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Super Tuesday in Amerika : Die Spannung steigt, das Niveau sinkt

  • -Aktualisiert am

Wer macht das Kandidaten-Rennen? Beim Super Tuesday dürfte die Vorentscheidung fallen. Bild: dpa

In zwölf Staaten wird gewählt, mehr als 1600 Delegiertenstimmen werden auf die Präsidentschaftsbewerber verteilt. Das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum „Super Tuesday“. Und ein Ratschlag von Donald Trumps Ehefrau.

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          Wo und wie wird gewählt?

          Einfache Frage, komplexe Antwort. Aber der Reihe nach:

          Republikaner und Demokraten halten heute klassische Vorwahlen (sogenannte „Primaries“) in folgenden neun Bundesstaaten ab: Alabama, Arkansas, Georgia, Massachusetts, Oklahoma, Tennessee, Texas, Vermont und Virginia.

          Dazu kommen in Minnesota (beide Parteien), Colorado (Demokraten) und Alaska (Republikaner) Abstimmungen im so genannten „Caucus“-Verfahren, bei dem Partei-Anhänger vor ihrer Entscheidung erst miteinander diskutieren und sich gegenseitig zu überzeugen versuchen.

          Bei den Republikanern gibt es in North Dakota, Wyoming und Colorado zudem gleich drei Veranstaltungen, bei denen die Basis zwar das Wort ergreifen kann, aber ihre Stimmen nicht das letzte Wort darüber haben, welche Delegierten am Nominierungsparteitag für welchen Kandidaten stimmen.

          Und sogar außerhalb des amerikanischen Kontinents wird gewählt: In Amerikanisch-Samoa steht ein Caucus an und auch die einwöchige Abstimmung der im Ausland lebenden Demokraten beginnt heute. Stimmen können per Post, E-Mail, Fax oder in einem der 121 weltweit eingerichteten Wahllokale abgegeben werden.

          Welcher Staat ist heute am wichtigsten?

          Klare Sache: Texas.

          Allein bei der Vorwahl dort können die Kandidaten mehr Delegiertenstimmen einsammeln als bei den bisherigen vier Abstimmungen zusammen. Texas sei das „Kronjuwel“ des Wahltages, so der republikanische Präsidentschaftsbewerber Ted Cruz. Der Senator, selbst aus Texas, versucht deswegen alles, um Donald Trump im Cowboy-Staat zu schlagen.

          Zwar werden auch in Texas die Delegiertenstimmen proportional zum Wahlergebnis verteilt (es sei denn ein Kandidat holt mehr als 50 Prozent der Stimmen, dann bekommt er alle Delegierten), aber ein erster Platz in Texas hat in jedem Fall wichtige Signalwirkung.

          Können Trump und Clinton schon heute durchmarschieren?

          Rechnerisch nicht.

          Selbst wenn Clinton bei den Demokraten oder Trump bei den Republikanern in allen Super-Tuesday-Staaten alle Delegierten gewinnen sollten, würden sie nicht über die erforderlichen Schwellen (1237 bei den Republikanern, 2383 bei den Demokraten) kommen.

          Ganz anders sieht die Antwort aus, wenn es um das in diesen Tagen in Amerika immer wieder zitierte „Momentum“ geht. Gute Resultate heute könnten Donald Trump und Hillary Clinton so viel Wind in die Segel geben, dass beide von ihren Konkurrenten danach nur noch ganz schwer zu stoppen wären.

          Die Umfragen sprechen derweil eine deutliche Sprache. Trump liegt bei den Republikanern (bis auf Texas) nahezu überall deutlich in Führung und baute auch in nationalen Erhebungen seinen Vorsprung zuletzt massiv aus.

          Bei den Demokraten dürfte Clinton einen guten Wahldienstag erleben.  Auch landesweit liegt sie gerade wieder mit zweistelligem Abstand vor ihrem einzigen Mitbewerber Bernie Sanders. Dazu kommt die große Mehrheit der Superdelegierten, die sich bereits für sie ausgesprochen haben.

          Vorwahlen in Amerika

          Wie geht es weiter?

          Kommt ganz drauf an, wen man fragt.

          Auch wenn der heutige Super Tuesday der Termin ist, an dem in diesem Jahr die meisten Delegiertenstimmen an einem Tag vergeben werden, so schielen viele Wahlkampf-Manager der Republikaner bereits auf den 15. März, den viele Beobachter für noch wichtiger halten. In Florida, Ohio und Missouri stehen an diesem Datum gleich drei große Staaten auf dem Vorwahl-Programm, deren Delegierte alle nach dem Prinzip „Der Gewinner bekommt alles“ vergeben werden.

