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Bannons Abgang : Das (vorläufige) Ende eines Provokateurs

Draußen: Steve Bannon Bild: AP

Der Rausschmiss von Steve Bannon bei „Breitbart“ markiert einstweilen den Tiefpunkt seiner Kariere. Er ist gegenüber dem Präsidenten zu weit gegangen. Ist er damit am Ende?

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          Steve Bannon hat in wenigen Monaten eine Geschichte von Aufstieg und Fall durchgemacht, wie sie viele Menschen in ihrem gesamten Leben nicht kennenlernen. Erst wurde er Manager von Donald Trumps Präsidentschaftskampagne, dann Chefberater im Weißen Haus – und damit einer der einflussreichsten Menschen dieses Planeten. Mit seiner Entlassung im August 2017 begann ein Abstieg, der nun mit dem Verlassen des Chefredakteurspostens der Website „Breitbart News“ vollendet wurde.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Bannon war auch während seiner Zeit an Trumps Seite ein streitbarer Charakter, der mit anderen wichtigen Menschen in dessen innerem Zirkel im Streit lag. Aggressiv und gnadenlos versuchte er, seine Politikziele durchzusetzen. Mit einigen dieser Ziele lag Bannon durchaus auf der Linie der Republikaner, die sich einen Staat wünschen, der sich möglichst wenig in das Leben der Bürger einmischt. Doch sein Diktum, er sei ein Leninist, weil er, wie der sowjetische Revolutionsführer, den Staat zerstören wolle, hat ihn in Washington vollends unbeliebt gemacht. Diese Abneigung beruhte allerdings auf Gegenseitigkeit. Wohl kaum ein anderer Berater Trumps stand so hinter dessen Wahlkampfversprechen, den „Sumpf trockenzulegen“, wie Bannon.

          In der Politik war er aber immer von Trump abhängig, einem Präsidenten, der von seinen Gefolgsleuten absolute Loyalität verlangt. Für seine Tätigkeit bei der Nachrichtenseite „Breitbart News“, die er in den vergangenen Jahren zum Sturmgeschütz der Rechten in Amerika gemacht hatte, war er auf der anderen Seite auf die Zuwendungen der Milliardärstochter Rebekah Mercer angewiesen, die zusammen mit ihrem Vater eine Großspenderin der Trump-Kampagne war und auch viel Geld in „Breitbart News“ gepumpt hat. Den Rückhalt der beiden hat Bannon jetzt augenscheinlich verloren.

          Gegenüber Trump wurde ihm zum Verhängnis, dass er, schon als er noch im Weißen Haus war, Anflüge von Größenwahn zeigte. Einem Präsidenten gegenüber, der sich selbst für den Größten hält, ist das jedoch kaum zielführend. Bannon sah sich gerne als der eigentliche Motor hinter Trumps Wahlerfolg, soll sich, wie der Journalist Michael Wolff in seinem Buch „Fire And Fury“ schreibt, gar als „Gehirn Trumps“ bezeichnet haben. Das konnte nicht lange gut gehen. Nach Bannons Verabschiedung aus dem Weißen Haus folgte dann auch schnell Trumps Absetzbewegung. Bannon habe nur kurz für ihn gearbeitet und sei auch erst an Bord gekommen, als er sich schon die Kandidatur der Republikaner gesichert hatte, erklärte der Präsident.

          Republikaner befürchten Welle

          Vergangene Woche, nachdem Zitate Bannons bekannt geworden waren, denen zufolge er Trumps Sohn als „Verräter“ bezeichnet und auch sonst unfreundliche Bemerkungen über die Familie des Präsidenten gemacht haben soll, legte Trump nach. Bannon habe im August nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand, heißt es aus dem Weißen Haus. Bannon habe nichts mit dem Erfolg bei der Präsidentenwahl zu tun, sei aber dafür verantwortlich, dass die Demokraten den Senatssitz in Alabama gewinnen konnten.

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