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Streit um Pastor : Türkei wirft Amerika „Wirtschaftskrieg“ vor

  • Aktualisiert am

Der türkische Präsident Erdogan bei einer Nachrichtenkonferenz in Ankara. Bild: Reuters

Einen „schweren Fehler“ nannte es der Nationale Sicherheitsberater Bolton, dass die Türkei den inhaftierten Pastor nicht freigelassen habe. Das will Erdogan nicht auf sich sitzen lassen.

          Die Fronten im amerikanisch-türkischen Konflikt verhärten sich immer weiter. Die Regierung in Ankara wirft den Vereinigten Staaten mittlerweile einen gezielten Wirtschaftskrieg gegen die Türkei vor. Amerika wiederum beharrt auf der Freilassung des in der Türkei inhaftierten Predigers. An den Finanzmärkten steigt die Nervosität: die angeschlagene türkische Landeswährung Lira wertete am Donnerstag abermals ab.

          Für Empörung in Ankara sorgte die Kritik des Nationalen Sicherheitsberater und engen Vertrauten des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, John Bolton. Dieser forderte die sofortige Freilassung von Pastor Andrew Brunson und bezeichnete die Festnahme als „schweren Fehler“. Ein Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan verbat sich daraufhin eine Einmischung der Vereinigten Staaten in die Abläufe der türkischen Justiz. Die jüngste amerikanische Politik stehe im Widerspruch zu den Prinzipien und Werten des Sicherheitsbündnisses Nato, hatte es am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme an Reuters geheißen.

          Die Aussagen Boltons zeigten, dass die Vereinigten Staaten der türkischen Wirtschaft schaden wollten, betonte Erdogan-Sprecher Ibrahim Kalin. „Die Trump-Regierung hat gezeigt, dass sie mit Zöllen und Sanktionen einen weltweiten Handelskrieg anzetteln wollen.“ Die Türkei werde ihre Wirtschaft aber schützen. Bolton hatte sich skeptisch gezeigt, dass die vom Emirat Katar in Aussicht gestellten Gelder in Höhe von 15 Milliarden Dollar ausreichten, um einen Einfluss auf die türkische Wirtschaft zu haben.

          Das Vertrauen der Investoren in das Land am Bosporus bleibt indes erschüttert. Die Landeswährung Lira ist seit Jahresbeginn um rund 38 Prozent gefallen. Marktexperten machen dafür die Wirtschaftspolitik von Erdogan und davon ausgehende Gefahren für die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank verantwortlich. Die Rating-Agenturen Moody’s und S&P haben die Kreditwürdigkeit des Landes noch tiefer herabgestuft, mittlerweile rangiert die Türkei auf Ramschniveau. S&P berief sich auf die extreme Schwankungen der türkischen Währung und sagte für 2019 eine Rezession voraus. Der Kursverfall hatte sich wegen amerikanischer Sanktionen Amerikas gegen die Türkei im Streit um den Pastor verschärft. Am Donnerstag verteuerte sich ein Dollar um rund ein Prozent auf 6,10 Lira. Die Handelsumsätze waren aber feiertagsbedingt dünn. Die türkischen Börsen sind wegen des islamischen Opferfestes geschlossen.

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