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Kellyanne Conway : Wie sich Trumps Beraterin um Kopf und Kragen redet

Conway stimmt Tapper zu – was bleibt ihr auch anderes übrig? – und gesteht die Vorwürfe damit ein. Allerdings findet sie, dass die Medien dem Präsidenten nicht genügend Respekt entgegenbrächten. Über Trump werde immer noch so berichtet wie im Wahlkampf. Allerdings: Trump selbst verhält sich ja überhaupt nicht präsidial. Er teilt bei jeder Gelegenheit aus, die sich ihm nur bietet.

„Ich bereue es ungemein“

Schließlich hält Conway CNN einen „Olivenzweig“ hin, aber das ist nur eine Formulierung, hinter der sie einen neuen Vorwurf versteckt: „Wie wäre es mit vollständiger Berichterstattung? Anders ausgedrückt: Er (Trump) hat 20 oder 21 Dekrete unterzeichnet, und es scheint, als berichteten wir (nur) über eines von ihnen“ (sie meint das Einreiseverbot). „Eines von ihnen?“, prustet Tapper. „Es verursachte ein riesiges Chaos auf Flughäfen in aller Welt. Jetzt ist ein Verfahren vor Gericht anhängig, das das Justizministerium wahrscheinlich bis zum Obersten Gerichtshof bringen wird. Selbstverständlich ist das eine große Geschichte.“ – „Ich versuche ja bloß, nochmal, die Hand auszustrecken“, sagt Conway und kommt wieder auf die Veteranen zu sprechen. Dann sagt sie, über Trump seien Wörter gefallen, die man nicht über Obama, Bush oder Clinton geschrieben habe. Manche Artikel seien einfach falsch, und sie frage sich dann: „Über wen sprechen die?“

Tapper: „Haben Sie oder Präsident Trump jemals etwas Falsches gesagt?“ Das ist der Moment, in dem Conway über ihre vielkritisierten Bemerkungen über das „Bowling-Green-Massaker“ sprechen muss. Sie hatte wiederholt behauptet, in dieser Stadt in Kentucky hätten zwei eingewanderte Iraker ein „Massaker“ begangen. Einen solchen Vorfall gab es aber nicht. Conway: „Ich bereue es ungemein, und ich entschuldige mich.“ Sie habe mehrmals „ein falsches Wort verwendet“. „Ich habe buchstäblich schon Millionen Worte im Fernsehen gesprochen, und bin in meiner Karriere, da bin ich mir sicher, mehr als tausend Mal bei CNN aufgetreten.“ Der Sender wird diese Behauptung sicherlich noch überprüfen.

„Wir haben großen Respekt vor der Wahrheit“

Aber Conway kann sogar ihrer Erfindung des „Bowling-Green-Massakers“ noch etwas Positives abgewinnen: Sie sei „sehr froh“, dass sie damit Aufmerksamkeit auf den Fall gelenkt habe, dass zwei Iraker in Amerika Al Qaida unterstützt haben. Tapper zieht eine Miene, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen. Als sich Conway auch noch über einen Richter beschwert, der etwas Falsches gesagt habe, unterbricht Tapper sie: „Aber Kellyanne, ich glaube, das Problem ist, dass es sehr schwierig ist, diese Medienkritik zu hören, dass sie Fehler machen, und sie machen sicher Fehler, aber es ist sehr schwierig, diese Kritik vom Weißen Haus zu hören, das tagein, tagaus so wenig übrig hat für Fakten (und) die Wahrheit, und das uns ‚Fake News‘ nennt für Geschichten, die sie nicht mögen.“ Conway beteuert: „Wir haben großen Respekt vor der Wahrheit.“ Doch sollten die Medien auch die positiven Seiten von Trumps Präsidentschaft sehen: Arbeitsplätze seien geschaffen worden, und Menschen von überall schrieben dem Weißen Haus, um „Danke“ zu sagen. Man solle erst einmal abwarten, bevor man Trumps Präsidentschaft bewerte. Sie sei froh, auf CNN eine Plattform zu bekommen, um die Sichtweise des Weißen Hauses zu erläutern. Schließlich hakt Tapper direkt nach: „Sind wir ‚Fake News‘, Kellyanne? Ist CNN ‚Fake News‘?“ Jetzt distanziert sich die Trump-Beraterin offen von ihrem Chef: „Nein, ich finde nicht, dass CNN ‚Fake News‘ ist.“

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