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Nach Treffen mit Putin : Amerikas Rechte stehen hinter Trump

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Die amerikanische Rechte ist in viele Gruppen zersplittert und nicht alle teilen die Russland-Begeisterung einiger Führungsfiguren. Die Sympathie vieler Protagonisten der „Alt-Right“ für eine engere Beziehung mit Russland kommt aber nicht zuletzt daher, dass sie eigene Verbindungen nach Russland, genauer zu russischen Rechten, unterhalten. Richard Spencer, der für sich in Anspruch nimmt, den Begriff „Alt-Right“ erfunden zu haben, bezeichnete Russland einst als „einzige echte weiße Macht in der Welt“. Bevor die rechtsradikalen Ausschreitungen in Charlottesville im vergangenen Sommer weltweit Schlagzeilen machten, hatte Spencer dort im Mai einen kleineren Marsch angeführt, bei dem seine Anhänger riefen: „Russland ist unser Freund“.

Alexander Dugin, ein rechter Ideologe, der ein ultra-nationalistisches Russland als „Bollwerk“ gegen den liberalen Westen propagiert, schrieb gelegentlich für Spencers Webseite „Altright.com“ und dessen Onlinemagazin „Radix“. Spencer wiederum steuerte einen Artikel für Dugins Online-Organ „Katehon“ bei. Dugin ist ein ehemaliger Berater von Sergei Naryschkin, dem Leiter von Putins Auslandsgeheimdienst SWR, der ebenso wie Dugin auf der Sanktionsliste der Amerikaner steht und nicht ins Land einreisen darf. Im Jahr 2014 wollte Spencer Dugin als Redner zu einer Veranstaltung der „Alt-Right“ in Ungarn einladen, aber auch dessen Reise wurde wegen der internationalen Sanktionen abgeblasen.

Matthew Heimbach ist ein weiterer Anführer der „Alt-Right“, der immer wieder die Bewunderung vieler ihrer Protagonisten für Putins Russland ausdrückte. Der Mitgründer der rassistischen Organisation „Traditional Workers‘ Party“ sagte dem Magazin „Business Insider“ im Dezember 2016: „Putin ist heute der Führer der freien Welt. Er unterstützt weltweit die Nationalisten und hilft, eine anti-globalistische Allianz aufzubauen. Er unterstützt traditionelle Werte und die Selbstbestimmung der Völker.“ Das „Southern Poverty Law Center“ hält Heimbach für einen der einflussreichsten Anführer der jungen amerikanischen Rechten. Heimbach reiste bereits mehrfach nach Europa, um sich dort mit Rechtsradikalen zu treffen. Bei der Gründung der „Traditional Workers‘ Party“ gab es eine via Skype übertragene Gratulationsrede von Alexander Dugin. Auch David Duke, ehemaliger Anführer des Ku Klux Klan, wurde schon mit Dugin gesichtet und bezeichnete Russland als „Schlüssel für das Überleben der Weißen“. Dugin trat auch bei „Infowars“ auf, der populären Video-Seite des Verschwörungstheoretikers Alex Jones.

Viele Beobachter sehen in diesen Verbindungen einen Grund dafür, dass die Rechten sich über Donald Trumps Auftritt mit Wladimir Putin freuten. Auch, wenn Putin nicht unbedingt die Politik verfolge, die sie sich wünschten und auch, wenn die Ultranationalisten in Russland nicht immer den Einfluss hätten, den die „Alt-Right“ ihnen zuschreibe, fühlten sich doch viele inspiriert: „Unser Land hatte immer Rassisten und Russland hat ihnen neue Energie gegeben. Sie lassen sich von der Perspektive der russischen Ultranationalisten inspirieren. Und in dieser Perspektive ist eine Verachtung für Amerika als Ort des Liberalismus, der Dekadenz und der ethnischen Vielfalt enthalten“, schrieb John Schindler, ehemals Analyst beim amerikanischen Nachrichtendienst NSA über die Faszination der Rechtsradikalen für Russland.

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