https://www.faz.net/-gpf-8ualt

Super Bowl : Trumps Spiel mit dem Leder-Ei

  • -Aktualisiert am

Während des Wahlkampfes posierte Trump in Canton, Ohio. Bild: Reuters

Der Super Bowl soll bloß nicht politisch sein, wünscht sich die NFL. Dabei versprechen die Werbespots das Gegenteil. Und Donald Trumps Wurf-Arm reicht bis in die Umkleide.

          Amerika sitzt auf den Sofas und in Kneipen und wartet auf den Anstoß, der Sender Fox überträgt das Spiel. Es ist früher Sonntagnachmittag an der Ostküste, halb eins nachts in Europa. Aber bevor es losgeht, gibt es auf eben diesem Sender Fox ein exklusives Interview mit dem neu gewählten Präsidenten Donald Trump. Es ist eine Tradition, die Barack Obama mit seiner ersten Vereidigung eingeführt hat. Trump ist das willkommen, ein größeres Publikum kann er sich nicht wünschen.

          Eigentlich soll der Super Bowl genau das nicht sein, politisch. Allerdings hat Trump sowieso ein inniges Verhältnis zum Football, das bis hinein in die Umkleidekabine führt. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde das spätestens bekannt, als es im Wahlkampf um die Gesundheit der Kandidaten ging und Trump die eigene Verfassung anpries.

          „Wissen Sie“, sagte Trump zum TV-Arzt Dr. Oz, „Trom Brady ist ein Freund von mir. Wir spielen manchmal Golf zusammen. Großartiger Quarterback. Phänomenaler Typ und ein unglaublicher Athlet. Ich bin auf seinem Niveau, ich fühle mich so alt wie er. Es ist verrückt.“ In der Tat ganz schön verrückt. Trump war zu dem Zeitpunkt des Auftritts im September 2016 kürzlich 70 Jahre alt geworden, Tom Brady zarte 38. Natürlich könnte man denken, es wäre das gleiche Alter, das die beiden Jungspunde zu Komplizen macht. Aber es ist viel einfacher: schöne Frauen haben die zwei Erfolgsmenschen einst zusammengebracht.

          Vor 15 Jahren, im März 2002, ließ Donald Trump den jungen Tom Brady zur „Miss USA“-Wahl nach Gary, Indiana einfliegen. Brady, damals wie am heutigen Sonntag der Quarterback der New England Patriots, hatte ein paar Wochen vorher in einem knappen Finale den Super Bowl gewonnen und sollte jetzt beim von Trump veranstalteten Schönheitswettbewerb den Schiedsrichter spielen. „Wenn etwas an Tom Brady auffällt, dann dass er diese Frauen liebt“, erzählte Trump danach dem amerikanischen Magazin „Sports Illustrated“ für ein Brady-Portrait. „Und jetzt raten Sie mal: Ich liebe sie auch.“

          Politische Statements – ein Tabu

          Was 2002 wohl nicht viel mehr als ein bisschen harmloser locker room talk zwischen zwei erfolgsverwöhnten Männern war, fällt Tom Brady heute vor die Füße. Im Herbst 2015 hatten Reporter in der Umkleidekabine in Bradys Spind eine rote „Make America Great Again“-Kappe entdeckt. In darauffolgenden Interviews war der um gute Publicity bemühte Football-Superstar vorsichtig, keine direkte Wahlempfehlung abzugeben. Die Mütze nannte er ein „nettes Andenken“, und auf die Frage, ob er hoffe, dass Trump gewählt werde, entgegnete er kurzsilbig: „Hoffe ich. Das wäre gut.“

          Was damals tatsächlich noch nach Geplauder in der Kabine klang, ist nun Realität. Trump ist Präsident. Und zwar einer, der in seinen ersten zwei Wochen im Amt executive orders schneller unterschreibt, als Brady „Touchdown“ sagen kann. Und natürlich wollen die Reporter jetzt von Brady wissen, wie er zu dem neuen Mann im Weißen Haus und dem von ihm erlassenen Einreiseverbot steht. Bradys Antwort vermied genau das, was in diesen Tagen in Amerika beinah unmöglich scheint: sich auf keine Seite zu stellen. „Was ist da draußen los? Ich hab’ gar nicht richtig aufgepasst. Ich bin doch bloß ein positiv denkender Typ.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.