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Treffen im Turm : Trumps Sohn und die Russland-Verbindung

  • -Aktualisiert am

Wollte „Dreck“: Donald Trump junior Bild: AP

Der amerikanische Senat hat Dokumente über das Treffen von Donald Trump junior mit Russen freigegeben. Sie zeigen, dass es wohl tatsächlich recht harmlos war. Aber eine Frage bleibt.

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          Es ist eines der meistdiskutierten Mosaiksteinchen der Russland-Ermittlungen: Donald Trump junior, sein Schwager Jared Kushner und Kampagnenmanager Paul Manafort trafen sich im Sommer 2016 mit der Anwältin Natalja Wesselnizkaja und weiteren Russen im Trump Tower. Nun veröffentlichte der Justizausschuss des Senats Tausende Dokumente, die die Zusammenkunft betreffen – ebenso wie Sonderermittler Robert Mueller untersucht der Ausschuss, ob es eine Kooperation zwischen der Trump-Kampagne und Russland gab.

          Arrangiert wurde das Treffen von dem britischen Musik-PR Manager Rob Goldstone und von Mitgliedern der Familie des  aserbaidschanisch-russischen Immobilienmagnaten und Oligarchen Agalarow, die mit Trump befreundet ist. Und der Sohn des Präsidenten reagierte begeistert, als man ihm „Dreck über Hillary Clinton“, Trumps demokratische Gegenkandidatin im Wahlkampf 2016, in Aussicht stellte. Letzten Endes habe Wesselnizkaja nicht geliefert – sie wollte stattdessen über den Magnizkij-Act sprechen, der der Sanktionen wegen russischer Menschenrechtsverletzungen regelte. Unter dem Gesetz waren seit 2012 die Vermögenswerte mehrerer Russen in den Vereinigten Staaten eingefroren und sie konnten kein Visum bekommen.

          Die meisten Details über das Treffen, das nicht lange gedauert und die amerikanischen Teilnehmer enttäuscht haben soll, sind bekannt. Die Versuche von Trumps Umfeld, die Besprechung zunächst zu verschweigen und dann herunterzuspielen, machten im vergangenen Jahr wochenlang Schlagzeilen – auch, weil Trump selbst, der angeblich nicht über das Treffen unterrichtet war, die Stellungnahme seines Sohnes dazu mitverfasst haben soll.

          Die veröffentlichten Dokumente enthalten aber einige neue Details. Rob Goldstone versuchte demnach bereits längere Zeit, sich als wichtiger Verbindungsmann nach Russland bei der Trump-Kampagne zu empfehlen. Fast ein Jahr vor dem Meeting im Trump Tower, das im Juni 2016 stattfand, schrieb er an Trumps Team und lud den Immobilienunternehmer zu einer Geburtstagsparty nach Moskau ein. Als er eine vertröstende Antwort mit Verweis auf die kommende Kampagne erhielt, bot Goldstone an, ein Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu arrangieren. Was weiter geschah, ist nicht bekannt, doch vermutlich verlief die Offerte im Sande.

          Goldstone wandte sich abermals im Januar 2016 an Trumps Team. Er machte die Mitarbeiter auf die populäre russische Social Media Plattform VK aufmerksam – und schlug vor, Trump solle sich doch dort registrieren. Millionen Russen, auch in Amerika, nutzten die Seite – das werde Trump in dieser großen Einwanderergruppe viel Publizität bringen, so der PR-Manager. In den Dokumenten befindet sich auch ein Probe-Profil für Trump, das Goldstone wohl auf eigene Faust von VK erstellen ließ. Die Reaktion von Trumps damaligem Social-Media-Chef Dan Scavino war begeistert: „Schicken Sie mir, was immer Sie haben, ich werde es mit dem Team teilen. Das ist großartig!“

          „Ich habe nie mit ihm darüber gesprochen“

          In den Dokumenten findet sich auch ein Blatt mit Notizen von Paul Manafort zum Treffen im Trump Tower. Dass es die Notizen gibt, war bekannt, sie waren aber nicht veröffentlicht. Die stichpunktartige Auflistung weist tatsächlich darauf hin, dass über den Magnizkij-Act gesprochen wurde. So steht darin der Name Bill Browder, ein Investment-Manager, dessen Aussagen über einen Korruptionsfall in Russland wesentlich zu den Strafmaßnahmen beitrugen. Auf der Liste findet sich auch der Punkt „Adoptionen von Russen durch amerikanische Familien“ – Russland hatte sie als Vergeltungsmaßnahme ausgesetzt. Interessant dabei ist, dass die Russen, wenn sie über die Adoptionen sprechen wollen, vor allem die Aufhebung der Sanktionen meinen, so Experten. Das Treffen könnte von russischer Seite also durchaus ein Versuch gewesen sein, den möglichen nächsten Präsidenten Amerikas in dieser Hinsicht zu beeinflussen. Natalja Wesselnizkaja jedenfalls wich in späteren Stellungnahmen von ihrer Darstellung ab, sie habe mit dem Kreml nichts zu tun – einmal bezeichnete sie sich gegenüber dem Sender NBC als Informantin des russischen Obersten Staatsanwalts.

          In den Senats-Dokumenten ist auch die Aussage von Donald Trump junior, er wisse nicht, ob sein Vater etwas mit den Stellungnahmen seines Teams zu dem Treffen zu tun gehabt habe. „Ich habe nie mit ihm darüber gesprochen“, so der Sohn. Es sei möglich, dass über die spätere Kommunikationschefin Hope Hicks Anmerkungen seines Vaters in die Erklärung eingeflossen seien. Das Trump-Team hatte damals zunächst erklärt, dass es bei dem Treffen nur um Adoptionen russischer Kinder ging.

          Wem gehört die Telefonnummer?

          Schließlich sind da noch Telefon-Daten, die belegen, dass Donald Trump Jr. zweimal eine unregistrierte Nummer anrief: einmal bevor und nachdem er mit dem Russen Emin Agalarow – Sohn des Oligarchen – sprach, um das Treffen zu arrangieren und einmal am Abend der Zusammenkunft. Auf Fragen nach den Anrufen sagte Trump , er erinnere sich nicht daran. Viele Beobachter glauben, dass der Junior mit seinem Vater sprach, der eine solche geblockte Nummer nutzen soll.

          Die Veröffentlichung der Dokumente zeigt, dass die Senatoren der Ansicht sind, dass sie das Trump-Tower-Treffen mit ihren Mitteln nun gründlich und hinreichend untersucht haben. Sonderermittler Robert Mueller, der umfassendere Befugnisse hat als der Ausschuss, wird den Hinweisen aus dem Material weiter nachgehen.

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