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Giftgasangriff in Syrien : Welche militärischen Optionen wägt Trump?

Machtdemonstration: Wie die „USS Cook“ ist die „USS John S. McCain“ ein Lenkwaffenzerstörer für Einsätze in spannungsreichen Seegebieten Bild: POYSER HANDO/REX/Shutterstock

Amerikas Präsident sagt seine Reise nach Lateinamerika ab, syrische Regierungstruppen graben sich ein. Vieles deutet auf einen bevorstehenden Militärschlag der Vereinigten Staaten hin.

          In Syrien herrscht Alarmstufe Rot. Angesichts eines möglichen amerikanischen Angriffs auf Ziele des Assad-Regimes suchen Regierungstruppen und ihre Verbündeten offenbar, sich in Sicherheit zu bringen. Die Truppen graben sich ein. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London berichtet unter Berufung auf Menschen im Land, dass sich die Armee an allen großen Stützpunkten rund um die Hauptstadt Damaskus, in Homs und den Küstenregionen Latakia und Tartus auf einen möglichen Vergeltungsschlag Washingtons für den jüngsten, mutmaßlichen Chemiewaffenangriff vorbereite. Das klingt nach einem Déjà-vu.

          Vor einem Jahr, am 7. April 2017, hatte die amerikanische Marine die Luftwaffenbasis Al Sheirat angegriffen. Sie befindet sich westlich von Homs. Von dort waren laut Angaben des Pentagon drei Tage zuvor syrische Militärflugzeuge aufgestiegen und hatten über der Stadt Khan Scheikhoun Saringas eingesetzt. Dabei waren mindestens 86 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Zwei Lenkraketenzerstörer der Arleigh-Burke-Klasse hatten damals 60 Tomahawk-Marschflugkörper von ihren Positionen im östlichen Mittelmeer aus abgefeuert. 59 der 100 Millionen Dollar teuren Raketen schlugen kurz darauf auf der Luftwaffenbasis ein. Laut Angaben des für die Region verantwortlichen Zentralkommandos zielten die Lenkflugkörper damals auf Flugzeuge, Hangars, Lager und Radaranlagen. Um menschliche Opfer unter den Syrern und ihren russischen Verbündeten zu vermeiden, hatte Washington Moskau kurz vor dem Angriff gewarnt.

          Innerhalb kurzer Zeit wurde die Luftwaffenbasis wieder instandgesetzt. Seitdem steigen wieder Kampfflugzeuge des Regimes zu ihren Missionen auf. Das damals ausgegebene Ziel der Regierung Trump, mit einer „proportionalen“ Antwort auf das Kriegsverbrechen neue Chemiewaffenangriffe zu unterbinden, war offenbar gescheitert. Berichte über neue Verstöße gegen das Chemiewaffenabkommen, dem die syrische Regierung unter massivem Druck 2013 beigetreten ist, gab es seitdem immer wieder; meistens von Seiten der Opposition, und meistens kaum zu überprüfen. Anders liegt der Fall für die amerikanische Regierung nun bei der von Rebellen kontrollierten Stadt Douma, östlich von Damaskus. Dort war am Freitag ein Waffenstillstand zwischen den syrischen Streitkräften und der „Armee des Islam“, der größten Rebellengruppe vor Ort, gescheitert. Die 100.000 Einwohner zählende Stadt ist das letzte Stück, das dem Assad-Regime zur kompletten Wiedereroberung der Region Ost-Ghouta noch fehlt.

          Die Kämpfe zwischen beiden Seiten waren noch am Freitag wieder aufgeflammt. Auf Luftangriffe der syrischen Luftwaffe reagierten die Rebellen mit dem Beschuss von Damaskus. Dann, am Samstagabend, wurde über Douma Giftgas ausgebracht. Da Chlorgas schwerer als Luft ist, sackt es zu Boden und gelangt so auch in Räume unter der Erde, in denen Menschen Schutz suchen. Angaben aus der Stadt zufolge kamen bei dem Angriff mehr als 150 Menschen ums Leben. Die Zahl der Verletzten soll ein Vielfaches betragen.

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