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Nach Treffen mit Putin : Amerikas Rechte stehen hinter Trump

  • -Aktualisiert am

Trifft auf Zustimmung: Trump trifft Pution Bild: AP

Donald Trump muss für sein Treffen mit Wladimir Putin Kritik von allen Seiten einstecken. Der rechte Teil seiner Basis steht hinter ihm – auch, weil viele Unterstützer der „Alt-Right“ eigene Verbindungen nach Russland haben.

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          Donald Trumps Treffen mit Wladimir Putin sorgt in Amerika weiter für Ärger und Verwirrung. Trump wollte sich lediglich versprochen haben, als er die Erkenntnisse seiner eigenen Geheimdienste über die Einmischung in die Wahl 2016 abstritt. Er signalisierte seinen Anhängern auch, dass sie die öffentliche Kritik an seinem Auftritt nicht zu ernst nehmen sollten: Im Interview mit dem Sender CBS bestand er darauf, dass er die Pressekonferenz mit Putin „großartig“ gemacht habe. Wieder einmal behandelten die Medien den Präsidenten seiner Meinung nach ungerecht. „Man macht etwas Gutes und sie versuchen, es so schlecht wie möglich zu machen“, schimpfte Trump.

          Bei vielen Trump-Unterstützern kam die Botschaft an. Zumindest der Teil seiner Basis, der sich selbst als „Alt-Right“ bezeichnet, war in den Tagen nach dem Treffen mit Putin recht unverdrossen auf Trumps Seite. Rechte Twitter-Berühmtheiten wie Mike Cernovich bemühten sich, Trumps Auftritt als ganz normale, wünschenswerte Diplomatie darzustellen und teilten etwa alte Reden von Hillary Clinton, in denen sie als Außenministerin über bessere Beziehungen zu Russland gesprochen hatte. Anhänger der „Alt-Right“ twitterten Bilder von Trumps Vorgängern und ihren Begegnungen mit Putin. Viele Rechte trauen den etablierten Medien nicht und teilen Trumps Ansicht, dass die Ermittlungen in der Russland-Affäre eine „Hexenjagd“ seien. Für viele seiner Fans ist die Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller nichts weiter als ein unlauteres Manöver, um ihren Präsidenten vom „Siegen“ abzuhalten. Nicht wenige bewundern außerdem Wladimir Putin wegen seines autokratischen Führungsstils.

          Aus der Sicht der neurechten Blogger und Twitterer machte der Präsident nichts falsch, als er Putin nicht öffentlich mit dem Vorwurf der Wahlbeeinflussung konfrontierte und auch ansonsten die Gelegenheit zu offener Kritik an Putin verstreichen ließ. Im Gegenteil: manch einer sieht in Putins Russland einen wünschenwerteren Bündnispartner als in den liberalen Demokratien Europas. „Ist es nicht lustig, wie die Linken Russland idealisiert haben, bis die Russen sich vom Kommunismus abwandten? Nun will die Linke Krieg mit ihnen, warum?“ fragte Jack Posobiec, einer der bekannteren Protagonisten der „Alt-Right“ seine 345.000 Twitter-Follower. Er retweetete auch das Selbstlob des Präsidenten über das Treffen mit Putin („Viele Menschen in den Führungsrängen der Geheimdienste haben meine Pressekonferenz geliebt“) mit dem Vermerk: „Unser Chef-Verhandler bei der Arbeit“.

          Die rechte Nachrichtenseite „Breitbart“ verteidigte den Präsidenten mit einer Liste von „sieben Dingen, bei denen Trump hart gegenüber Russland war“ gegen die „wilden Verrats-Beschuldigungen“. Der Präsident sehe sich hysterischen Angriffen gegenüber – dabei sei seine Regierung den Russen gegenüber strenger aufgetreten als sein Vorgänger Barack Obama. Als Beispiele nannte „Breitbart“ die Sanktionen gegen Russland und die Tatsache, dass die Trump-Regierung der Ukraine Waffen verkaufe. „Es kann manchmal schwierig sein, den verschiedenen Äußerungen dieser Regierung zu Russland zu folgen, aber ihre Handlungen sprechen eine klarere Sprache,“ so das Online-Magazin.

          Tucker Carlson, einer der wichtigsten politischen Kommentatoren bei „Fox News“, dem Liebslingssender des Präsidenten, war ebenfalls auf Trumps Seite. Der Präsident habe sich nun zwar der Kritik gebeugt, indem er er seine Äußerungen zurückzog und seine Unterstützung für die eigenen Geheimdienste erklärte. Aber trotzdem habe er richtig gelegen: „Russland ist nicht unser Freund, aber warum sollte es unser Feind sein“, sagte Carlson. Andere Nationen spähten die Amerikaner schließlich auch aus – das sei vollkommen normal. Und die Versuche der Russen, in den Wahlkampf einzugreifen, seien so grotesk amateurhaft gewesen, dass man sich ohnehin keine ernsthaften Sorgen machen müsse.

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