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Abgang von Stephen Bannon : Das Weiße Haus ist zu klein für zwei so große Egos

  • -Aktualisiert am

Stephen Bannon hat ein ähnliches großes Ego wie Donald Trump – das wurde ihm nun zum Verhängnis. Bild: dpa

Es wirkt wie ein Witz: In der Woche, in der Donald Trump Rassisten hofiert, trennt er sich von dem Mann, dessen populistischer Nationalismus und Kampfeslust ihm eigentlich nahe steht. Doch der Abschied von Stephen Bannon hatte sich angekündigt.

          Angeblich, so will es die „New York Times“ von einem Vertrauten Stephen Bannons erfahren haben, hatte Donald Trumps Chefstratege dem Präsidenten schon vorige Woche gesagt, er wolle das Weiße Haus verlassen. Das könnte natürlich ein Gerücht sein, das Bannon am Freitag streute, um als Initiator der Trennung zu gelten. Doch manches spricht dafür, dass der Mann, der vor einem Jahr als Chef des Internetportals Breitbart News aufhörte, um Trumps Wahlkampf zu retten, tatsächlich gehen wollte.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Zum einen dürfte der einstige Marinesoldat Bannon Trumps neuem Stabschef John Kelly, einem pensionierten Viersternegeneral, mehr Respekt entgegenbringen als vielen anderen Präsidentenberatern. Kelly aber wollte die parallelen Befehlsstrukturen zerstören, die Bannon aufgebaut und die der frühere Stabschef Reince Priebus geduldet hatte. Trump hatte Bannon auf einer turbulenten Pressekonferenz vom Dienstag zwar gegen Vorwürfe in Schutz genommen, er sei ein Rassist. Aber der Präsident bestätigte, dass er über die Zukunft dieses „Freundes“ noch nachdenke.

          „Es gibt keine militärische Lösung, vergiss es“

          Zum anderen hatte Bannon am Dienstag ein Interview gegeben, das sich wie eine Herausforderung las – schon weil es an das Reportertelefonat erinnerte, mit dem Trumps Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci nach nur zehn Tagen seinen Posten verlor. Ausgerechnet einen Herausgeber des linken Magazins „American Prospect“, der kürzlich Ähnlichkeiten zwischen Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un ausgemacht hatte, rief Bannon an, um über einen anzustrebenden „Wirtschaftskrieg“ mit China zu reden. Mehrmals widersprach Bannon dabei dem Präsidenten, schien sich gar über ihn zu mokieren. Die Drohungen des Oberbefehlshabers an Nordkorea fegte er vom Tisch: „Es gibt keine militärische Lösung, vergiss es.“

          Bannon schien sich zudem Kompetenzen des Präsidenten anzumaßen, als er großspurig ankündigte, hohe Amtsinhaber im State Department und im Pentagon auszutauschen. Er beschrieb, wie er jeden Tag Minister und andere Vertraute Trumps bekämpfe, etwa Wirtschaftsberater Gary Cohn, den er als Goldman-Sachs-Lobbyisten verunglimpfte. „Die machen sich in die Hose“, sagte Bannon.

          Nach Priebus, Scaramucci und Pressesprecher Sean Spicer ist Bannon der vierte hohe Mitarbeiter, der binnen weniger Wochen das Weiße Haus verlässt; vor ihnen hatten schon Sicherheitsberater Michael Flynn und FBI-Direktor James Comey gehen müssen. Es wirkt wie ein Witz: In einer Woche, in der Trump Rassisten hofierte und darum isolierter denn je dasteht, trennt er sich von dem Mann, dessen populistischer Nationalismus und Kampfeslust ihm näher stehen als die Ideologie und das Auftreten von Cohn und anderen. Doch auf Dauer war das Weiße Haus wohl zu klein für die Egos des Präsidenten und seines Chefberaters.

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