß, dass andere Anschläge weniger Aufmerksamkeit fänden als die gerade gezeigten, über die CNN in der Tat „hervorragend“ berichte habe. Doch Tapper insistiert: „Diese Anschläge stehen auf der Liste.“

          Conway windet sich: Es gehe um die anderen Anschläge auf der Liste. „Wir können es uns nicht erlauben, Terroranschläge als normal anzusehen.“ Außerdem sei über andere Themen viel ausführlicher berichtet worden als über Terrorismus. Dabei nennt Conway ausgerechnet Trumps Vorwahlkampf – „333 Minuten“ und damit „fünfmal so viel Berichterstattung über ihn wie über diese Terroranschläge“ – sowie den Tod des Popstars Prince. Tapper wendet umgehend ein, dass die Daten nicht die gesamte Berichterstattung der Medien reflektieren, was Conway zugibt. Das sei „ein liebenswerter Spin“, befindet Tapper, „aber das ist nicht, was er (Trump) gesagt hat, Kellyanne. Er sagte, wir berichteten nicht über diese Geschichten, weil wir nicht darüber berichten wollten. Weil wir eine Art Agenda hätten. Das hat er suggeriert, und das ist beleidigend angesichts der Tatsache, dass CNN und andere Medien Reporter Gefahren aussetzen, die aus Kriegsgebieten über den ‚Islamischen Staat‘ berichten. Und ich verstehe nicht, warum der Präsident einen solchen Angriff führt.“

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