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Vorwahlen in Amerika : Der macht das wirklich

  • -Aktualisiert am

Schmeißt hin: Der texanische Senator Ted Cruz scheidet aus dem Vorwahlkampf der Republikaner aus Bild: AP

Donald Trump diffamiert, pöbelt und gewinnt. Sein Verfolger Cruz gibt auf. Wie so viele andere Republikaner hat er weder Trumps Taktik noch dessen Wähler verstanden.

          Es war ein Tag ganz nach Donald Trumps Geschmack, aber auch ein Tag, der auf eindrückliche Weise stellvertretend für Trumps Triumphzug der vergangenen Monate stand. Erst lästern und ein paar Gerüchte verbreiten, dann schauen, was passiert, dann Gegner ausschalten und Siegesreden halten – so einfach scheint das alles zu sein.
           
          In Indiana, wo insgesamt 57 Delegiertenstimmen zu vergeben waren, gewinnt Trump mit großem Abstand. Zwar hat er noch immer nicht die nötige absolute Mehrheit von 1237 Delegierten erreicht, aber er kann sich nun so gut wie sicher sein, diese bis zum Ende der Vorwahlen Anfang Juni zusammenzusammeln. Zumal sein engster Verfolger Ted Cruz sich inzwischen aus dem Rennen verabschiedet hat.


           
          „Wir haben alles gegeben, was wir haben, aber die Wähler haben einen anderen Weg gewählt“, so Cruz sichtlich mitgenommen in Indianapolis. Dass Trump ihn wenig später bei seinem Auftritt in Manhattan als „harten Konkurrenten“ lobte und ihm eine „große Zukunft“ voraussagte, dürfte in Cruz’ Ohren wie Hohn geklungen haben.   

          In Indiana fällt die Entscheidung

          „Crossroads of America“, Amerikas Kreuzung, lautet der offizielle Staatsslogan von Indiana, und als wichtige Wegscheide hatten auch viele Kampagnenstrategen die dortige Abstimmung im Vorfeld bezeichnet. „Wenn wir Indiana gewinnen, ist es vorbei“, sagte Trump am Wochenende mit Blick auf die verzweifelten Bemühungen seiner Verfolger. Er sollte Recht behalten.  
           
          Zwar hat John Kasich weiterhin nicht aufgegeben, aber die republikanische Führung scheint sich festgelegt zu haben: Donald Trump sei jetzt der „anzunehmende Kandidat“, teilte Reince Priebus, der Vorsitzende des Nationalkomitees der Republikaner, am Abend mit. Alle Parteianhänger sollten „zusammenkommen und sich darauf konzentrieren, Hillary Clinton zu schlagen“. Trump hat damit sein großes Etappenziel erreicht.

          Der Milliardär wurde unterschätzt

          Waren viele Kommentatoren und Konkurrenten lange Zeit davon ausgegangen, dass sich der politisch unerfahrene Milliardär mit seinen polternden Auftritten irgendwann selbst ins Aus manövrieren würde, ist nun klar, dass sie alle Trumps Taktik unterschätzt haben. Der meint das ernst, der macht das wirklich – diese Erkenntnisse reiften vielen Kritikern erst, als sie ihren Kampf gegen den Neuling schon verloren hatten.

          Trumps Erfolgsmethoden: Er hat politische Gegner, ja ganze Bevölkerungsgruppen diffamiert und damit bei vielen Amerikanern anscheinend genau den richtigen Ton getroffen. Er hat zotige Geschichten zum Besten gegeben, seine Mitbewerber als Lügner bezeichnet und es selbst mit der Wahrheit immer mal wieder nicht so genau genommen.

          Dass Trump am Morgen der Abstimmung in Indiana dem Vater von Ted Cruz eine Verbindung zum Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald unterstellte, dürfte nicht wahlentscheidend gewesen sein, aber allein die Tatsache, dass er mit so etwas durchkommt, spricht Bände. Viele TV-Sender wiesen ihre Zuschauer zwar darauf hin, dass an den Gerüchten nichts dran ist, geschadet hat das Trump trotzdem nicht.


           
          Umfragen zeigen, dass Trump vor allem von seinem penibel gepflegten Image des aufmüpfigen Außenseiters, der es den alteingesessenen Politikern mal so richtig zeigen wird, profitiert. Viele republikanische Wähler sind wütend, können mit der Hauptstadt Washington und den dortigen Eliten nichts (mehr) anfangen und fühlen sich deswegen offenbar bei einem wie Trump bestens aufgehoben.
           
          Als „erster Twitter-Kandidat“, wie ihn der frühere Präsidentenberater David Axelrod nennt, versorgt Trump seine Mitbürger zudem beinahe täglich online mit Tabubrüchen aller Art. Diese wirken auf viele Amerikaner zwar befremdlich, Trumps Anhänger aber saugen sie genussvoll auf. Trumps Mitbewerber scheinen Trumps Sympathisanten nie richtig verstanden zu haben, vor allem aber haben sie nicht geahnt, wie groß die Gruppe dieser Sympathisanten ist.



          Während sich viele von Trumps inhaltlichen Positionen auch in den Programmen anderer republikanischer Präsidentschaftsbewerber wiederfinden, sind es vor allem Ton und Stil, die Trumps Kampagne so besonders gemacht haben. Auf seinen Wahlkampfveranstaltungen herrscht, so berichten viele Beobachter, eine regelrecht spürbare Freude an der Eskalation.
           
          Ob der moderate Establishment-Vertreter Jeb Bush, der junge Hoffnungsträger Marco Rubio oder nun eben der erzkonservative Ted Cruz: Sie alle haben versucht, Trump zu stoppen, allerdings ohne Erfolg. Vielleicht haben sie dem Publikum einfach nicht genug geboten.

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