https://www.faz.net/-gpf-8ruit

Sean Spicer : Trumps tabubefreiter Sprecher

  • -Aktualisiert am

Trumps Mann für die Medien: Sean Spicers Bild: AFP

Trumps Sprecher genießt es, Dinge laut zu sagen, die vorher als tabu galten: Sean Spicer soll Trump erst dazu gedrängt haben, seinen Krieg gegen die Medien weiterzuführen. Ein Portrait.

          2 Min.

          Sean Spicers erste Presseunterrichtung im Weißen Haus war eine Standpauke. Am Samstag trug Donald Trumps wütender Sprecher eine Erklärung vor, in der er Journalisten beschuldigte, „bewusst falsch zu berichten“. Am Freitag hatte er die Richtigstellung und Entschuldigung eines Reporters akzeptiert, der irrig behauptet hatte, Trump habe eine Martin-Luther-King-Büste aus dem Oval Office entfernen lassen. Nun beschimpfte Spicer ihn als „verantwortungslos“.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Als „schändlich und falsch“ bezeichnete er zudem den Befund, dass weniger Menschen Trumps Amtseinführung in Washington miterlebt hatten als die von Obama 2009. Spicer untermauerte Trumps Behauptung eines Rekords mit vier leicht widerlegbaren Angaben, die das Weiße Haus später als „alternative Fakten“ rechtfertigte. Binnen Minuten verkündete Spicer, dass „niemand“ die Größe des Publikums bemessen könne und dass „dies das größte Publikum war, das je eine Amtseinführung miterlebt hat - Punkt“. Spicer verwies die Journalisten auf Demokraten-Manöver im Senat und beauftragte sie: „Darüber sollt ihr . . . berichten, statt Zwietracht zu säen.“ Fragen ließ Spicer nicht zu. Unter dem Stichwort #SeanSpicerSays tauschen Twitter-Nutzer seither lustige Lügengeschichten aus.

          Er genießt es, Dinge laut zu sagen, die als tabu galten

          Angeblich hatten manche Berater Trump davon abhalten wollen, seinen „Krieg gegen die Medien“ so eskalieren zu lassen. Spicer aber habe zur Offensive gedrängt, so die „New York Times“. Dabei verkörpert der 45 Jahre alte Spross einer Akademikerfamilie im linksliberalen Rhode Island das Republikaner-Establishment. Spicer arbeitete für republikanische Abgeordnete. Unter Präsident George W. Bush warb er als Beigeordneter Handelsbeauftragter drei Jahre lang für den Freihandel. 2011 wurde er Sprecher des „Republican National Committee“. Als Vertrauter von dessen Chef Reince Priebus, inzwischen Trumps Stabschef, verfocht der Katholik nach der Wahlniederlage 2012 die Ansicht, die Partei müsse auf Latinos zugehen. Also kritisierte Spicer Trump im Sommer 2015, weil dieser Mexikaner als „Vergewaltiger und Mörder“ bezeichnet hatte. Noch klarer distanzierte sich Spicer von dem Außenseiter, als der den Heldenmut des im Vietnam-Krieg gefolterten Senators John McCain anzweifelte.

          Doch Spicer, ein dem Pressestab zugeteilter Marinereservist, wollte vor allem gewinnen - und das hieß bald, Trump zu verteidigen. Im Sommer sprach die „Washington Post“ ihn auf den Widerspruch an, dass er früher den Freihandel rühmte und nun Trump. Spicer erwiderte, es gebe auch „Ärzte, die Menschen helfen, die böse Dinge getan haben“, und „Anwälte, die böse Leute verteidigen“. Heute würde der mit einer zur Bierlobbyistin aufgestiegenen Fernsehjournalistin verheiratete Vater zweier Kinder das kaum noch so formulieren. Wie viele genießt er die Chance, nach Trumps Sieg Dinge laut zu sagen, die als tabu galten. Denn die Überzeugung vieler Konservativer, „die Medien“ seien ihnen feindselig gesinnt, teilt Spicer aus ganzem Herzen. Bisher schlug er meist auf joviale Weise zurück. Nun weicht das charmante Lächeln einem kämpferischen Auftritt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der thüringische Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ärgert sich über Thüringens Ruf als deutsches Niedriglohnland. Er fordert mehr Geld für die Industriearbeiter.

          SPD-Spitzenkandidat : „Thüringen hat zu niedrige Löhne“

          Den thüringischen Wirtschaftsminister und SPD-Spitzenkandidaten Wolfgang Tiefensee stört, dass seine Heimat als deutsches Niedriglohnland gilt. An die Unternehmen appelliert er: Behandelt eure Mitarbeiter endlich besser.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.