          Gerade Trumps Konkurrent Marco Rubio, Senator aus Florida, setzt darauf, heute und in den kommenden zwei Wochen den Rückstand auf den rechtspopulistischen Milliardär möglichst gering zu halten, um dann am 15. März mit einem Sieg in seinem Heimatstaat 99 Delegierte auf einen Schlag zugesprochen zu bekommen. Dann sähe die Welt für sein Lager schon wieder ganz anders aus. Umgekehrt gilt: Wenn die Trump-Verfolger am 15. März nicht liefern, sind sie am Ende.

          Kann der Ton noch schriller werden?  

          Schwer vorstellbar, aber möglich.

          Während die Auseinandersetzung bei den Demokraten zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders zuweilen scharf, aber weiter größtenteils respektvoll ausgetragen wird, erreichte die Schlammschlacht bei den Republikanern zuletzt neue Tiefen.

          An Trumps Pöbeleien und Lästereien haben sich viele Amerikaner bereits gewöhnt, doch jetzt haut auch Marco Rubio immer stärker auf die Pauke. Seine jüngsten Sprüche zielen vor allem auf das Aussehen des Rivalen. So seien Trumps Poren „vom Bräunungsspray verstopft“, johlte der 44 Jahre alte Rubio bei einer Wahlkampfveranstaltung in Virginia. „Donald Trump wird Amerika nicht groß machen, er wird Amerika orange machen.“

          Die Spannung steigt, das Niveau sinkt. Immerhin: Trumps Ehefrau Melania, die am Montagabend eines ihrer seltenen Fernsehinterviews gab, versucht zumindest, das Benehmen ihres Donald zu verbessern. Seine Wortwahl passe ihr häufig nicht, gab sie zu Protokoll. Sie fände es schön, wenn sich ihr Mann hin und wieder ein wenig höflicher ausdrücken würde.


          So funktionieren die Vorwahlen in Amerika

          © AP

            In den Vereinigten Staaten haben die Vorwahlen für die Präsidentenwahl begonnen. Die Bewerber müssen sich den Voten der Wähler in den Bundesstaaten stellen. Doch wie funktionieren die Vorwahlen eigentlich?

            Warum gibt es überhaupt Vorwahlen?

            Die Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten wird zwar erst im November stattfinden, doch schon jetzt beginnt die heiße Phase. Anders als etwa in Deutschland üblich werden die Kandidaten der jeweiligen Partei nicht von der Parteiführung oder einem Parteitag bestimmt, sondern in Vorwahlen. In jedem Bundesstaat finden sogenannte „Caucuses“ und „Primaries“ statt. Die dort gewählten Delegierten fahren dann zum jeweiligen Parteikongress. Die Demokraten veranstalten diesen vom 25. bis zum 28. Juli in Philadelphia, die Republikaner vom 18. bis zum 21. Juli in Cleveland. Erst dort werden die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten gekürt.


            Wie funktioniert ein „Caucus“?

            Ein „Caucus“ ist eine Wahlversammlung auf Bundesstaatsebene, deren Teilnehmer über die Kandidaten diskutieren und schließlich abstimmen. „Caucuses“ werden oft als besonders demokratisch gelobt, da es einen direkten Austausch der Wähler über die Kandidaten gibt. Als Nachteil wird genannt, dass die Versammlungen oft an Arbeitstagen stattfinden und lange dauern – und damit in der Regel nur solche Wähler kommen, die ohnehin politisch engagiert sind. In der Vergangenheit war die Beteiligung an den „Caucuses“ deshalb oft geringer als an den „Primaries“. Sowohl die Demokraten als auch die Republikaner veranstalten in diesem Jahr 17 solcher Versammlungen.

            Um in den Vereinigten Staaten wählen zu können – und auch, um an den Vorwahlen teilnehmen zu können – müssen sich die Wahlberechtigten bei den Behörden ihres Bundesstaates registrieren lassen. In einigen Staaten müssen sie dabei ihre Parteipräferenz angeben, werden also als Demokrat, Republikaner oder Unabhängiger geführt. An einem geschlossenen „Caucus“ dürfen nur registrierte Wähler der jeweiligen Partei teilnehmen. An einem offenen „Caucus“ dürfen auch registrierte Wähler der jeweils anderen Partei sowie Unabhängige teilnehmen – allerdings darf jeder Wähler nur zu einem „Caucus“. Welches Prozedere angewendet wird, entscheidet die Partei des jeweiligen Bundesstaates.


            Was ist eine „Primary“?

            Die „Primaries“ sind ähnlich organisiert wie die Präsidentschaftswahlen. Jeder Bundesstaat legt ein Datum fest, an dem die Wähler in ihrem Wahllokal abstimmen können. Der Bundesstaat organisiert auch die Auszählung der Stimmen. Beide Parteien tendierten in den vergangen Jahrzehnten zu „Primaries“, da sie diese im Gegensatz zu den „Caucuses“ nicht selbst organisieren und finanzieren müssen.

