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Reporterlegende Seymour Hersh : „Diese ganze Geschichte ist ein einziger großer Schwindel“

  • -Aktualisiert am

Präsident Trump Bild: Reuters

Seymour Hersh, einer der bekanntesten Journalisten Amerikas, glaubt nicht daran, dass der amerikanische Präsident aus Russland gesteuert wird. Im FAZ.NET-Interview deutet er viel schmutziges Insiderwissen über Dick Cheney und Hillary Clinton an.

          10 Min.

          Die amerikanische Reporterlegende Seymour Hersh, 81 Jahre alt, immer noch impulsiv und mit einer Vorliebe für alle Abwandlungen des Schimpfwortes „fuck“, denkt anders als der Durchschnittsmensch über politische Themen. Er sitzt in seinem kleinen Zwei-Zimmer-Büro, 800 Meter vom Weißen Haus entfernt, um ihn herum Bücherstapel – und vor allem Akten. Notizen, Zettel, Dokumente, gebunden in roten, gelben, blauen Heftern. Hersh behauptet, er wisse ganz genau, wo was stehe. Wenn man ihm eine Frage stellt, fängt er gern einen Satz an, erwähnt einen „alten Freund“, sucht den Namen im Internet oder steht auf, zieht ein Buch aus dem Regal, um einen Absatz zu zitieren, der seine Aussagen untermauert, oder wühlt in den Zettelhaufen nach einer bestimmten Stelle aus einem seiner vielen Interviews mit anonymen Geheimdienstquellen. Seine Gedanken springen durch die Jahrzehnte, eine kurze Antwort entlockt man ihm nur selten.

          Der Pulitzer-Preisträger ist in Amerika umstritten – nicht nur, weil er dem früheren Präsidenten Barack Obama 2013 vorwarf, nach dem Einsatz von Giftgas im Syrien-Krieg Fakten verschwiegen zu haben, um einen amerikanischen Einsatz zu rechtfertigen. Hershs Argumenten zu folgen ist nicht leicht. Sein Lieblingssatz lautet: „Niemand berichtet darüber!“ Er hat seine Insider, denen er glaubt und vertraut. Hersh, der Doyen des investigativen Journalismus in Amerika, ist höchst skeptisch in Bezug auf Russlands Rolle bei der Präsidentenwahl 2016. Die nicht als sonderlich verwegen geltende Ansicht, dass Donald Trump Unterstützung aus dem Kreml hatte, hinterfragt er als einer der wenigen renommierten Journalisten des Landes. Vor kurzem sind zudem seine Memoiren unter dem schlichten Titel „Reporter“ erschienen.

          Mr. Hersh, warum hat …

          Ich weiß nicht, warum Deutschland sich für all das hier interessiert. Wahrscheinlich machen die Deutschen sich Sorgen über den Zustand von Amerikas Medien. Oder über den Zustand der Medien im Allgemeinen.

          Wahrscheinlich über den Zustand Amerikas im Allgemeinen.

          Was beim „Spiegel“ passiert ist, ist schockierend. Unter Stefan Aust war ich oft beim „Spiegel“ zu Besuch, wenn ich in Deutschland war. Wenn ich irgendwo in einer Stadt war, um einen Vortrag zu halten, bekam ich eine Einladung von der Lokalzeitung, vorbeizukommen und mit der Redaktion über dies und das zu sprechen. Aber die Zeitungen verschwinden. Ich werde kaum noch eingeladen. Zur „New York Times“ kann ich nicht zurück, die sind sauer auf mich, weil ich zu kritisch war. Ich bin kritisch, aber auch nicht zu kritisch. Und die Washington Post, naja, wir sind alte Kontrahenten, weil ich für die Times gearbeitet habe.

          Sie arbeiten an mehreren Geschichten gleichzeitig. Wissen Sie unter all den Zettelstapeln noch, wo Sie was aufgeschrieben haben?

          Natürlich. Das hier auf dem Schreibtisch ist das Cheney-Buch, das ich nicht machen konnte.

          Wird das irgendwann erscheinen?

          Er muss erst sterben. Da ist so viel Zeug drin, das Sie nicht glauben werden.

          Seymour Hersh an seinem Schreibtisch in Washington D.C.

          Haben Sie „Vice“ gesehen, den Film, der Dick Cheneys Aufstieg zum Vizepräsidenten porträtiert und zurzeit in den Kinos läuft?

          Pffff. Ich bitte Sie! Das hat absolut nichts mit dem zu tun, was ich hier habe. Was ich gemacht habe: Ich habe ihn mehrfach getroffen.

          Wen, Cheney?

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