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Todkranker Senator : Amerikas langer Abschied von John McCain

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Senator John McCain bei seinem letzten großen Auftritt auf dem Capitol Hill – der Debatte zur Abstimmung über Obamacare. Bild: AP

In Arizona bereitet sich der weithin geachtete republikanische Senator John McCain auf das Sterben vor. So lange er kann, erhebt er seine Stimme gegen Donald Trump – und könnte dessen Kandidatin Gina Haspel als CIA-Chefin noch verhindern helfen.

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          John McCain geht davon aus, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Nach allem, was er über seinen aggressiven Hirntumor weiß, könnte es jeden Tag vorbei sein. Besucher in seiner Heimat in Arizona schildern den Senator als wach und guter Stimmung, aber McCain sagte kürzlich, die Veröffentlichung seiner Memoiren Ende Mai werde er vielleicht nicht mehr erleben. Joe Biden, Vizepräsident neben Barack Obama, besuchte ihn vor einigen Tagen auf seiner Ranch in Sedona: „Ich wollte, dass er weiß, wie sehr ich ihn lieb habe“, sagte Biden. Auch Lindsey Graham, Senator aus South Carolina, war in dieser Woche in Arizona. McCain werde „noch eine Weile bei uns sein“, sagte Graham am Donnerstag. Dem 81-Jährigen gehe es wieder etwas besser und er halte stets nach dem nächsten Kampf Ausschau, versicherte er.

          McCain tut dieser Tage das, was vielen Menschen vor ihrem Tod versagt bleibt: Er ordnet seine Angelegenheiten. Dazu gehört auch, dass er seine Beerdigung plant – die ehemaligen Präsidenten George W. Bush und Barack Obama sollen sprechen, der jetzige Präsident werde laut einem Bericht der „New York Times“ explizit ausgeladen. McCain sieht keinen Grund, zu verstecken, was ohnehin jeder weiß: dass er und Donald Trump Gegner sind. So lange er das noch kann, setzt McCain deutliche Zeichen.

          Viele Amerikaner bewundern den Vietnam-Veteran dafür, dass er sich vom Krankenbett aus in die politischen Debatten einmischt. Donald Trump will er einen Strich durch die Rechnung machen, wo er dessen Entscheidungen für falsch hält. Am Mittwochabend erklärte McCain, er sei gegen Trumps Kandidatin für den CIA-Chefsessel, Gina Haspel: „Frau Haspels Rolle bei der Aufsicht über die Anwendung von Folter durch Amerikaner ist verstörend. Ihre Weigerung, Folter für unmoralisch zu erklären, disqualifiziert sie. Ich denke, dass der Senat seiner Pflicht, zu beraten und ein Votum abzugeben, nachkommen und die Nominierung zurückweisen sollte“, hieß es in einer Stellungnahme.

          „Deswegen nennt man ihn Singvogel John“

          Haspel hatte das Folterprogramm der CIA, an dem sie unter der Regierung von George W. Bush beteiligt war, nicht als eindeutig unmoralisch bezeichnen wollen, als sie in ihrer Senatsanhörung dazu befragt wurde. Jeff Flake, der zweite Senator aus Arizona, sagte bereits, dass er Bedenken gegen Haspel habe und dass McCains Haltung für ihn eine entscheidende Rolle spiele. Für die Bestätigung der neuen CIA-Chefin benötigen die Republikaner auch demokratische Stimmen, da McCain nicht nach Washington reisen wird. Dessen Position ist für viele Politiker in Washington wichtig, weil McCain selbst im Vietnamkrieg gefangen genommen und gefoltert wurde.

          Nicht alle Amerikaner begegnen McCain mit Respekt. Blamabel war es für das Weiße Haus, dass am Donnerstag eine Mitarbeiterin des Kommunikations-Teams sagte, die Meinung des Senators zu Gina Haspel zähle nicht, denn: „Er stirbt ohnehin.“ Die Bemerkung fiel in einer Besprechung hinter verschlossenen Türen, doch sie wurde nach außen getragen und vom Weißen Haus nicht dementiert. McCains Ehefrau Cindy twitterte an Kelly Sadler, die den Satz gesagt haben soll: „Darf ich Sie daran erinnern, dass mein Mann eine Familie hat, sieben Kinder und fünf Enkelkinder.“

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