https://www.faz.net/-gpf-8uofg

Kellyanne Conway : Wie sich Trumps Beraterin um Kopf und Kragen redet

Conway gibt Tapper Recht, dass über Anschläge „mit vielen Opfern“ ausführlich berichtet wurde, behauptet aber: „Ich weiß, was der Präsident sagen wollte, weil ich es direkt mit ihm besprochen habe.“ Nämlich: Er benenne das Problem des Terrorismus und kümmere sich darum. „Vielleicht nicht bei CNN, aber ganz bestimmt woanders“ werde jedoch berichtet, „dass Terrorismus kein großes Problem ist und sich schon jemand um die nationale Sicherheit kümmert, und das ist nicht wahr.“ Trumps Einreisestopp für Bürger aus sieben muslimischen Staaten sei eine Antwort auf den globalen Terrorismus.

Tapper erwidert trocken: „Ich weiß nicht, wer argumentiert, dass Terrorismus kein ernstes Problem darstelle.“ Aber er wundere sich, dass Trump über den Anschlag in der kanadischen Stadt Quebec, wo ein weißer Rechtsterrorist in einer Moschee sechs Menschen getötet hat, „öffentlich nicht ein einziges Wort gesagt oder getwittert hat“ (während er etwa über den Messerangriff vor dem Louvre in Paris, bei dem niemand getötet wurde, sehr wohl twitterte). Tapper fuhr Conway an: „Sie wollen über das Ignorieren von Terrorismus reden? Warum hat der Präsident unseren Nachbarn im Norden nicht sein Beileid bekundet?“

Conway flüchtet sich in einen Allgemeinplatz: „Natürlich sind wir hier sehr traurig über die verlorenen Leben.“ Aber Trump versuche, „Terroristen und Leute“ zu stoppen, die Amerika schaden wollten. Sicher werde er mit dem kanadischen Ministerpräsidenten über den Anschlag in Quebec sprechen, wenn der ihn nächste Woche in Washington besuche. „Aber Fakt ist, dass er“, stammelt Conway, „ich werde ihn fragen, er hat nicht über alles getwittert, er kommentiert nicht alles.“ Letztlich werde Trump missverstanden. Mit dem Einreisestopp reagiere er auf die Gefahren des islamistischen Terrorismus. „Ganz offiziell: Wir sind immer traurig über den Verlust von Leben.“

„Fakten sind hartnäckig“

„Es gibt eine große Kampagne von Präsident Trump und dem Weißen Haus, um die Glaubwürdigkeit der Medien zu untergraben“, sagt Tapper, „ausgenommen solche, die (den Präsidenten) unterstützen, und früher am Tag machte Präsident Trump eine Bemerkung über die Mordrate, die die höchste in 47 Jahren sei, und er sagte, niemand berichte darüber. Es gibt einen Grund, warum kein Medium darüber berichtet: Es stimmt nicht.“ In Amerika ereigneten sich 4,9 Morde pro hunderttausend Personen, das liege weit unter der Mordrate der Achtziger- oder Neunzigerjahre. „Fakten sind hartnäckig“, so Tapper, „und zu sagen, dass wir nicht über etwas berichten, (…) und dass man uns deswegen nicht vertrauen könne, das ist ein Problem.“

CNN-Moderator und Chefkorrespondent Jake Tapper

Conway geht überhaupt nicht auf die falsche Statistik ein und begibt sich in die Opferrolle. Sie sei womöglich „die offenste Presseperson im Weißen Haus“, beteuert sie, „und jetzt werde ich von den Medien angegriffen (…) und ich werde durchhalten.“ Dann zählt sie auf, um was sie sich alles kümmere, auch um die Veteranen, über die CNN übrigens vorzüglich berichte. „Darauf können wir uns einigen, und wenn wir weitere Übereinstimmungen finden können, rufen Sie mich an.“ Dann kommt sie noch auf die Gesundheitspolitik und Präsident Obama zu sprechen. Tapper unterbricht: „Sie gehen nicht auf das ein, worüber wir hier sprechen. (…) Ich würde viel lieber mit Ihnen über Veteranen sprechen. Tatsächlich würde ich, wenn es um Trumps Regierung geht, viel lieber über Einwanderung berichten, ich würde viel lieber über Handel berichten, und ich würde viel lieber über den Kampf gegen Korruption und Maßnahmen gegen Terrorismus sprechen. Stattdessen gibt es jeden Tag diese Angriffe und Unwahrheiten aus dem Weißen Haus. Es wäre besser, wenn sie nicht aus dem Weißen Haus kämen, für mich und für Sie.“

Weitere Themen

Türkei fordert Beistand der Nato Video-Seite öffnen

Eskalation im Syrien-Konflikt : Türkei fordert Beistand der Nato

Im sich zuspitzenden Konflikt um die umkämpfte syrische Provinz Idlib hat die Türkei internationale Hilfe angefordert - und mit einer Öffnung der Grenzen zur EU für Flüchtlinge gedroht. Bei syrischen Luftangriffen waren 33 türkische Soldaten getötet worden.

Bernie, die rote Gefahr?

FAZ Plus Artikel: Angriffe auf Sanders : Bernie, die rote Gefahr?

Was viele Demokraten über den Spitzenreiter Bernie Sanders sagen, geht über die übliche Kritik in einem Vorwahlkampf hinaus. Ist er ein Kommunist? Will er das Gesundheitswesen in Planwirtschaft ersticken? Ja, ist er überhaupt ein Demokrat?

Topmeldungen

Nach Angriff auf Soldaten : Nato erteilt der Türkei eine Abfuhr

Nach dem Angriff auf türkische Soldaten in Syrien sprechen die Verbündeten Ankara ihre Solidarität und Anteilnahme aus. Auf eine Bitte um mehr militärische Unterstützung gehen sie jedoch nicht ein.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.