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Stichwahl in Mississippi : Wie rassistisch ist der Süden Amerikas?

  • -Aktualisiert am

Die republikanische Senatorin von Mississippi Cindy Hyde-Smith bei einer Wahlveranstaltung Bild: AP

Witze über Hinrichtungen, Fotos mit Konföderierten-Muskete: Vor der Senatoren-Stichwahl in Mississippi sorgt die republikanische Amtsinhaberin Cindy Hyde-Smith für Aufregung.

          Donald Trump macht schon wieder Wahlkampf: Am Montag hatte er zwei Auftritte in Mississippi. Denn dort sind die Midterm-Kongresswahlen noch nicht ganz vorbei. An diesem Dienstag wählt der Bundesstaat seine zweite Senatorin oder seinen zweiten Senator nach. Amtsinhaberin Cindy Hyde-Smith von den Republikanern und Herausforderer Mike Espy gehen in die Stichwahl. Bei der Wahl am 6. November erhielt Hyde-Smith 41,5 Prozent der Stimmen, Espy kam auf 40,6 Prozent. Dieses Ergebnis war schon unerwartet knapp und ein Mobilisierungserfolg der Demokraten.

          Hyde-Smith ist erst seit März 2018 Senatorin, davor war sie Landwirtschaftsministerin von Mississippi. Der Gouverneur Phil Bryant ernannte sie zur Senatorin, nachdem Amtsvorgänger Thad Cochran zurückgetreten war. Nach nur wenigen Monaten in Washington könnte es nun für Hyde-Smith eng werden, seit sie sich für Kommentare während des Wahlkampfs rechtfertigen muss. Die Senatorin wurde dabei gefilmt, wie sie vor Anhängern in Tupelo über einen Unterstützer sagte: „Wenn er mich zu einer öffentlichen Hinrichtung (Erhängung) einladen würde, wäre ich in der ersten Reihe.“ Politiker, Bürgerrechtsgruppen und Medien forderten eine Entschuldigung der Politikerin.

          In Mississippi wurden mehr Menschen gelyncht als in jedem anderen Bundesstaat; zwischen 1877 und 1950 waren es offiziell mehr als 600 Schwarze. Forscher gehen von einer noch höheren Dunkelziffer aus. Mehrere Unternehmen verlangten aufgrund des öffentlichen Drucks inzwischen ihre Spenden für die Wahlkampagne der Senatorin zurück, darunter die Warenhauskette Walmart, der Telekommunikationskonzern AT&T und der Pharmariese Pfizer. Walmart veröffentlichte eine Erklärung, in der es heißt: „Die jüngsten Bemerkungen von Senatorin Hyde-Smith spiegeln nicht die Werte wider, für die unser Unternehmen und unsere Partner stehen.“

          Eine Sprecherin bezeichnete die Kritik an Hyde-Smith unterdessen als neues moralisches Tief der „liberalen Medien“; sie stärke nur den „linksaußen“ stehenden Gegenkandidaten Espy. Die Senatorin veröffentlichte eine knappe Stellungnahme und gab den Satz als „übertriebene Äußerung von Wertschätzung“ aus. Auf einer Pressekonferenz beantwortete sie jede Frage nach dem Thema mit dem Verweis auf das schriftliche Statement. Die Wahlkampfmanager hielten die Kandidatin danach einige Tage vom Rampenlicht fern.

          Ihre Fernsehdebatte mit Konkurrent Espy konnte sie allerdings nicht absagen. „Wissen Sie, für alle, die sich von meiner Bemerkung beleidigt fühlten, ich entschuldige mich sicherlich“, sagte sie bei der Diskussion am vergangenen Dienstag. „Hinter meinen Stellungnahmen steckte kein böser Wille, keine wie auch immer gemeinte Absicht. Ich erkenne auch, wie diese Bemerkung umgedreht und zu einer Waffe gegen mich gemacht wurde, für nichts als persönlichen und politischen Gewinn für meinen Gegner.“

          Espy konterte: „Nun, niemand hat Ihre Kommentare verdreht, denn sie waren ja live, sie kamen aus Ihrem Mund. Und ich weiß nicht, was in Ihrem Herzen ist, aber wir alle wissen, was aus Ihrem Mund kam.“ Die Äußerungen der Senatorin seien ein „blaues Auge“ für den Bundesstaat und schädlich: „Das belebt nur alte Stereotype, die wir nicht mehr brauchen.“ Gemeint war, dass der Süden aufgrund der Sklavenhalter-Vergangenheit und des weißen Widerstandes gegen die Bürgerrechtsbewegung im 20. Jahrhundert vielen als besonders rassistisch gilt.

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