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Country-Musiker Toby Keith : Der Soundtrack für Trump-Land

  • -Aktualisiert am

Ein Kerl, wie er für viele weiße Amerikaner im Landesinneren im Buche – und zur Amtseinführung für Donald Trump auf der Bühne steht: Countrysänger Toby Keith, hier 2014 in Las Vegas bei einem „Salute to the troops“-Auftritt Bild: Picture-Alliance

Viele Musiker haben dem neuen Präsidenten für seine Amtsübernahme-Party abgesagt, nicht aber der Country-Star Toby Keith. Der ist zwar angeblich sein Leben lang Anhänger der Demokraten gewesen, besingt aber vor allem die Welt der typischen Trump-Wähler.

          Justice will be served and the battle will rage, this big dog will fight when you rattle his cage. And you'll be sorry that you messed with the U.S. of A., 'cause we'll put a boot in your ass. It's the American way.

          Was sich liest wie der Teil einer polternden Ansprache von Donald Trump aus dem zurückliegenden Präsidentschaftswahlkampf, ist eine Textzeile aus Toby Keiths Hit „The Angry American“.

          Während der wütende Countrysänger nach dem 11. September 2001 nicht näher genannten Feinden der Vereinigten Staaten drohte, bald einen amerikanischen Stiefel im Hintern zu spüren, kündigte der republikanische Präsidentschaftskandidat vor seinem Wahlsieg 2016 ein aufs andere Mal an, wahlweise „die Scheiße“ oder „die Hölle“ aus islamistischen Terroristen „herauszubomben“.

          Die Vorliebe für deutliche Ansagen und eine, nun ja, eher unverblümte Wortwahl scheinen Trump und Keith also schon einmal gemeinsam zu haben. Ob der gewählte 45. Präsident den Musiker deshalb eingeladen hat, im Rahmen seiner Inaugurationsfeierlichkeiten vor dem ehrwürdigen Lincoln-Memorial in Washington aufzutreten, ist allerdings nicht bekannt.

          Keith, 55 Jahre alt, 17 Studioalben, 21 Nummer-1-Hits, ist in den Vereinigten Staaten eine Institution der modernen Country-Musik. In seinen Liedern geht es um Liebe, Schmerz, Ängste und Hoffnungen, vor allem aber um Amerika.

          That's us, that's right, gotta love this American ride. Both ends of the o-zone burnin, funny how the world keeps turnin'. Look Ma, no hands! I love this American ride, gotta love this American ride.

          Existenzprobleme, kaputte Trucks, Saufgeschichten

          Das Amerika aus Keiths Songs ist ein Ort, der mit der Lebenswelt von Donald Trump, dem New Yorker Milliardär, der in den letzten Jahrzehnten permanent mit dem Privatflugzeug von einer Luxusunterkunft zur nächsten jettete, auf den ersten Blick eher wenig zu tun hat. In Keiths Amerika geht es um Existenzprobleme, kaputte Trucks und Saufgeschichten. Aber immer auch, und hier kommt Trump ins Spiel, um das Gefühl, trotz allem zur „großartigsten Nation der Welt“ zu gehören.

          „America first“, Amerika zuerst, das Motto der nun beginnenden Präsidentschaft, ist in der Tat auch bei Keith ein immer wiederkehrendes Motiv – wobei dessen größten Helden die Soldaten des Landes sind, besungen in Dutzenden Liedern. Ob in Afghanistan, im Irak oder in Guantànamo: immer wieder hat Keith den amerikanischen Streitkräften in den letzten Jahren im Ausland Besuche abgestattet.

          „Justice will be served and the battle will rage, this big dog will fight when you rattle his cage. And you’ll be sorry that you messed with the U.S. of A., ’cause we’ll put a boot in your ass. It’s the American way“: Zeile aus dem Keith-Hit „The angry American“

          „Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, für unser Land oder unser Militär zu singen“, reagiert Keith auf Kritik an seinem Inaugurations-Auftritt für Trump. Eigentlich sei er ja sein Leben lang Demokrat gewesen, sagt Keith, aber die Art und Weise, wie andere Demokraten die Armee behandelt hätten, habe ihn von der Partei entfremdet. Heute stehe er irgendwo „rechts der Mitte“, an der Seite Trumps. Dieser sei den Anforderungen des Amts gewachsen und könne „den alten Uncle Sam retten“, erklärte Keith bereits 2015.

          I'm an American soldier, an American. Beside my brothers and my sisters I will proudly take a stand. When liberty's in jeopardy, I will always do what's right. I am out here on the front lines, so you can sleep in peace tonight.

          Keith: Trump hat „keinen politischen Knochen im Körper“

          Dass Trump selbst über keine Militärvergangenheit verfügt, im Wahlkampf die Familie eines gefallenen Kriegshelden verhöhnte und es offenbar tatsächlich für angemessen hielt, seine eigenen Sex-Eskapaden mit den Leidensgeschichten von Vietnam-Veteranen zu vergleichen, scheint Keith dem neuen Präsident nicht übel zu nehmen. Viel wichtiger sei doch, dass Trump nicht zum Washingtoner Establishment gehöre. „Alles wird besser, wenn wir uns für jemanden entscheiden, der keinen politischen Knochen im Körper hat.“

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