            Auch bei den „Primaries“ gibt es mehrere Varianten. Bei geschlossenen „Primaries“ dürfen nur die registrierten Wähler einer Partei abstimmen. Unabhängige Wähler dürfen nicht teilnehmen. Bei halboffenen „Primaries“ können sich Unabhängige bei einer der beiden Parteien beteiligen. In einer offenen „Primary“ darf sich jeder Wähler an der Abstimmung der Partei seiner Wahl beteiligen. Welche Form genutzt wird, entscheidet der Bundesstaa.

            In diesem Jahr finden 40 „Primaries“ statt. Zusammen mit den „Caucuses“, kommt man auf 57 Wahlen, obwohl Amerika nur 50 Bundesstaaten hat. Das kommt daher, dass auch im District of Columbia abgestimmt wird, die Briefstimmen von amerikanischen Bürgern im Ausland als eigene Wahl zählen und auch die Bürger in den Überseeterritorien der Vereinigten Staaten, Amerikanisch Samoa, Guam, Nördliche Marianen, Jungferninseln und Puerto Rico, über die Kandidaten der Parteien abstimmen – obwohl sie nicht an der eigentlichen Präsidentenwahl teilnehmen dürfen.


            Nach welchem Prinzip werden die Delegiertenstimmen verteilt?

            In den Vorwahlen der Demokraten gilt das Verhältnisprinzip, ein Kandidat bekommt für den Parteikongress also die Anzahl an Delegiertenstimmen zuerkannt, die der Prozentzahl seiner Wählerstimmen entspricht. Erhält ein Kandidat 60 Prozent der Wählerstimmen, bekommt er auch 60 Prozent der Delegiertenstimmen des jeweiligen Bundesstaats. In fast allen Staaten gibt es dabei ein Hürde: Ein Kandidat bekommt nur Delegierte zugesprochen, wenn er eine bestimmte Prozentzahl – meist 15 Prozent – der Wählerstimmen erringen konnte.

            Die Republikaner verfahren in vielen Bundesstaaten ebenfalls nach diesem System. In einigen ist es jedoch möglich, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen alle Delegierten erhält. In anderen Staaten bekommt ein Kandidat sämtliche Wahlmänner zugesprochen, wenn er mehr als 50 Prozent der Wählerstimmen erhält.


            Wie viele Delegierte gibt es pro Bundesstaat?

            Die Parteien legen fest, wie viele Delegierte ein Staat zum Nominierungsparteitag entsenden darf. Bei den Demokraten beruht die Anzahl auf zwei Faktoren: Zum einen darauf, wie viele Stimmen der demokratische Präsidentschaftskandidat der vergangenen drei Wahlen aus dem jeweiligen Staat bekommen hat und zum anderen darauf, wie viele Wahlmänner der Staat ins Gremium zur Wahl des Präsidenten schickt.

            Die Republikaner bestimmen je Wahlbezirk drei Delegierte. Hinzu kommen für jeden Staat mindestens zehn weitere – abhängig unter anderem davon, ob der Staat einen republikanischen Gouverneur hat, eine republikanische Mehrheit im Staatsparlament und wie viele republikanische Abgeordnete im Kongress in Washington.

            In Iowa zum Beispiel, dem Staat, in dem die Vorwahlen beginnen, wählen die Demokraten 44 Delegierte, die Republikaner 30. Die wenigsten Delegierten gibt es bei den Demokraten in Amerikanisch Samoa mit vier, bei den Republikanern haben alle Überseeterritorien bis auf Guam neun Delegierte. Die meisten Delegierten bringt in beiden Parteien das bevölkerungsreiche Kalifornien ein. Die Republikaner vergeben dort 172 Stimmen und die Demokraten 476.


            Was wird von den Delegierten erwartet?

            Die in den „Caucuses“ und „Primaries“ bestimmten Delegierten sind beim jeweiligen Parteikongress daran gebunden, für den Kandidaten zu stimmen, für den sie gewählt wurden. Es gibt bei den Parteitagen jedoch auch unabhängige Delegierte, die frei abstimmen dürfen. Das hat strategische Gründe: Bei unklaren Verhältnissen sollen sie für das aus Parteisicht bessere Ergebnis sorgen. Die unabhängigen Delegierten werden von der Partei bestimmt – meist sind es aktuelle oder ehemalige Amtsträger.


            Wie viele Delegiertenstimmen brauchen die Kandidaten?

            Um die Nominierung der Partei zu erringen, braucht ein Kandidat mindestens die Stimmen der Hälfte der Delegierten plus einen. Bei den Demokraten entspricht das in diesem Jahr voraussichtlich 2026 Delegiertenstimmen. Der republikanische Bewerber muss wahrscheinlich 1051 Delegiertenstimmen auf sich vereinen.



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