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Vereinigte Staaten : Rubios Rache

  • -Aktualisiert am

Senator Marco Rubio steht Donald Trump skeptisch gegenüber. Bild: AFP

Die Ermittlungen zur Russland-Affäre setzen Donald Trump immer stärker unter Druck. Ein republikanischer Senator könnte sich zum großen Gegenspieler entwickeln.

          Es gibt Botschaften, die Donald Trump ganz offensichtlich für so wichtig hält, dass man sie gar nicht oft genug twittern kann. Die Berichte über eine mögliche geheime Zusammenarbeit zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland seien nur „eine faule Ausrede der Demokraten“ für deren Wahlniederlage, lässt der amerikanische Präsident am Dienstag nicht zum ersten Mal verlauten. Die ganze Sache sei „Fake News“ und daher vor allem ein Grund für die Russen, sich über die Vereinigten Staaten lustig zu machen.

          Damit unterschlägt Trump einmal mehr, dass natürlich längst nicht mehr nur Opposition und Medien mit der Aufarbeitung von Russlands Einmischung in die letztjährige amerikanische Präsidentschaftswahl beschäftigt sind. Neben FBI und dem neuen Sonderermittler Robert Mueller, dem selbst Trump-Vertraute uneingeschränkte Unabhängigkeit attestieren, sind es inzwischen gerade auch Republikaner, die bei den Ermittlungen gegen das Umfeld des Präsidenten eine immer wichtigere Rolle einnehmen.

          Obwohl sich gleich mehrere Kongressausschüsse mit Trumps möglicher Moskau-Connection befassen, dürfte es dabei wohl in keinem anderen Gremium so spannend werden wie im „Senate Intelligence Committee“, dem Geheimdienstausschuss des Senats.

          Rubio wird zum Kritiker

          Das liegt nicht nur daran, dass der von Trump Anfang des Monats unter fragwürdigen Umständen gefeuerte FBI-Chef James Comey bald dort aussagen wird. Auch Trumps ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn, dem besonders enge Verbindungen nach Russland nachgesagt werden, wird dem Gremium (nun doch) die angefragten geschäftlichen und privaten Dokumente zur Verfügung stellen. Das teilten Flynns Anwälte Medienberichten zufolge am Dienstagabend mit. Doch nicht nur die Ermittlungsinhalte des Ausschusses sind interessant, auch die personelle Besetzung der Runde verspricht eine besonders ausführliche Aufarbeitung.

          Gleich vier republikanische Ausschussmitglieder dürften sich als besonders gewissenhafte Aufdecker zu präsentieren versuchen, analysiert die „New York Times“. Neben dem ehrgeizigen Senatsneuling James Lankford aus dem Bundesstaat Oklahoma, dem erfahrenen Insider Roy Blunt aus Missouri und der erklärten Trump-Kritikerin Susan Collins aus Maine ist auch ein Mann im Kreis dabei, der mit dem Präsidenten ohnehin noch eine persönliche Rechnung offen hat: Marco Rubio.

          Mehr als vierzehn Monate ist es her, dass der Senator aus Florida als republikanischer Präsidentschaftsbewerber die Segel streichen musste. Sein Kontrahent Donald Trump hatte im Vorwahlkampf kaum eine Gelegenheit ausgelassen, ihn als politisches Leichtgewicht zu diskreditieren. Der wenig schmeichelhafte Spitzname „Little Marco“ („kleiner Marco“) dürfte Rubio noch lange in den Ohren geklungen haben.

          Gegner der Gesundheitsreform

          Obwohl er Trumps Kandidatur im Herbst am Ende sogar mit einer eigenen Wahlempfehlung unterstützte, tritt Rubio inzwischen regelmäßig als Kritiker des Präsidenten in Erscheinung. Über das aktuelle Chaos im Weißen Haus könne er sich nicht wundern, ätzte er vor kurzem in einem Fernsehinterview. „Die Amerikaner haben das bekommen, was sie gewählt haben.“ Auch beim Thema Gesundheitsreform deutete der Senator bereits an, den von Trump vor einigen Wochen durchs Repräsentantenhaus gedrückten Gesetzesentwurf nicht akzeptieren zu wollen.

          Vor allem aber meldet sich der 46 Jahre alte Sohn kubanischer Einwanderer immer wieder ausführlich zu Wort, wenn es um internationale Themen geht. In der vergangenen Woche beschwerte er sich etwa darüber, dass der Präsident bei seinem Besuch in Saudi-Arabien nicht über die schlechte Menschenrechtslage vor Ort gesprochen hatte.

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