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Vorwahlen der Demokraten : So spannend wird das Rennen um die Kandidatur

  • -Aktualisiert am

Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden liegt in den Umfragen zur Vorwahl derzeit vorne. Bild: AP

Joe Biden liegt in Umfragen vorne. Doch mindestens bis zum „Super Tuesday“ wird er zittern müssen. Ein enger Terminplan hält das Rennen um die Rolle des Trump-Herausforderers wohl lange offen.

          Zu den vielen Eigenheiten der Politik in Amerika zählt die parteiinterne Auswahl seiner Präsidentschaftskandidaten durch Vorwahlen. Die „Primaries“ sind ein Kind der partizipatorischen Revolution, die in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren in Amerika die Politik umwälzte.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Die Delegierten für die Parteikonvente, auf denen die Parteien ihre Präsidentschaftskandidaten nominieren, werden seither – überwiegend – direkt gewählt. An dem Verfahren, das anfangs als basisdemokratische Reform gegen die Parteimaschinen und ihre oligarchischen Entscheidungsfindungen gefeiert wurde, gab es indes schon immer auch Kritik. Sie entzündet sich vor allem daran, dass die Reihenfolge der Abstimmungen zu Verzerrungen des Wettbewerbs führen kann.

          Die Vorwahlen beginnen in Iowa und New Hampshire, zwei sehr kleinen Staaten mit einer sehr homogenen weißen Bevölkerung, die nicht repräsentativ für die Wählerschaft ist. Wer dort im Rennen um die Delegiertenstimmen in Führung geht, wird in aller Regel mit medialer Aufmerksamkeit und Spendengeldern belohnt. Umgekehrt bedeutet das, dass Kandidaten, die anderswo vielleicht Chancen hätten, auch frühzeitig ins Hintertreffen geraten können.

          Mancher Bewerber musste so schon aufgeben, bevor – gemessen an der Zahl der Delegierten, um die es ging – der eigentliche Wettstreit begonnen hatte. Der letzte demokratische Bewerber, der am Ende siegreich aus den Vorwahlen hervorging, obwohl er in Iowa und in New Hampshire verloren hatte, war Bill Clinton 1992. Iowa im Mittleren Westen (3,2 Millionen Einwohner, 94 Prozent davon Weiße) und New Hampshire (1,4 Millionen Einwohner, 96 Prozent Weiße) bekamen dadurch eine unverhältnismäßig große Bedeutung.

          Der Hintergrund war ursprünglich gar nicht politischer Natur: New Hampshire hatte immer schon seine Delegierten sehr früh im Jahr nominiert – schon zu einer Zeit, als deren Personalpräferenzen gar nicht bekannt waren. Und in Iowa, wo die Kandidaten in einem mehrstufigen System von Parteiversammlungen (caucuses) ermittelt werden, benötigt das komplizierte Verfahren schlicht mehr Zeit.

          Um die bisherige Dynamik des Wahlverfahrens zu verändern, haben die Demokraten in mehreren bevölkerungsreichen Bundesstaaten, allen voran Kalifornien und Texas, die Vorwahlen nach vorne verlegt. Denn unter den derzeit 23 Bewerbern für die demokratische Präsidentschaftskandidatur sind so viele Frauen und Afroamerikaner wie nie zuvor. Und diese Diversität soll gleich zu Beginn der Vorwahlen zur Geltung gebracht werden.

          Die Entscheidung könnte schon früh fallen

          Iowa und New Hampshire machen im Februar 2020 zwar immer noch den Anfang; auf sie folgen in der zweiten Februarhälfte South Carolina und Nevada. Dann aber kommt am 3. März, dem ersten Dienstag des Monats, der „Super Tuesday“. Bis dahin werden lediglich 155 von 3768 Delegiertenstimmen verteilt sein. An diesem Tag wählen die Demokraten in mindestens 13 Bundesstaaten ihre Delegierten. Weil darunter viele bevölkerungsreiche Bundesstaaten sind, werden kommendes Jahr schon 29 Tage nach der ersten Vorwahl nahezu die Hälfte der Delegiertenstimmen vergeben worden sein.

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