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Tötung Badawis : Späte Rache für die Amerikaner

  • -Aktualisiert am

Kurz nach dem Anschlag: Die „USS Cole“ im Oktober 2000 Bild: AFP

Das amerikanische Militär tötet den Drahtzieher des Anschlags auf die „USS Cole“. Präsident Trump will damit die Hardliner beruhigen.

          4 Min.

          Im März 2001 strahlte der arabische Fernsehsender Al Jazeera ein Video aus, in dem Usama Bin Ladin ein Gedicht vortrug, das einen Anschlag erwähnte: „In Aden hat sich ein junger Mann zum Heiligen Krieg bekannt und einen Zerstörer zerstört, den die Mächtigen fürchteten.“ Drei Monate später folgte ein zweites Video, das singende Anhänger Bin Ladins in Afghanistan zeigte: „Wir danken Dir, Gott, dafür, uns den Sieg geschenkt zu haben am Tag, da wir die Cole im Meer zerstörten.“ Noch war die Welt mit den Videobotschaften des Terrornetzes Al Qaida nicht vertraut. Welche Bedeutung der Angriff auf den amerikanischen Zerstörer in der jemenitischen Hafenstadt hatte, wurde erst weitere drei Monate später klar.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Am 12. Oktober 2000 hatten zwei Selbstmordattentäter ein kleines, mit 225 Kilogramm Sprengstoff beladenes Boot in das Kriegsschiff gesteuert, das zum Auftanken im Hafen von Aden lag. Die Detonation riss ein zwölf Meter großes Loch in das Schiff, tötete 17 Crew-Mitglieder und verletzte weitere 37. Der Anschlag war das Vorspiel für einen Angriff, der die Welt verändern sollte. Nach dem 11. September 2001 wusste jedes Kind, wer Usama Bin Ladin und Al Qaida waren.

          Seinerzeit war Donald J. Trump noch ein New Yorker Immobilienmogul, der sich allmählich von der Krise seines einstigen Casino-Imperiums erholte. Mehr als 18 Jahre nach dem Anschlag auf die „USS Cole“ schrieb er nun auf Twitter: Das großartige amerikanische Militär habe für die Helden, die in dem feigen Anschlag auf die „USS Cole“ ihr Leben verloren hätten oder verletzt worden seien, der Gerechtigkeit genüge getan. „Wir haben den Drahtzieher des Angriffs, Jamal al Badawi, getötet.“ Die Arbeit gegen Al Qaida gehe weiter. Er schloss mit einer in die Zukunft weisenden Botschaft: „Wir werden niemals aufhören, den radikalen islamischen Terrorismus zu bekämpfen.“

          Am 1. Januar dieses Jahres fuhr Badawi allein im Auto östlich von Sanaa, der Hauptstadt Jemens, als er durch einen Luftangriff getötet wurde. Nach der Äußerung Trumps auf Twitter bestätigte das für den Mittleren Osten zuständige Zentralkommando der amerikanischen Streitkräfte die gezielte Tötung. Bis dahin hatte sich das Militär bemüht, den Tod Badawis zu verifizieren. Der gebürtige Adener soll für die Operation in seiner Heimatstadt verantwortlich gewesen sein. Die Planung des Anschlags hatte Abd al Nashiri übernommen, ein saudischer Landsmann Bin Ladins, der selbst schon zu der Zeit in Afghanistan Unterschlupf erhalten hatte. Al Nashiri sitzt in Guantánamo ein, wo ihm die Todesstrafe droht.

          2003 hatte ein großes Geschworenengericht in Amerika Badawi angeklagt. Das FBI setzte eine Belohnung von fünf Millionen Dollar für Informationen aus, die zur Ergreifung des 1969 geborenen Mannes führten. Die jemenitischen Behörden fassten Badawi im gleichen Jahr und sperrten ihn ein. Kurz darauf gelang ihm erstmals die Flucht aus dem Gefängnis. 2004 wurde er abermals verhaftet – und 2006 gelang ihm wieder die Flucht. Die Spuren verloren sich danach. Das Land versank nach dem arabischen Frühling zunächst in einem Bürgerkrieg, der sich bald zu einem saudisch geführten Stellvertreterkrieg gegen die von Iran unterstützten Huthis ausweitete.

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